England – die erste Woche, 28.7.- 2.8.2018

Wenn man von Cornwall aus Großbritannien nach Norden hin durchquert, ist das schon am Anfang eine ziemliche Herausfordernung. Abgesehen davon, dass Eurowings mein Hinterradschutzblech zerknautscht hatte und ich daraufhin eine Schadensanzeige noch auf dem Flughafen Newquay machte, regnete es gleich in der ersten Nacht heftigst und hörte aber am Vormittag wieder auf, nur noch Niesel peitschte mir ins Gesicht.

Unverdrossen startete ich am Vormittag nach Newqay und machte gleich Bekanntschaft mit den ersten heftigen Steigungen, bevor ich mich mit einigen wesentlichen Lebensmitteln ausstatten konnte. Aber dann ging es los, ab in die Hügel. Ich hatte mir die erste Etappe bis zur South Penquite Farm „nur“ knapp 50 km vorgenommen, aber die hatten es bereits in sich. Es regnete nicht mehr, aber dafür war ich schweißnass, als ich abends auf diesem Öko-Camping ankam.

Saint Colomb Major

Tor zum Farmcamping

Am Morgen wollte ich noch Luft nachpumpen, aber das Gegenteil geschah. Ein Riss im Schlauch am Ventil ließ sich nicht mehr flicken und ich musste einen Ersatzschlauch einsetzen. Intelligenterweise hatte ich einen gebrauchten mitgenommen, der schon mal geflickt war … Zunächst schien das Problem gelöst, aber nach 7 km merkte ich: Die Luft hielt nicht. Ich suchte mit google maps nach dem nächsten Fahrradladen, weil ich einen besseren Ersatzschlauch kaufen wollte und fand stattdessen ein Motorradgeschäft in Camelford. Wie passend! Ein paar Häuser weiter war eine Autowerkstatt, dort fragte ich, ob ich hier alles reparieren könnte, anstatt am  Straßenrand. Der Besitzer gestattete mir seine Betonfläche zu nutzen. Dritter Versuch den Schlauch zu flicken. Ich kam mir wie ein Anfänger vor. Nachdem auch der dritte Versuch scheiterte, fand ich einen winzigen Aluminiumsplitter zwischen Mantel und Schlauch. Reparatur Nummer vier hält nun. Bis heute. Inzwischen war es Abend geworden und, nachdem ich feststellen musste, dass es in diesem Ort kein Quartier gibt (alle ausgebucht), kam ich auf die Idee, nach einem ‚wamshowers‘ Gastgeber zu suchen, mit Erfolg! An diesem Tag kam ich ganze 20 km weiter …

p1080952803405024.jpg

Das sind meine Gastgeber. Er ist pensionierter Tierarzt, sie spielt Tuba, die Tochter hat Musik studiert, Waldhorn.

Und weiter ging es am nächsten Morgen, heftig hoch und runter. Landschaftlich sehr schön, man fährt auf Sträßchen von Radwegbreite, Autos warten brav oder ich warte an passender Stelle. Manchmal müssen sie erst den Rückspiegel einklappen …

Stillgelegter Militärflughafen

Rechts und links die typisch englischen Mauern mit Heckenbewuchs … kilometerweit

Fortsetzung folgt

Kanada 2017 – 12.07. Zweiter Teil

Wie ging es also weiter?  Nachdem sich der Regentag planmäßig abgeregnet hatte,

p1070225-e1500310812966.jpeg

P1070226

war es am nächsten morgen genauso gegenwinding wie bisher, aber dafür mit mystischem Nebel und ganzen 100 m Sichtweite. Ich machte lieber das Licht am Rad an.

P1070229

P1070232

Langsam klart es auf … wie, – da bin ich eben hoch gefahren?

Auf dem Weg zur ersten Kaffeepause beim Tim Hortens 30 km weiter,

P1070233

Das typische Tim Horton’s Angebot

besserte sich das Wetter langsam und die Straße wendete sich mehr nach Osten, später dann ging es auf dem Highway 90 nach  Norden – und damit hatte ich endlich Rückenwind! Aber so gut war die Idee, über Holyrood und Conception Bay statt auf dem TCH zu fahren, nun doch nicht.

P1070234

Geschafft, endlich in Hollyw… ähm …. Holyrood

Das erste Mal lernte ich die als die freundlichsten Menschen (Kanadas) beschriebenen Neufundländer von einer unfreundlichen Seite kennen: Ich wurde mehrere Male auf der viel zu engen Straße ohne Seitenstreifen, dafür aber Dellen und Schlaglöchern, denen ich ausweichen musste, bissig angehupt. Einmal blieb ich schlagartig stehen und brüllte den Fahrer an „So, what…?!“ (Shawn, ein Kanadadurchquerer und Polizeioffizier aus Ontario, den ich später auf dem Campingplatz traf, meinte dazu, die seien einfach den Umgang mit Radfahrern hier nicht gewöhnt. Und in  der Tat, ich sah sonst auch kaum welche.)

Weil ich ja bis Tim Hortons relativ gut durchgekommen war, hatte ich auch keine Lust mehr, die letzten 114 km in zwei Teile zu teilen,  nur um nicht zu früh bei meiner warmshowers-Gastgeberin Joy anzukommen, mit der Folge, dass sie mich die erste Nacht noch zum Camping schickte und es dadurch am Ende 120 km wurden. Aber am nächsten Morgen machte es um 7.00 Uhr „pling“ und eine Einladung zum Frühstück trudelte per Messenger ein: „Wenn du das jetzt liest und dich beeilst, kannst du zum Frühstück kommen, ich will dann aber zum Training.“ Ich musste mich also beeilen meine Sachen zu packen und dann hangabwärts nach Dowtown Saint John’s.

