Das Facebook-Reisetag Frankreich 2013

01.08.2013

Ich liege im Zelt. In der Bretagne.
Am „Canal de Nantes a Brest.“
Meine Bluetoothtastatur setzt den Accent nicht.. Aber ohne sie könnte ich hier überhaupt nichts Sinnvolles tippen auf dem Fonepad.
Also: Ich bin unterwegs nach Genf. Von Brest nach Genf genau genommen. Mit dem Fahrrad, wie es sich für mich gehört. An diesem Kanal entlang kann man wunderbar Radfahren. Eigentlich fast die ganze Strecke von Brest bis Nantes, etwa 400 km. Aber gestern schnaufte ich noch durch Nieselregen über die Hügel der Bretagne…, so gut wie NIE ging es mal auf einer Höhe geradeaus, entweder hoch, dann aber so, dass ich auf den leichtesten Gang hoch schalten musste oder so steil runter, dass ich einmal bis auf 53 km/h kam… Eine Landschaft wie ein zerwühltes Federbett! Nach 88 km Chateauneuf,  ein stiller Campingplatz am Kanal, hier änderte ich meine Strecke am Morgen, denn am Kanal entlang kann ich wieder ein vernünftiges Tempo fahren und bei dem Sonnenschein heute immer wieder mal ins Wasser springen, alte Schleusenwärterhäuser bewundern, die autofreie Stille genießen…. Und vielleicht finde ich eine technische Lösung dafür, hier Fotos aus meiner Kamera hoch zu laden, sonst gibt’s die erst hinterher.
(Bilder siehe Link zum Album)

03.08.2013

Abends in Guenroet. Das ist schon nicht mehr ganz in der Bretagne. Aber immer noch am Kanal Nantes-Brest. Die Dame vom Empfang des Campings war sehr besorgt, als sie mich Suppe essend auf meiner Tasche hockend sah und meinte, wir sollten mal schauen, ob sich nicht noch ein Tisch und Stuhl finden ließe (ihr Englisch klang serrr französich), nur leider war zumindest kein Tisch mehr zu haben. Stattdessen brachte dann ein besorgter Nachbar einen Angelhocker und jetzt darf ich zum Tippen auch seinen Tisch nutzen. Apropos der Kanal, dem ich jetzt schon drei Tage folge … Es reicht nun. Langsam hab ich „den Kanal voll“. Ist ja ganz nett auf ebener Strecke zu radeln, aber die Idylle ist begrenzt, es wiederholt sich alles: Mal liegt er links, dann wieder rechts, die Ufer sind inzwischen alle so, dass man kein Problem hätte hineinzuspringen, wohl aber wieder herauszukommen. Also nichts ist mehr mit „mal schnell Baden“. An den Uferwegen stehen Eichen, Pappeln, Platanen, Erlen, Eschen und hin und wieder eine Wilde Kirsche, deren Äste voll mit Früchten leider unerreichbar hoch hängen. Bleiben nur die Früchte, die als „Fallkirschen“ in der Wiese oder auf dem Weg landeten. Ich bückte mich. Da spuckte doch ein eifersüchtiger Vogel eine Ladung Kerne gezielt nach mir! Peng, auf den Rücken, auf mein gelbes Trikot! Allen großstadtsozialisierten Lesern sei gesagt, es handelt sich um kleine Früchte, halb so groß wie die kulitivierten Kirschen, aber ungeheuer herbsüß. Das Anhalten und Bücken lohnt sich!
Und ich pflückte heute die ersten Brombeeren. Da kann man mich dann scharf bremsen sehen! Werde ich jetzt Bilder posten? Ich kann’s ja noch mal versuchen. Gestern klappte es nicht- die Dateien sind zu groß für 3G/UMTS oder wie auch immer die Technik bei SFR hier heißt. Ach, wartet doch einfach, bis ich wieder zu Haus bin. Da kann ich auch sorgfältiger auswählen.

