Radreise trotz Corona: Österreich – Slowenien – Norditalien 2020

Prolog am 01.August 2020

Morgen werde ich meine diesjährige Radreise unter den Bedingungen der Corona-Beschränkungen beginnen. Lange hatte ich überlegt, welche Reise ich überhaupt machen kann und mit dem Lockdown im März erst einmal alle Überlegungen gestoppt. Drei Ideen blieben aber in meinem Kopf: Von irgendwo in Österreich bis runter nach Korfu, Trondheim – Narvik in Norwegen oder Berlin – Kiew.
Die lange Strecke nach Korfu schloss ich wegen der unklaren Gesamtlage als erstes aus. Dann hieß es, Norwegen würde vor Mitte August keine Touristen ins Land lassen. Also auch gestrichen. Die Ukraine galt als nicht sicher, also – eine komplett neue Planung musste her. Eine Planung die den Vorteil hatte, dass ich nicht fliegen muss und im Notfall von überall her mit dem Zug zurückreisen kann. Sozusagen eine mehr als 1200 km lange Corona – Schleife und damit meine kürzeste Radreise seit 2015.

Das ist die gesamte Strecke

Ich werde in Salzburg (Österreich) beginnen und plane nach Überquerung der Alpen durch Slowenien und Norditalien nach Bozen zu radeln. Verschiedenes wird ungewöhnlich sein: Ich weiß noch nicht, ob ich die Grenze im Drau-Tal (Drau-Radweg) überqueren darf oder ob die Slowenen darauf bestehen werden, dass ich nur die Grenzübergänge benutze, die für Ausländer aus Ländern der Grünen Liste (die Unbedenklichen) bestimmt sind. Ich weiß nicht, wie voll die Campingplätze oder Herbergen sein werden, wenn mehr Menschen als gewöhnlich ihre Ferien in ihrem eigenen Land verbringen. Frage um Frage. Ich werde eine neue Kamera (Olympus EM 10-Mark II) verwenden und hoffe, damit noch bessere Bilder zu machen. Ich hoffe, dass das Wetter in Salzburg nicht so dramatisch schlecht sein wird, wie es die Wettervorhersage zeigt…

Der österreichische Teil der Reise

Österreich

Tag 1:  Ich sitze in der Küche meines Gastgebers Benedikt in Salzburg. Eine Ersatzlösung von einen „warmshowers“-Gastgeber, der mich selbst nicht unterbringen konnte und in seiner Radfahrergruppe gefragt hatte, ob jemand einspringen kann. Gestern Abend bin ich nach einer 12-stündigen stressigen Zugfahrt mit viermal Umsteigen aus Berlin hier angekommen. Der vorhergesagte Regen begann wenige Minuten nach meiner Ankunft in der Gstettengasse. Es pladderte die ganze Nacht auf ein Blechdach und während ich auf meinem Bett in einem fast lichtlosen, stickigen Durchgangszimmer lag, begleitete mich dieses Geräusch. Ich konnte es nicht abstellen, weil ich sonst die Tür zur Veranda hätte schließen müssen und womöglich erstickt wäre …
Immerhin konnte ich bis 17 Uhr Sightseeing machen, ohne meinen Regenschirm benutzen zu müssen oder meine Kamera nass werden zu lassen. Aber eine zweite Regenwelle begann dann gegen 17 Uhr kraftvoll und niemand weiß genau, wie es morgen früh sein wird.
Wie auch immer, mein Gastgeber lebt in einer 4 – Männer-WG, ein ruhiger Ort zum Entspannen für mich, denn einer ist verreist, zwei sind tagsüber arbeiten, einer macht Homeoffice. Gut, denn die drei Jungs lassen mich hierbleiben, bis ich hoffentlich morgen meine Tour beginnen kann. Leider konnte ich keinen eigenen Schlüssel bekommen und muss mich zur Not per Handy melden, damit jemand da ist, der mir die Tür öffnet.
Hier nun einige erste Eindrücke vom österreichischen Welterbe.

Blick aus dem Fenster

Die Gstettengasse liegt direkt an einer Felswand

Mozart’s Geburtshaus

Küche in Mozart’s Geburtshaus

Dom

Skulpturen am Dom

Im Dom mit zwei der fünf(!) Orgeln

Kuppel des Doms

Seilzugbahn zur Festung Hohensalzburg

Blick von der Festung

Oh, felix Austria vive!

—und wieder Regen

Mein Rad duscht im winzigen Hof unter der Felswand

Tag 2. Starker Regen fast den ganzen Tag. Ich war nicht in der Stimmung, mehr zu tun als eine Dankeschön-Mahlzeit für die WG zu kochen: Nudeln mit Käse, Pilzen, klein geschnittenem Hühnerfleisch, Kirschtomaten, Cashewnüssen und Preiselbeeren. Kam sehr gut an. Dann studierte ich das Handbuch meiner neuen Kamera.  Später tröpfelte es nur noch und ich konnte endlich einen kleinen Spaziergang machen. Hier einige Eindrücke von der nassen Schönheit.