P1070242

Da wohnt Joy, was für eine Freude!

P1070456

Joy

Nach dem Frühstück fing ich erst einmel an, die Stadt zu erkunden. St.John’s hat man in einer strategisch supergünstigen Hafenbucht einfach an die umliegenden Hänge geklebt. So steil sind auch manche Straßen, dass es fast unmöglich gewesen wäre, das Rad samt Gepäck BERGAUF bis zu ihrem Haus zu bekommen (weshalb ich lieber vom hinteren Ende ihrer Straße kam und bergab dort zu ihrem Haus fuhr).

P1070320

P1070287

P1070251

P1070280

P1070253

P1070264

P1070244

P1070249

P1070286

Der Herr links musste mich unbedingt ausfragen. Dieser Hauseingang befindet sich übrigens im 2.Stockwerk …

Die Stadt ist steil und bunt und fast nichts ist älter als von 1892, da brannte nämlich alles ab. 100 Jahre später wäre das Gleiche fast noch mal passiert. Das Leben konzentriert sich in den parallel zum Hafenbecken verlaufenden Innenstadtstraßen.

Am Nachmittag habe ich den Signal-Hill bestiegen (leider vergaß ich einen zweiten Akku für die Kamera mitzunehmen und die Ersatzkamera im Notepad liefert nur mäßige Ergebnisse). Die strategische Lage des Hafens machte ihn durch die Befestigungen der umliegenden Hänge nahezu uneinnehmbar und er hatte als östlichster Hafen Nordamerikas auch eine besondere strategische Bedeutung im Zweiten Weltkrieg. Derzeit wurde besonders und mit Fähnchen der 700 Neufundländer gedacht, die genau vor 100 Jahren gleich am ersten Tag ihres Einsatzes bei der Schlacht an der Somme ums Leben kamen.

So, aber jetzt klettern wir mal nach oben:

P1070293

Da lang …

P1070296

P1070295

…und weiter …

P1070299

…immer höher, in der Mitte hinten das Kulturzentrum …

P1070300

…und höher …

P1070301

P1070303

…fast ganz oben …

P1070304

Das ist jetzt die Höhe der Verteidigungsbatterie. Es geht noch weiter, aber dann war der Kamerakku alle.

Damit alle sehen können, was ich fotografiert hätte, wenn — hier verlinktes Bild von jemand anderem: Signal Hill

So, und am nächsten Tag wollte ich endlich mit Erfolg Whale-Watching machen. Denn schließlich führten meine bisherigen Versuche zu fast keinem Erfolg, denn die wenigen Wale im Mingan waren äußerst fotoscheu. Auch diesmal schien erst einmal alles umsonst zu sein.

P1070342

Erst mal ging es nach Cape Spear, dem östlichsten Punkt des Kontinents.

P1070344

Ich kann jetzt auch behaupten, da gewesen zu sein. Sogar noch ein bisschen östlicher. Wenn auch nicht auf dem Fahrrad …

Aber als das Boot vor Cape Spear vor sich hindümpelte, da kamen sie, die Buckelwale und hielten auch lange genug still … oder vielleicht war das Boot auch ruhiger … oder ich zielsicherer…

P1070429

P1070387

P1070381

P1070384

P1070374

P1070356

P1070386

Und tschüss!

Und warum der nächste Tag der letzte war und ich nicht mehr das Kultur – und Ausstellungszentrum besuchen konnte, das schrieb ich ja im ersten Teil.

Kanada 2017 – 12.07. – Teil 1

Das wäre fast eine Katastrophe geworden. Ich schreibe das vom Flughafen St.John’s aus. Zufällig entdeckte ich heute Abend beim Versuch, online einzuchecken, dass Air Canada die Abflugszeit von 22.05 Uhr auf 01.30 Uhr VORVERLEGT hatte. Ich bekam Panik, denn weder hatte ich schon gepackt, noch war meine Gastgeberin zu Hause. Und bei Air Canada – ich hielt das alles noch für einen Datenbankfehler – kam ich am Telefon nur bis zu automatisierten Ja – Nein – Programmen. Ich informierte Joy, meine Gastgeberin, und sie tauchte auch alsbald zu meiner Erleichterung auf, und übernahm als gewiefte Vielfliegerin das Krisenmanagement. Sie meinte anfangs, dass ich mich irren müsse, bestimmt sei mein Flug um 4 Stunden nach hinten verschoben worden und nicht um 20 Stunden vorverlegt. Aber es stellte sich heraus, dass  sie sich irrte. In zähen Verhandlungen schaffte sie es, dass ich „umgebucht“ wurde. Ich komme nun fast einen Tag früher nach Hause, um Mittwoch 17.25 Uhr … falls ich keiner weiteren Datenbankpanne zum Opfer falle ….

Zweiter Teil folgt, wenn ich zuhause bin.

Kanada 2017 – 08.07.