05.08.2013

Blick auf die Loire am Abend auf dem Campingplatz von Gennes. Nantes liegt hinter mir. Auf dem Weg dorthin passierte ich gestern ein Protestcamp. Ach, was sage ich, eine ganze Protestlandschaft gegen den Neubau eines Flughafens für Nantes. Auf 5 km wurde die Straße D 42 zerbeult oder gesperrt mit Barrikaden, die ich nur im Slalom passieren konnte. Die machen das schon seit Jahren,  im Internet findet man mehr darüber. Ein bisschen Gorleben -Atmosphäre in Frankreich. Und nicht ein (!) Polizist, irgendwie seltsam, das würde ja bei uns ganz schief gehen, einfach eine Landstraße demolieren (mit Felsen! und schwerem Gerät). Aber es ist im Web auch zu lesen, dass das Protestdorf schon mal geräumt wurde. Nun ja, es wächst nach. Und von Flughafenabenteuern sollte man ja eh die Finger lassen, siehe BER- … Gestern hab ich noch ein Paar aus Ilmenau getroffen und wir haben zusammen Wein getrunken. Den von hier natürlich. Jetzt habe ich dank Rückenwinds und moderater Strecke 110 km hinter mir, da kann ich mir morgen mehr Zeit lassen und mal schauen, wer mich dann vom Schreiben abhält.

06.08.2013

Was mache ich bloß mit so viel Kultur? Im Loiretal erschlägt es mich förmlich. Mein alter Kunstgeschichtslehrer Heiner Knappe (Schöpfer des „Minol-Pirols“, also des DDR-Tankstellen-Logos) würde sich angesichts der Tatsache, was ich alles so links liegen lasse, im Grabe umdrehen…. Nun, wie auch immer, es wird mir echt zu viel: In mir streitet der Bildungsbürger mit dem Fotografen (ja ja, ihr kriegt eure Bilder noch) und mit dem Radfahrer. Am Ende zieht der Erste den Kürzesten. Besonders heute morgen hinter Gennes, da kommt nämlich gleich Saumure mit all dem, was an romanischen und gotischen Kirchen, in den Fels gehauenen Schlösschen und 5 – Sterne – Weingütern am Wege liegt. Aber so ignorant bin ich ja gar nicht, ich habe die atemberaubend schlichte Schönheit der Prioratskirche „Notre Dame de Cunault“ gebührend gewürdigt, ihr Turm ist moosbewachsen wie der einer kambodschanischer Pagode. Hingegen war ich für das Schloss Villandry zu spät um es (immerhin) ein zweites Mal (!) zu besuchen. 2002 bin ich ja schon mal auf dem Weg von Biarritz nach Paris auch hier vorbei gefahren und hineingegangen. Die Hecken haben sie so hoch wachsen lasse, dass höchstens ein Zweimeter – Mensch davon sinnvolle Fotos von außen machen könnte. Wo käme man auch hin, wenn hier alle kostenlos…
Na ja, jetzt sitze ich ein paar Kilometer weiter in Savonyère in einem Lokal und trinke ein seltsames Bier mit einer Zitronenscheibe, hm lecker. Hier habe ich damals gezeltet und morgens ein paar überirdische Fotos vom Sonnenaufgang im Morgennebel gemacht, – also Wecker stellen, mal sehen wie es morgen früh ausschaut.

08.08.2013

Heute bin ich in Sainte Ay gelandet, immer noch an der Loire, 20 km vor Orleans. Das Radfahrwesen hat in Frankreich einen ungeheuren Aufschwung genommen, zumindest an der Loire! Voriges Jahr in der Normandie war derartiges nicht zu beobachten: Familien – Papa, Mama (bitte endbetont), plus eins, zwei, drei Kinder und Gepäck (Zelt!) auf Rädern angemessener Größe. Pädagogisch korrekt haben diese ebenfalls kleine Packtaschen an den Kinderfahrrädern. Ist der Nachwuchs zu klein gibt es den Anhänger Typ „Chariot“, ist er groß genug, landet das Gepäck da drin. Wer keine Kinder mitnimmt, hat immerhin einen Gepäckanhänger, die sind hier total in. Ja – und man wird gegrüßt. Ständig klingt einem ein fröhliches „Bon Jour“ entgegen. Radfahrer grüßen einanander! Absolutement en France! Ich kenne das nur aus polnischen Dörfern: Ein zu „…dobry!“ verkürztes „Dzien dobry“. Was gibt es noch Seltsames? Ach ja, ich wüsste gern warum auf einem Teil der Campingplätze selbstverständlich Toilettenpapier vorhanden ist und auf den anderen nicht. Und das hat nichts mit deren Preislage zu tun. Ich ärgere mich. Ganze Rollen sind für mein Gepäck unpraktisch und zu groß und einzelne gibt’s nirgends zu kaufen. Also muss ich irgendwo unterwegs in einer Gaststätte die Rolle verkleinern. Armes Land.

Aber jetzt noch richtig Kultur. Nein, nicht Chambord. Da war ich schon. Auch nicht Blois, obwohl es ein der schönsten Stadtansichten hat, die ich kenne. Mindestens wie Dresden. Aber was passierte? Der Akku vom Fotoapparat war leer. Watt nu? Ich suchte ein Fotogeschäft, damit ich ihn da dann aufladen könnte und – fand keins. Aber mindestens fünf Optiker. Na, dachte ich, versuch es mal bei der Touristeninfo, die sind doch berufsmäßig nett. Als ich die Informationsdame fragte, ob ich mal eben hier für eine Stunde mein Ladegerät in die Dose stecken könnte, schaute die mich an, als ob ich gefragt hätte, ob ich hier mal eben Kaffee kochen könnte. Sie rief ratlos irgendeinen Chef an, um mir dann zu sagen, das ginge nicht, das sei hier privat und – ein deutsches Gerät (keine Bombe übrigens) – zu gefährlich. Ihre Kollegin meinte dann aber sinngemäß, „Na komm, wenn er so lange dabeibleibt … „.  Also durfte ich mich still in eine Ecke setzen und meinem Akku beim Laden zusehen. Ist doch auch was. Er explodierte erwartungsgemäß nicht. Dann war es schon Mittag und meine Lust auf Blois – Besichtigung merklich geschwunden. Aber: Ich hatte mir fest vorgenommen, schon auch um meinen „inneren Bildungsbürger“ zu besänftigen, das Schloss in Meunge (wie spricht man das korrekt aus?) zu besichtigen. Hab ich dann auch gemacht, es war eine Art Museum historischen Lebens in Schlössern und vorher die fast rein romanische Abteikirche in Beaugency. Ich liebe Romanik und Gotik, am liebsten aber ohne architektonische Kommentare späterer Epochen. Dafür musste sich mein Radfahrer-Ego mit dürftigen 63 km zufrieden geben. Ich höre auf. Ich sehe die Tastatur nicht mehr. Zu dunkel um 21.44 Uhr.

09.08.2013

Ich sitze bei einem Bier in der Campingplatz – Bar von Gien, denn zum Tippen brauch ich einen Tisch. Da ich versehentlich alles weggeklickt habe, kann ich es noch mal schreiben… Ich erwähne jetzt nicht die Kathedrale von Orleans und die oberleitungslose Straßenbahn, aber doch die älteste Kirche auf französischem Boden (Karolingerzeit, 806, Frankreich gab es noch nicht. Prag und Paris lagen im selben Land.) Diese ist in Germigny-des-Pres und erhält ihre besondere Bedeutung durch ein Mosaik aus jener Zeit. Romanik in Urform. Wenige Kilometer weiter gibt es in St-Benoit-sur-Loire wieder eine bemerkenswerte romanische Basilika mit einigen Reliquien des Benedikt von Nursia, Günder des Benediktinerordens. Obgleich ich weder jemals katholisch war noch überhaupt in der Kirche in, habe ich vor solchen Orten einen gewissen ehrfürchtigen Respekt. Immerhin eine kirchengeschichtlich und insofern auch kulturgeschichtlich bedeutende Person. Das Schloss in Sully ließ ich aus. Das wurde mir zu viel, obwohl es wie auf dem Präsentierteller vor mir lag.

Die französischen Autofahrer (ausgenommen die Pariser!!!) … mein Gott sind die höflich. Immer wieder passiert es, dass ein PKW hinter mir herschleicht, weil sich der die Fahrer_In nicht zu überholen traut, ohne dass es einen triftigen Grund gäbe. „Nu mach schon!“, denke ich, bis ich schließlich genervt anhalte. „Jetzt fahr!“ Endlich. Mensch traut sich tatsächlich. Was die Pariser betrifft, die sich einen Sport daraus machen, dir beim Verlassen eines der zahlreichen Kreisverkehre den Weg abzuschneiden, lass alle Hoffnung fahren und rechne als Radfahrer in Paris mit ALLEM. Bloß schnell weg da, sag ich mal so, als Radfahrer. Obwohl sie enorm was getan haben und ganz viele Fahrradspuren in den letzten Jahren in die Stadt hineinverteilt haben – erst sind sie rechts, dann urplötzlich links, dann in der Mitte, na ja wo gerade Platz ist. Sieht man doch.