Es ist gar nicht so einfach Neufundlands Form zu beschreiben: Eigentlich sieht es von oben aus, als wenn jemand versucht hat, Tapete von einere Wand zu reißen und da ist dann doch ein Rest hängen geblieben. Ein Fetzen so groß wie die DDR. 108.000 km im Quadrat. Angefangen habe ich auf dem linken oberen Fetzenteil, der nördlichen Halbinsel und im Moment befinde ich mich in Bellevue, auf dem schmalen Steg zur Halbinsel Avalon rechts unten, auf der das Hauptstädtchen Saint John’s liegt. Da will ich ja hin und dann wieder nach Hause fliegen. Es sind noch 114 km und ich versuche ein erstes Resumé.

Ich bin ja seit Deer Lake sozusagen auf der Autobahn unterwegs. Allerdings wird die erst am Ende vierspurig. Der TCH (Trans Canadian Highway) durchquert in Schlangenlinien den Hauptfetzen. Kein Chance zu glauben, „ah der Wind kommt von Südwesten und ich will ja nach Osten, also prima!“, denn genau dann treibt dich die Straße gnadenlos nach Süden! Und so erging es mir dieses Mal. Wind ist dann nicht einfach ein schwaches Lüftchen, sondern er bläst mir mit mindestens 25 km/h entgegen und bauscht sich immer wieder zu Böen mit bis zu 60 km/h auf! Da hungere ich jeder Kurve entgegen, die ein wenig weg aus der Windrichtung führt. Und dann immer wieder Steigungen! Fjordartig drängt sich der Atlantik immer wieder dem Highway entgegen, da geht es dann nur noch entweder hoch oder runter. Wie in Norwegen. Oh, ein See? Denkste, das ist das Meer. Sieht nur so aus. Und der Highway wird, auch wenn es mal flacher wird, schnell zu einer Schneise, einer Art Windkanal, der begierig den Wind bündelt, denn es ist nicht einfach nur eine Straße durch endlose Wälder. Es ist wie ein Schlucht, durch die Landschaft gefräst, links und rechts ist  die Vegetation 20 m breit kurz gehalten (wie überall in Kanada), dann kommt die Straße, jeweils mit, wie schön, einem 1 m breiten Seitenstreifen für uns Radfahrer, von denen ich so gut wie der Einzige zu sein scheine. Immer wieder von hupenden Autos aufgemuntert. „Hey, ein Radfahrer,. wow! Tüüt, tüüt, tüüt!“  Ja, und dann ständige Wetterkontraste.

wp-image-292830856

Der Exploits-River nahe Grand Falls Windsor

Da freue ich mich über mehrere Tage Sonnenschein laut Vorhersage und höchstens 20% – also kein – Regen, und endlich mal sommerliche Temperaturen (28°C!!), prompt ändert sich über Nacht alles, und kaum habe ich Grand Falls Windsor verlassen, der erste Ort, zu dem ich mal eine halbe Etappe lang richtig geilen Rückenwind hatte, sehe ich schon graue Wolkenbahnen auf mich zukommen. Es erwischt mich gnadenlos. Anfangs noch von hinten, dann, als ich, um dem Highway zu entkommen, nach Norris Arm abgebogen bin, kam eine eiskalte Böe von Norden, passend zu meiner Fahrtrichtung an diesem Tag – Nordosten – und die Temperatur stürzte von 22 Grad am Morgen auf 8 Grad am frühen Nachmittag. Und keine Chance auf einen wärmenden Kaffee in diesem Kaff, nur einfältige Läden mit dummen Verkäufern… Ich bin sauer und zwinge mich weiter nach Notre Dame Junction, da gibt es einen Provincial Park mit Camping. Hoffentlich haben die auch Hütten, denke ich und tippe beim Empfang auf der Preisliste auf „Chalet“. Der uniformierte Provinzparkbeamte scheint das eigene Angebot nicht zu kennen und meint dann, nee, die sind noch nicht eingerichtet, das dürfe er mir nicht verkaufen. Ich stehe missmutig und bis auf die Haut  durchnässt vor ihm, wenigstens gibt er mir einen Platz gleich neben der Laundry und ich werfe als erstes meinen sämtlichen nassen Sachen in den Münztrockner … (zum Glück hatte es auch aufgehört zu regnen). Und jetzt ausatmen.

Als wäre nichs geschehen ist es am nächsten Tag wieder heiter, wenn auch kühl. Mir egal. Ich schwitze bergauf sowieso und der Wind ist an dem Tag mal gnädig und schwächelt von hinten und der Seite. Ich durchquere Gander. Und versuche per SMS mit Bild meinen Freund Martin Gander zu grüßen. Klappt aber nicht. Der wohnt ja auch in einem deutschen Funkloch.

wp-image-505047721

Ehemalige DDR-Bürger erinnern sich vielleicht, dass Gander der Zwischenlandeplatz für die Interflug auf dem Weg nach Kuba war, den so mancher zur Flucht nutzte. Interessante Geschichten, wenn man danach googelt, wie die Stasi-Aufpasser versuchten, die Weitereiseunwilligen wieder einzufangen, verfolgt von der kanadischen Polizei, die genau das zu verhindern versuchte … Inzwischen ist dieses ehemalige internationale Luftdrehkreuz nur noch ein kleiner Provinzflughafen mit Luftverkehrsmuseum, auf dem, während ich dort entlang fuhr, ganze 3 Maschinen starteten bzw. landeten. Ich beschloss, noch bis Gambo zu fahren. Man fährt und fährt und lange sieht es immer gleich aus. Wald, Wald, Wald, See, Teich, Wald, Hügel, Hügel. Hügel … Als hätte jemand einen langen Tunnel mit immer der gleichen Tapete tapeziert…

wp-image--986670406

Zur Abwechslung immer mal ein rauschender Bach

wp-image--2067131940

Noch 500 km bis Saint John’s

wp-image-386061797

Wie liebe ich doch diese Rumble-Strips …

wp-image--354107349

Ein See! Nein, das Meer.

Aber dann – ein grandioser Ausblick auf die Freshwater-Bay, den Fjord von Gambo.

wp-image-849623626

Da unten, die Freshwater Bay mit Gambo. 5 km weiter, links hinten der Canpingplatz.

Über die einzelnen Orte gibt es wenig zu sagen, weil sie irgendwie alle gleich aussehen, ohne stadtplanerisch-architektonische Highlights wie man sie aus unseren europäischen Kulturlandschaften kennt. Alles „irgendwie“ hingestellt. Holzhäuser aus dem Baukasten, plastikverkleidet und wärmegedämmt. Man heizt hauptsächlich elektrisch. Strom ist billig, 5 Cent pro kW/h.

Von Gambo aus bin ich versuchsweise mal ein Stück den Trail ( den T’Rail) gefahren. Das ist die ehemalige Eisenbahnstrecke, die aufgegeben werden musste, als der TCH 1988 fertig war. Der Trail ist wiederum ein Teil des Transcanada Trails, der stolz präsentiert wird als DER Weg für Radfahrer und Wanderer quer durch das Land. Aber bis auf ein paar Teile in Großstadtnähe ist er nichts als reine Symbolpolitik. Geschottert und voller Pfützen. Ich sah meinen ersten Bären dieses Jahr aus 200 m Entfernung auf dieser Reise jetzt klingelte und sang ich laut fortan, Bären mögen nicht überrascht werden… Ich war dann froh, nach 6 km km die Straße wieder unter mir zu haben:

 

Als nächstes stand der Nationalpark Terra Nova für mich auf dem Plan bzw. der Landkarte. Ich überlegte, ob ich dort einen Tag Rast mache oder weiter fahre, denn heute, als ich das hier alles schreibe, würde es einen Regentag geben und ich beschloss dann bei einem Vanilleeis in einer Raststätte, lieber so weit wie möglich zu fahren. Gut gesagt, denn ab jetzt gab es erstens wieder Gegenwind, zweitens eine unendlich lange (40 km!) Baustelle, bei der die Seitenstreifen mal eben 40 cm tief weggfräst waren, so dann ich an der Kante entlang balancieren musste. Das Ganze bei zunehmendem Verkehr und drittens gab es längere und steilere Anstiege. Und so beschloss ich, wieder zu trampen. Postierte mich an die Ausfahrt des Terra Nova Campings Newman Sound und nötigte mit dem Ausdruck hilfloser Freundlichkeit, ein Ehepaar mit Kindern, mich mit ihrem Truck mitzunehmen. „Nur 20 km, wir wollen nach Sandy Beach“. Es waren dann 9 km. Okay, immerhin. Gestern habe ich das noch mal versucht. Bisher hatte es ja immer schnell geklappt, Arm raushalten und schon hielt einer. Und sei es aus Neugierde, denn er hatte gar keinen Platz. Aber diesmal ignoirierten mich alle. Zu viel Verkehr, da schiebt das einer auf den anderen oder was auch immer die Gründe sein mochten. An der nächsten Raststätte änderte ich die Taktik und sprach ein Ehepaar direkt an. Das klappte, aber wohl mehr weil Kanadier schlecht Nein sagen können, denn es waren sehr schweigsame 27 km bis zu Jacks Pond, einem Campingplatz. Ich wollte aber nicht einen ganzen Tag ohne WLAN in meinem Zelt bei Regen eingeperrt liegen und Hütten hatten sie nicht. Nun gut, weitere 17 km schaffte ich dann auch allein, und nun bin ich hier in diese Hütte:

wp-image-1965877549

wp-image--186698019

Wie heißen die denn nur?

wp-image--1040036398

Am Abend vor dem Regen

wp-image-307150927

Bei Grand Falls. Kreuzigung? Nicht schon wieder!

 

Kanada 2017 – 03.07.

Ich bin jetzt schon hinter Deer Lake. Das ist das Städtchen am südlichen Rad des Gros Morne Nationalparks. Heute ist Pausentag und da das WLAN auf dem Campingplatz nur in 30 m Umkreis vom Empfang existiert und es dort nichts zum Sitzen gibt (alles gerade Baustelle), versuchte ich es von Tim Hortons Kaffeehauskettenladen aus. Aber dann wurden die Wolken immer dichter und ich musste zurück zum Campingplatz eilen, um nach meinen Sachen zu sehen. (Habe ich das Zelt richtig zugemacht? Natürlich…)  Da war ich dann von 17 Uhr an im strömenden Regen in meinem Zelt gefangen… Am Abend zuvor traf ich dort Hélène, Daniel und France aus der  Biking across Canada-Gruppe auch facebook. Interessant, wenn sich Virtuelles zu Realem wandelt.

wp-image--74097

Zwei von ihnen  werde ich möglicherweise wieder treffen, da wir die gleiche Strecke fahren.

Jetzt erst einmal Bilder von der stürmischen Viking-Route und vom Gros Morne Nationalpark letzte Woche, die ich aus technischen  Gründen  bisher nicht hochladen konnte. Kein Netz oder nur 2G.