(Später las ich dann, dass man in französischen Kreisverkehren links Zeichen geben muss, wenn man nicht (!) abbiegt, gibt man kein Zeichen, bedeute dies, dass man rechts den Kreisverkehr verlässt … na ja, kein Wunder dann…)

Und ich sehe jetzt mal nach meinem Zelt.

10.08.2013

Heute konnte ich ohne schlechtes Kulturgewissen einfach drauf los fahren. Nichts Bedeutsames forderte meine Aufmerksamkeit. Das Wetter beschert mir seit gestern einen freundlich kühlenden Rückenwind, so lieb ich das. Fourchamboult heißt das Kaff kurz vor Nevers. Mit keiner geöffneten Kneipe. Oder doch, aber da traute ich mich nicht rein. Zu viel pubertäres Testosteron auf der Straße davor. Also ich fasse mich kurz heute, 105 km hab ich in den Knochen und kam auf die Idee, statt nach Genf nach Basel zu fahren. Da führt der EV6 (=Euroveloroute 6) sowieso hin und von der Loire aus immer am Kanal lang. Ich hab nur noch nicht durchgerechnet, ob das für die verbleibenden sieben Etappen realistisch ist und ob die Strecke attraktiver ist als nach Genf. Man käme dann ins südliche Elsass und muss vor Mulhouse rechts abbiegen. Meine Fahrkarte gilt ja auch ab Basel.

11.08.2013

Also das war bestimmt die langweiligste Etappe und die längste. 114 km. Nicht weil ich das so geplant hätte, sondern weil sämtliche km-Angaben in den Karten und Streckenbeschreibungen nicht stimmten. Ich plane so gut wie nie über 100 km! Im Grunde bestand die Etappe aus vier Teilen: Morgens die 15 km nach Nevers (bitte nicht versehentlich englisch aussprechen). Hier kann man die soziale Lage Frankreichs außerhalb der Touristen- und Kulturhochburgen besichtigen (wie auch schon in kleineren Städten vorher): Bröckelnde Fassaden, geschlossene Läden, viele Häuser die zu verkaufen sind. Dann das Stück bis zum Mittagessen. Ich fuhr eine Weile vor vier Radfahrern her, die ich aufgrund ihrer deutschen Ausrüstung für Deutsche hielt. Waren sie aber nicht. Aber ich ließ sie dann an mir vorbei und merkte, wie schwer es mir fällt, mich NICHT auf andere zu beziehen, nur weil sie nett sind und in die gleiche Richtung fahren: Nämlich der Versuchung zu widerstehen, mit ihnen Schritt zu halten, wenn sie ein etwas höheres Grundtempo als ich haben. Da ging mir so Einiges durch den Kopf: Weshalb ich eigentlich die meisten Touren allein mache. Dass es noch möglich ein sollte, sich mit einem anderen über das Tempo zu verständigen, aber wie viel schwerer mit Mehreren.

Zum Glück bogen sie dann ab. Und ich musste nicht testen, ob sie überhaupt Lust auf meine Gesellschaft gehabt hätten. Dann kam die lange Geradeaus-Strecke mit steigenden Temperaturen und ebenfalls wachsenden Steigungen, die nicht enden wollte. Und – was – wie? Immer noch 55 km bis Digoin?? (Es waren ja jetzt schon über 60…) Das sind dann so Momente, wo ich die Zähne zusammenbeiße und einfach weiter in die Pedale trete. Ha! Und dann endlich … es geht runter … der „Velo Verte Radweg“ ist wieder da … und es weiter die letzten 21km wieder an einem Seitenkanal der Loire entlang. Dieser Kanal ist ein Teil eines Systems, dass Seine und Loire, Rhein und was weiß ich alles noch untereinander verbindet. Theoretisch könnte ich bis Berlin paddeln… Ein Wunderwerk der Ingenieurskunst des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Der Kanal liegt oft höher als die Loire und überquert Straßen und andere Flüsschen per Brücke! Ökonomisch kam das alles zu spät, die Konkurrenz der Schiene war zu groß. Heute wird das nur noch für die Freizeitkapitäne und vielleicht deshalb in Stand gehalten, weil es z.T. technische Denkmäler sind und weil man das alles nicht folgenlos vergammeln lassen kann. Die Treidlerwege werden jedenfalls immer mehr zu Radwegen ausgebaut. Ja und tatsächlich fand ich eine Stelle, wo ich nicht nur reinspringen, sondern auch wieder rausklettern konnte. Puh, das tat gut. Der Salzgehalt des Kanalwassers ist durch meinen Schweiß bestimmt erheblich gestiegen!