P1070036

P1070031

Immer wieder gibt es kleinbe Fischersiedlungen an der Westküste.

wp-image-84170490

Am Greenpoint

wp-image-185219100

Am Greenpoint

 

wp-image--762801502

Blick vom Lookout bei Woodypoint im Gros Morne National Park

wp-image-1935450437

P1070113

Bei Woodypoint

wp-image--58836556

Die Table Mountains im Gros Morne

 

Inzwischen war ich auf dem sich durch das Land schlängelnden Trans Canada Highway, kurz TCH, unterwegs und suchte nach einer Quartiermöglichkeit. Der Campinglatz, den ich ansteuerte, existierte nicht mehr. Wagemutig durchstriff ich dennoch dessen Terrain, von einer angeblichen Überwachungskamera bedroht. Nein, es waren nur Bremsen, die sich dort auf mich stürzten, aus Mangel an Campinggästen.  Aber kurz davor war doch eine kleine Siedlung an einem See, dem Birchy Lake. Ich dachte dann, ich frage da mal, ob ich da vielleicht in jemandes Garten mein Zelt aufschlagen könnte. Gesagt getan. Alte Dame Nummer 1 schaute mich zweifelnd an und stimmte dann zu, „da oben auf der anderen Straßenseite vor dem graugrünen Häuschen“, das gehöre ihr … aber die Zustimmung klang mehr wie ein „Wenns denn sein muss“. Ich baute mein Zelt auf und wenig später tauchte alte Dame Nummer 2 auf. Was ich denn auf ihrem Grundstück zu suchen hätte. Ich beruhigte sie und erklärte ihr, dass die Dame von Gegenüber gemeint hätte … kurz und gut, nachdem ich versichert hatte, dass ich keine Spuren hinterlasse und am nächsten Morgen verschwunden sein werde, durfte ich bleiben. Und dann, am nächsten Morgen tauchte ein weiterer Nachbar auf. Ob ich nicht Lust auf eine warme Dusche und ein Frühstück hätte? Ich war überrascht und sagte natürlich nicht nein:

wp-image-291960191

Das sind Wayne und Betty Hann vor ihrem Sommerhaus. Leider brannte es 2018 ab…

Bei der Gelegenheit erfuhr ich, dass Dame Nunmer 1 und Nummer 2 Schwestern, aber verfeindet sind und schon seit Jahren nicht mehr miteinander redeten. Das Grundstück gehört aber Nummer 2. Sie hat mich listigerweise also ihrer bösen Schwester zugeschoben. Und jetzt, einen Tag später und so früh, dass mir niemand das WLAN streitig machen und ich endlich Bilder hochladen konnte, hab ich Hunger und …. Fortsetzung folgt. Noch 500 km bis Saint John’s.

Kanada 2017 – 25.06.

Nun also bin ich bin auf Neufundland gelandet. Stürmisches Wikinger-Wetter empfängt mich hier, ich fahre ja auch den Viking-Trail, wie die Straße 430 heißt. Selbst schuld. Nee, also an Gegenwind mit Böen bis 68 km/h kann ich mich auch nach über 40.000 km Radreisen nicht erinnern.

Der letzte Bericht endete damit, dass ich auf die Fähre nach Blanc Sablon wartete, welche dann schließlich mit 14 Stunden Verspätung in Natashquan eintraf. Das Fahrrad (und noch zwei weitere) kam in einen Extra-Container, der in jedem Hafen als erstes abgeladen wurde, damit man ggf. das Rad zur freundlichen Verfügung hat. Das Schiff ist Versorgungschiff für all die kleinen Siedlungen an der Basse Cote Nord, also der Unteren Nordküste Quebecs. Dort siedeln die Innu, die wir auch als Innuit oder Eskimos kennen. Und so rau ist dort auch das Wetter. Irgendwie isländisch windig und kalt. Aber es gibt auch andere Siedlungen, wie Harrington Harbour, komplett englischspachig und ohne Straßen und Autos, stattdessen Quads und hölzerne Stege. Oder La Tabatière, ganz französischprachig. Überall hielt die Fähre zwischen 2 und 4 Stunden, bis dort alles ab- und aufgeladen war. Zeit für einen Landgang. Vorher bekommt man gesagt, wann man zurück sein muss. Am Ende, in Blanc-Sablon, summierte sich die Verspätung auf 23 Stunden, zum Glück, denn mit weniger wären wir mitten in der Nacht angekommen. So aber hatte ich gleich Anschluss an die Neufundlandfähre. Der Verladechef  sagte, sie sei „born in Germany“, und tatächlich, deutsche, schwedische und dänische, sogar finnische Hinweise über den Durchgängen entlarvten das Schiff als ehemalige Ostseefähre …

P1060916

P1060863.jpeg

Endlich – die Bella Degagnés kommt

P1060896

Harrington Harbour – Anglican Church

P1060897

Harrington Harbour

P1060891

Harrington Harbour

P1060899

Holz gibt es dort nicht, muss alles importiert werden.

P1060901

Harrington Harbour

P1060888

Harrington Harbour

P1060886

Harrington Harbour

P1060893

Harrington Harbour

P1060910

Hafenszene mit Quads

P1060884

Der Fahrrad-Container

P1060866

Die Bella Desgagnés

P1060948

La Tabatiere

P1060942

Mein erster Eisberg live

P1060960

Die MS Apollo im Vordergrund, mein Schiff nach Neufundland

Mir schwante nach dem Wetterbericht nichts Gutes, als ich in Saint Barbe, Neufundland, ankam. Aber es tröpfelte nur ein wenig und der Wind war auch noch hinnehmbar. Ich hatte Hawkes Bay als ersten Zielpunkt gesetzt, etwa die Hälfte der 181 km Strecke bis zum Nationalpark Gros Morne, bei dem ich für den 25. einen Platz vorgebucht hatte. Aber – wie angekündigt verschlechterte sich das Wetter planmäßig nach etwa einer Stunde. D.h.  Regen und der Gegenwind nahmen deutlich zu. Es fuhr sich wie in einem Windkanal in dem man mit einem Feuerwehrschlauch vollgespritzt wird, ich fühlte mich nur noch nass und hatte steife Finger. Es dauerte genau 37 km bis mein Kampfesgeist angesichts von „Tuckers Cottages“ zusammenbrach und ich nur noch ins Trockene wollte. 115 $ kostete der Spaß einer eigenen Hütte mit Küche und Bad. Etwa 75 €.  Den Platz im Gros Morne National Park, den ich vorgebucht hatte, weil ich hörte, dass anlässlich des 150. Jahrestags Kanadas alles überfüllt wäre, musste ich jetzt telefonisch umbuchen. Und da ich außerhalb der Storno-Frist war, ihn bezahlen plus Zusatzgebühr dafür, dass ich einen Tag später den gleichen Platz haben wollte. Kam mir alles so umständlich vor wie bei der Zentralen Zeltlatzverwaltung der DDR …. Und wenn der dann so leer ist wie der Platz, auf dem ich mich im Moment befinde, hätte ich mir das ganze Vorgebuche auch sparen können.

P1060964

Noch tröpfelt es nur

P1060965

Blick aus dem Fenster – Schauerschwaden am nächsten Morgen und 8°C

P1060970

Besser so als Mittelohrentzündung durch den kalten Wind


Ich bin gerade in River of Ponds. Heute früh noch erschreckten mich beim Blick aus dem Fenster  waagerecht dahin peitschende Schauerschwaden. Die ließen dann nach und es hörte rechtzeitig zum Start auf. Aber der strümische Wind blieb und bremste mich auf 11,6 km/h im Durchschnitt herunter. Mindestens wollte ich es bis zum für gestern geplanten Ziel schaffen.  Nach über zwei Stunden und erst 25 km versuchte ich es mal mit Trampen. Als erstes hielt ein PKW. Zu klein. Dann klopfte ich an ein parkendes Wohnmobil. Eine ältere Dame öffnete und bedauerte, dass sie  sich wegen des Sturmes auch nicht sich weitertrauten und hier abwarten wollten. Da nur 5-10 Autos innerhalb von 10 Minuten kamen, fuhr ich erst mal weiter. Dann, ein Truck (also so ein Pick-Up mit 4 Sitzen und hinten Ladefläche) hielt schließlich, wortkarg hievte man mein Zeug hoch auf die Ladefläche, als wären sie sowas gewohnt, workarg blieb man in der Fahrerkabine. Zum Glück. Denn sprachlich kam ich mir vor wie in Bayer in Ostfriesland … (Vielleicht sind die Neufundländer ja wirklich die Ostfriesen Kanadas, wie wikipedia meint?). Nach 28 km war der „Spaß“ zuende, denn sie wollten abbiegen. Kurz und gut, das Wetter wurde jetzt freundicher und sonniger ohne dass der Wind nachließ, und nach einer Pizza in Hawkes Bay entschied ich strategisch, noch 16 km weiter zu fahren und landete genau hier in River of Ponds. Und … zu allem Unglück brach ein Gestängebogen des Zelts durch die Böen beim Aufbau …. Doppelt! Und ich hatte nur eine Reparaturhülse (dachte ich zumindest). Also, kurz und gut, der Eigentümer hier fand noch so etwas wie eine zweite Hülse und nach einigem Werkzeugsuchen und alles zusammen quetschen ist nun alles wieder gut .., erst einmal.

P1070039.jpeg

Reparaturergebnis.  Hat gehalten. Bis zum Schluss

Nachtrag: Auch am nächsten Tag lies der Wind nicht nach, im Gegenteil. Als dann auch noch Bewölkung aufzog, konnte ich der Versuchung nicht widerstehen, noch einmal einen Pickup anzuhalten. Das klappte dann diesmal auf Anhieb. Der Fahrer fuhr mich sogar direkt bis zum Campingplatz.

P1070002

Als er dann weg war,  bemerkte ich später, dass mein teures Kabelschloss zwischen dem Kram auf seiner Ladefläche liegen geblieben war… Das wars dann damit. Wird wohl ein Neues fällig. Das Ersatzschloss, dass ich hier später kaufte, ist nicht wirklich berlintauglich.

Kanada 2017 21.06. Teil 2

…und weil auf ein Schiff zu warten keine besonders auf- oder anregende Beschäftigung ist, habe ich eben Natashquan erkundet. Sehr schön und sehr übersichtlich. 280 Einwohner. Viele Angehörige der First Nations. Verschiedenfarbige Holzhäuser. Ein „Café Échourie“ mit Kuturprogramm, am Strand gelegen, in dem ich eine Kleinigkeit aß. Ein älteres Ehepaar, das das einzige Eiskcafé tapfer weiter betreibt und das Warten auf das richtige bestellte Eis zu einer echten Geduldspobe werden lässt, während drei Mütter mit jeweils mindestens  fünf Kindern jedem Sprössling seine Spezialanfertigung zukommen lassen … Ein Supermarkt, eine Bank, eine Kirche, eine neue und die alte Schule (Museum, denn Gilles Vigneault, der angeblich bestbezahlte Sänger der Welt, hatte diese als Kind besucht). Und ein superschöner dünengesäumter Strand. Wenn nur das Wasser wärmer als 4°C wäre.  Und die Luft wärmer als 18°.