13.08.2013

Gestern habe ich nichts geschrieben, weil ich mich mit einem Schweizer Radler (heißen die so? Die fahren doch Velos?) namens Daniel aus der Nähe von Zürich zum Essen traf. Das war in Chagny. Und ich hatte es geschafft, wieder unter 100 km zu bleiben. Dieser Daniel fuhr mal eben für eine Woche hoch ins Massive Central. Er war auch schon in Südamerika mit dem Rad. Oder dem Velo. Genug Gesprächsstoff. Danach schief ich schlecht, meine Unterlippe brannte, sie hatte sich trotz einer ganzen Palette Schutzmaßnahmen wieder entzündet. Ich hoffe mit zusätzlichen pharmakologischen Waffen heute Nacht auf Ruhe.

Meine diesjährige Tour ist im Detail so was von ungeplant…, da passiert es einfach, dass ich auf einer zum Radweg umgebauten ehemaligen Bahnstrecke lande (was ich natürlich kurzfristig recherchiert habe). Voie Verte Nr.1. Vorbildlich ausgebaut, die Bahnhöfe verfallen nicht, sondern dienen als Touristeninformations-Büros und ähnlich sinnvollen Zwecken. Im Cafe Papillion an der Strecke gibt es Politsatire auf französisch (soweit sich das mir erschließt) und fast alle deutschen Biere (Flasche für 3,50 €), ich wollte aber Kaffee und bekam ihn auch. Der Betreiber spricht auch deutsch. Kurz darauf kam – Taizé! Ach hier liegt das? Ich war ziemlich überrascht, konnte mich aber unvorbereitet nicht entschließen, da jetzt einfach mal neugierig reinzuschneien. Die haben sicher auch ihr festes Programm, da kann man nicht einfach mal eben so…., dachte ich zumindest und erinnerte mich, welche Komplikationen ein derartiges Ansinnen 1997 in der Gemeinschaft von Tamera mit sich brachte. Also blieb es bei ein paar Doku – Fotos aus respektvoller Distanz.  10 km weiter kommt dann Cluny, das war mal DIE Hochburg der Benediktiner, am Hang des Saone – Tals gelegen. Ein mittelalterliches Städtchen, das so voll von Touristen war, dass ich gleich erst mal wieder die Flucht ergriff (ich hasse Getümmel) und auf dem örtlichen Campingplatz landete. Jetzt haben sich die Tagesausflügler verzogen und ich sitze in einem Café, die Abtei im Rücken. Wirkt alles irgendwie italienisch. Seltsam. Morgen früh guck ich noch mal genauer hin.
In französischen Lokalen habe ich immer die Unsicherheit, ob man da einfach nur etwas trinken kann, nachdem ich was das betrifft 2002 auf der Insel Aix mal einen Reinfall erlebte. Seitdem gehe ich in solchen Fällen in nichts was „Restaurant“ heißt. Mindestens muss noch Café oder Brasserie oder Bar als Zusatz dran stehen. Ich nehme an, die Schlussfolgerung ist richtig. Oder?
Die Reise nähert sich dem Ende. Sollte ich ab übermorgen hier nichts schreiben, dann bin ich vermutlich nicht in der Rhone ertrunken, sondern meine SIM-Karte war dann leider doch auf 15 Tage befristet.

15.08.2013

Ich überlege gerade, ob es schon mal eine Reise gab, bei der ich NICHTS verloren habe. Vermutlich nicht. Oder doch? Ich weiß es nicht. Diesmal waren es (bisher) zwei Dinge: Ein Hemd, das ich beim Sachenwechseln an der Straße bei Hitze wohl locker aufˋs Gepäck gelegt haben muss, so dass es dann irgendwo vom Fahrrad fiel und heute mein Brotmesser, das mich seit Jahren begleitet (!) und auch sonst im Alltag mein Universalmesser ist. Nun leistet es in Lyon einem Finder Gesellschaft. Zum Glück muss ich mein Brot nicht brechen, es gibt noch ein Klappmesser, eigentlich als Teil eines Universalwerkzeugs.