Ja und das Beste: Mein Herbergsbesitzer (dem die Story mit der verspäteten Fähre ja bekannt wurde), fragte mich, wo ich denn heute übernachten will, bis morgen früh um 8 Uhr das Schiff endlich ankommt. Ich murmelte was von „à la plage“, daraufhin bot er mir an, doch auf dem Rasen hinter dem Haus zu zelten. Kostenlos.  Mit WLAN, Strom und Wasser. Für die erste Nacht musste ich noch 89 $ zahlen, mit Frühstück.

So, jetzt die Bilder. Die alten Scheunen heißen Le Galets, was eigentlich Kiesel heißt und ich nehme an, es sind ehemaliger Fischereischuppen.

P1060832

P1060836

P1060839

Am Café Échourie

P1060841 (1)

Café Échourie – mein Essen

P1060834

Le Galets

P1060842

Le Galets

P1060844

P1060846

P1060848

P1060847

P1060855

P1060856

P1060858

Teil der Alten Schule

P1060859

Alte Schule, jetzt Museum. Geschlossen.

P1060860

Kanada 2017 – 21.06.

Gestern Abend kam ich in Natashquan an. Das ist in Fahrradkilometern etwa die Hälfte der gesamten Strecke bis Saint John’s. Hier sollte heute um 13.30 Uhr mein Schiff nach Blanc-Sablon ankommen und um 15 Uhr abfahren. Tatsächlich ist die Ankunft jetzt für morgen früh 06.30 angekündigt. Das weiß ich aber erst seit einer halben Stunde (es ist jetzt 10 Uhr)   – vorher war das auf der Webseite der Reederei nicht ersichtlich.

Von Havre-Saint-Pierre aus hatte ich eine Etappe Gesellschaft. Dave aus Massachusetts, ein 72-jähiger pensionierter Notfallmedizinier und Oboist war zweiter Gast im Haus meines Gastgebers und auf dem Weg nach Labrador. Wir fuhren eine Etappe bis Baie Johan Beetz zusammen. Dort war es dann für ihn so anmutig, dass er enschtschied eine Woche da zu bleiben und auf das nächste Schiff zu warten, statt mit mir gemeinsam das gleiche zu nehmen, wie er ursprünglich dachte.

P1060794

Nicolas beim Gewächshausbau

P1060797

Dave aus Massachusets

P1060810

P1060809

Kontraste: Walbrandreste und Fühjahrsblüten

P1060825

Blick von meinem heutigen Fenster aus

Wegen der Verspätung darf ich mich hier in der Pension vorerst aufhalten, muss nur mein Zimmer räumen und mir eine andere Übernachtung suchen. Natashquan ist ein Indianer- oder wie man hier sagt, First-Nations Ort, was ich spätestens beim Einkaufen gestern bemerkte, als ich lauter übergewichtige Indianer-Mammies traf.

Das Wetter ist schön. Ich werde mich dann auf weitere Erkundigungen begeben.

Kanada 2017 – 18.06.

Ich in immer noch in Havre-Saint-Pierre. Denn bis zum Hafen Natashquan sind es nur noch 151 km, also 2 Tage und das Schiff hat wegen Eisbergdrift (!) bereits fast einen Tag Verspätung, was mich in die Lage bringt, dass ich auf Neufundland meinen für den 25.6. vorgebuchten Campingplatz nicht rechtzeitig erreichen kann und irgendwie umbuchen muss, wenn das noch geht. Aber vielleicht sehe ich mal meine ersten Eisberge…

Nach Sheldrake folgte ich weiter der Straße 138 gen Osten, sah mir die malerische Kirche von Rivière-au-Tonnere an,

P1060592

P1060598

dann auch die von Magpie („Elster“)

P1060613

und beendete den Tag in Longue-Point-de-Mingan, denn dort teilen sich zwei Familien das Geschäft mit dem Whale-Watching und Inselexkursionen. Bucht man den Camping auch noch, gibt es 10% Rabatt für die Tour. Ich nahm angesichts von 8°C und Wind lieber eine Hütte für 50$… und brutzelte mir ein Abendessen mit Kabeljau und Reis. Am nächsten Morgen um 8 Uhr ging es los. Aufgeregt wiesen die Teilnehmer mal nach links und rechts .. „da … ein Wal“ … ich versuchte, ihn mit der Kamera zu erwischen, aber leider können die nicht mal einen Moment still halten! Und dann schwankt auch noch das Boot…

P1060633

Fast hätte ich den Wal noch erwischt …

Wir landeten dann auf der Ile Nue de Mingan, einem flachen Inselchen mit den sogenannten Monolithen. Statuen-ähnlichen Felsformationen aus Kalkgestein, die sich beim Zurückweichen des eiszeitlichen Schmelzwassers durch Erosion aus den Kalkablagerungen des Urmeeres gebildet hatten. Zum Glück hatte ich vorher die ARTE-Dokumentation, die ich auf meinem Notebook mitgenommen hatte, noch einmal gesehen. Denn die Nationalpakführer erklären alles nur auf französisch und fassten mir zuliebe manches nur stichpunktartig auf englisch zusammen. Das ist hier aber ein „richtiger“ kanadischer Nationalpark. Einzelne Fossilienabdrücke konnte ich selbst im Kalk sehen!

P1060646

P1060645

P1060676

P1060670

Gefunden! Fossilabdruck, 450 Millionen Jahre alt.

P1060674

Dyas integrifolia

Dann ging es weiter auf die Leuchtturminsel Iles aux Perroqet. Sehr malerisch. Und natürlich ist der Leuchtturm heute elektronisch. Man kann sich dort auch ein Zimmer mieten, wenn man Zeit und Geld genug hat.

P1060720

Einen Inselkapitän gibt es auch.

Und Brutkolonien von Papageitauchern und Lummen.

P1060694

Puffins (Papapeitaucher)

P1060732

Puffin (Papapeitaucher)

P1060576

Lummen („Petite Pinguin“)

Gestern habe ich noch eine Exkursion von Havre-Saint-Pierre aus gemacht, in der Hoffnung auf mehr Wale, aber – leider Fehlanzeige.

 

Kanada 2017, 16.06.

Inzwischen bin ich in Havre-Saint-Pierre angekommen, im Haus von Nicolas Carbonneau (warmshowers Gastgeber), der so etwas wie ein Wildhüter (und ehemaliger Polizist) ist.

P1060794

Nicolas Carbonneau beim Bau eines Gewächshauses

Was ist nach Sept-Iles passiert? Als ich losfuhr war ich noch voller Bedenken, denn der Wind hatte von West nach Nord gedreht und wurde somit von Rücken- zu Seitenwind, dafür aber schwächer und später ganz nachlassend. Garniert mit immer öfter herab prasselnden Schauern, denen meine Regenkleidung so leidlich gewachsen war. Nach 88 km gab es ein erstes Zeichen von Zivilisation, die Naturparkinformationshütte an den Manitou-Fällen. Geschlossen. Ein Aushang an der Tür mit vielen Telefonnummern an einem Ort ohne Handynetz und ohne öffentliches Telefon. Rettungsdienste, Verwaltung usw. Ich musste grinsend den Kopf schütteln. Die Abwesenheitheit einer offiziellen Aufsicht ersparte mir aber auch 3 $ Eintritt. Und so bestaunte ich die tosenden Fälle kostenfrei. Theoretisch hätte ich dort zelten können, aber an diesem feuchtkalten  Tag war mir mehr nach einer Herberge. Also weiter nach Sheldrake, zur „Gite Chez Jean“, von der ich in einem Blog gelesen hatte. Nach 122 km traf ich dort abends ein. Ich klingelte. Nichts tat sich. Aber Licht brannte. Da muss doch jemand sein? Ich ging ums Haus herum. Ein Lautsprecher an einer Garage verströmte leise Musik. Ich rief. Nichts. Niemand. Ich ging zurück. Ein Auto hielt. Ist er das? Nein, nur ein neugieriger Nachbar, dessen Worten (femme, malade, Québec) ich entnahm, dass da wohl seine Frau krank und er deswegen nach Québec City gefahren ist. Kurzentschlossen stellte ich frierend und mit den Böen kämpfend mein Zelt genau gegenüber vom Haus auf einem Rasenstreifen kurz vor dem Strand auf. Ich hatte Hunger, fror,  wollte nur noch in meinen Schlafsack und meine feuchten Sachen ausziehen. Ich kochte mir schnell ein Fertiggericht Marke „Knorr Sidekick“ und schlief schnell ein.

Fortsetzung folgt.

 

P1060558

Immer dem Regenbogen nach

 

P1060567

Zelten an der Kante

P1060571

Die Bucht von Sheldrake

P1060539

Blümchen gibts auch. Calypso bulbosa.

Kanada 2017, 13.06.

Seit gestern bin ich Gast bei Edmond Michauld in Sept-Iles. Er ist kein „echter“ warmshower’s Gastgeber, sondern der Freund von einem, der mich gerade nicht beherbergen  kann. Über facebook kamen wir dann näher in Kontakt. Ich bin mal wieder überwältigt von der Gastfreundschaft. Konkret: Ich kann  mir nach dem Motto „help yourself“ alles aus dem Kühlschrank nehmen. Gestern bot er mir Elch- Ragout an und ich dachte, er will es für uns beide zubereiten. Aber nein, er hatte gar keine Zeit und meinte nur, ich könne mir das ja selbst machen, Gewürze fände ich im Schrank. Den Elch hatte er übrigens selbst geschossen. Er hat drei Töchter, die ältere ist 17 und nicht da, die 7-jährige flirtet dauernd mit mir, die jüngste ist 3 Jahre alt verschüchtert … langsam taut sie auf.

Es stürmt nach wie vor und ich finde es nicht schade Pause gemacht und gleich mal die Bremsen erneuert zu haben. Edmonds Hobby ist übrigens vom Schrott gerettete Fahrräder wieder aufzumöbeln, für sozial Schwache. Ansonsten arbeitet er in einem Hilfsprojekt für „men in distress“. Kollege sozusagen.

Und jetzt noch ein bisschen Sturm.

 

P1060501

Bucht von Sept-Iles

P1060502

Das muss jemand filmen

P1060505

P1060506

…und Fischfangausrüstung  Hafen