Dieser Platz hier ist der schönste der ganzen Reise. 70 km hinter Lyon an der Rhone, an einer Stelle, wo sie durch Aufstauen ca. 1 km breit ist. Wie ein See. Ich war schon Baden, obwohl es sicher wie bei allen unbeaufsichtigten Gewässern in Frankreich verboten ist. Ich habe auch noch keinen todesmutigen Franzosen in einem wilden Gewässer, das mehr als knietief ist, baden sehen. Merkwürdig das. Die Ufer sind ja auch allenthalben badeunfreundlich gestaltet, die Bootsstege zu hoch oder ohne Leiter. Bevor du in Frankreich ins Wasser springst, schau erst, ob du auch wieder raus kommst… Ansonsten: Baignade interdite!

Die Reise geht dem Ende zu. Noch 117 km bis Genf. Das werde ich in zwei Teile teilen und Samstag ganz seelenruhig zum Zug fahren. Ich will mich in der teuren Schweiz nicht länger aufhalten als nötig. Ich habe die Planungsänderung nach Basel wieder fallen gelassen.

16.08.2013

Kennt jemand Seyssel? Also das ist ein superniedliches Städtchen an der Rhone im Departement Haute-Savoyen. Eine verwinkelte Altstadt mit Wohnzimmergemütlichkeit. Um die Ecke spielt eine Band (Gitarre, Geige, Stimme, Schlagzeug) fetzigen Kitsch bei irgendeinem Fest. Besser als die Kinderferienlager-Party auf dem Campingplatz, vor deren Gelärme ich die Flucht ergriffen habe.

Landschaftlich gesehen war das die schönste Etappe bisher, immer in Flussnähe, das Rhonetal begrenzt von den Alpes du Rhone einerseits und den letzten Ausläufern des Jura andererseits. Ich badete todesmutig noch einmal im Fluss, während zwei blauweiße Schmetterlinge meine blauweiße Mütze bezirzten. Während der Fahrt kommen mir immer so viele Gedanken, die ich sofort (!) aufschreiben müsste. Abends ist dann alles weg. Was macht man dagegen?

Heute früh hatte ich als Lichtjäger noch das Erlebnis, auf das ich die ganze Zeit gewartet hatte, DIE Stimmung nach Sonnenaufgang… Dunst liegt über dem Wasser … einzelne Schwäne … ein paar Angler … Rauchschwaden über Dächern … ich bin gespannt, was meine neue Kamera daraus gemacht hat.

Jetzt frage ich mich, für welchen Geisterzug morgen ich die Fahrkarte gekauft habe: Stelle ich eine Verbindungsanfrage bei DB oder SBB werden alle möglichen Züge nach Basel aufgeführt, nur nicht dieser um 17.18 Uhr. Seltsam. Irgendwie irritiert mich das. Aber der Zug hat eine Nummer und gekostet hat er auch was. Nicht dass die mir erzählen, ich hätte eine Fahrkarte von Genéve in Quebec gekauft….

Was gibt es noch? Zu viele Steigungen bis Genf bei der Hitze morgen fürchte ich. Dann werde ich einen persönlichen Rekord für Strecke/Zeiteinheit eingestellt haben, es werden nämlich über 1600 km sein, das sind mehr als 90 pro Tag. Kommt davon, wenn man das ganze Loire-Tal abfährt, statt spätestens am Fluss Cher abzukürzen. Ich dachte vorher höchstens an1300. Dafür habe ich auch noch NIE durchgehend Tagebuch geschrieben und das auch noch der ganzen Welt, dem NSA, dem BND und – wie heißen die hier en France – Surité? – ja und natürlich meinen geneigten Lesern mitgeteilt. Soll ich das immer machen, wenn ich verreise?
Am Sonntag gibt es eine Ankunftsmeldung aus Berlin/Germany. Falls nicht, muss ich wohl als vermisst gelten.
Ach noch was, am Montag den 5.8. rauchte ich meine letzte Zigarette, fällt mir gerade ein, als mich ein Kerl vollqualmt.

17.08.2013

Soeben die Schweizer Grenze passiert. Meine französische SIM-KARTE hats noch nicht gemerkt!

Genf naht.

Nachtrag: Den Zug, den ich nicht fand, fand ich auch auf dem Genfer Bahnhof nicht. Er fiel „planmäßig“ aus und ich durfte einen anderen nehmen, mit dem ich gerade noch rechtzeitig nach Basel kam, um dort meinen CityNightline nach Berlin zu erreichen.

Veröffentlicht in: Blog

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