Hochwasser …

… nach dem Regen

Mozart’s Wohnhaus folgte am zweiten Tag

Schloss Mirabell

Schloss Mirabell

Im Park neben dem Schloss ruht dieser Baum

Tag 3 (Etappe 1). Endlich konnte ich nach 40 Stunden Regen (190 mm) meine erste Etappe beginnen. Ich nahm nun wegen der Verzögerung lieber eine kürzere Strecke zum Alpenhauptkamm und fuhr an der Salzach entlang, anstatt über Zell am See. 67 km mehr oder weniger bergauf waren es. Der Tag begann mit erfrischenden 10 ° C, bewölkt und die Temperatur stieg später auf 19 ° C. Gut zum Radfahren, aber ich weiß nie, ob ich eine Jacke anziehen soll oder lieber nicht, denn entweder ist es zu kalt (bergab) oder zu warm (bergauf). Die Gipfel der Berge versteckten sich die ganze Zeit hinter Wolken, so dass ich mir wie in einem feuchten Mittelgebirge vorkam, statt wie in den Alpen. Vielleicht kann ich sie morgen sehen?

Tschüss Benedikt!

Jetzt geht’s aber los!

Burg Hohenwerfen ließ ich links liegen

Hölzerne Brücke über die Salzach

Auf dem Camping St.Johann im Pongau

Tag 4 (Etappe 2). Es war ein herrlich sonniger Tag und nicht zu heiß. Ich folgte heute meinem Plan Richtung Gasteiner Tal, um den Hauptkamm der Alpen über- oder besser zu unterqueren. Da ich noch an meiner Kondition zweifelte,  habe ich mir die „bequemste“ Strecke herausgesucht. Das Tal endet nämlich an einem Eisenbahntunnel zur Alpensüdseite.

Krasse Steigungen forderten mich immerhin doch heraus, und ich war nicht zu stolz, mein Fahrrad immer wieder zu schieben, statt mich unnütz zu verausgaben. Schöne Aussichten entschädigten mich. Ich musste durch einen ca. 2 km langen Straßentunnel… der Lärm war schrecklich und ich bekam Kopfschmerzen von all den Abgasen. Nahm dann eine Mahlzeit in einem schönen Restaurant hinter dem Tunnel ein, in Gesellschaft eines Radfahrers aus Bonn, den ich schon auf dem Campingplatz St. Johann getroffen hatte. Der wollte hinunter direkt nach Grado, dem Ende des Alpen-Adria-Radweges, auf dem wir uns hier befinden.

Ich war dann überpünktlich am Bahnhof in Bad Hofgastein, schaffte es mit meinem Tablet ein Ticket zu kaufen und eine Fahrradplatzreservierung zu bekommen. Aber ich musste auch auf den anderen Bahnsteig und – es gab keinen Aufzug. Also alles runter vom Rad, Rad in den Tunnel, Taschen in den Tunnel, dann die ganze Aktion auf der anderen Seite wieder treppauf. Taschen wieder aufladen, denn ich wusste ja nur ungefähr laut Wagenreihungsanzeiger wo mein Wagen vermutlich hält. Orientierungsbuchstaben am Bahnsteig wie in Deutschland gab es nicht. Der Zug kam pünktlich, „ah – da ist mein Wagen!“ – ich riss die Tür auf, nahm die Taschen wieder vom Rad, schob das Rad irgendwie provisorisch hinein und alle Taschen in Windeseile hinterher, schon fuhr der Zug an! Mist, der einzige Haken für ein Fahrrad war bereits besetzt! Ist denn das nicht meiner?
Nein, ich hatte die falsche Wagentür genommen. Das muss man erst mal wissen! Irgendwie ging es, denn der Zug brauchte weniger als 30 Minuten auf die andere Seite der Berge nach Mallnitz-Oberfellach. Mein Rad klemmte die ganze Zeit irgendwie schräg im Gang und hinderte die automatische Durchgangstür am Schließen. Fffft….klack. Ffffft … klack.Ffffft … klack…
Der Kollege Radfahrer dem das andere Rad gehörte, half mir  beim Aussteigen und reichte mir meine Taschen zu. Dann ging es in rasanter Fahrt über Serpentinen bergab, weiter Richtung Süden, bis ich ein Schild „Camping“ sah. Ein Rafting-Platz im Mölltal, völlig in tschechischer Hand. Mehrere Sportlergruppen zelteten dort. Es gab kein Problem dort unterzukommen. Und jetzt sitze ich hier bei einem tschechischen Bier, lade die Bilder von der Kamera auf mein Tablet und schreibe…

Endlich wieder Sonnenschein!

Aufwärts geht’s

Gleich kommt der Tunnel

Mittagessen

Vor Bad Hofgastein

Warten auf den Zug, stehe ich an der richtigen Stelle?

Und wieder abwärts!

Im Mölltal

Tag 5 (Etappe3). Wieder ein sonniger Tag mit einigen interessanten Stellen, wie einer Radfahrer-Raststätte, die von myacker.com betrieben wird. Die bieten Ackerflächen virtuell zum Mieten an. Man kann sich dann die Ernte zusenden lassen. Es gab ein Getränkesortiment und eine Kaffeemaschine zum Selberbrühen, alles mit einer Kasse des Vertrauens (!), Preise standen dran. Ich wählte dann die Route am Nordufer des Millstätter Sees. Später ging es steiler bergauf entlang zweier kleinerer idyllischer Seen und dann bergab zum Ossiacher See, wo ich jetzt im vollen Restaurant des Campingplatzes sitze. Ich brauche ja immer so etwas wie einen Tisch für mein kleines Keyboard zum Schreiben. Die Dame am Nachbartisch lacht kreischend wie eine Hyäne,  nur lauter …
Kein Corona-Sicherheitsabstand hier.
Vielleicht hilft Lachen bei der Resilienz gegen Viren?

Morgenstimmung an der Möll

Im Selbstbedienungskiosk von myacker.com

Hier kannst du zum virtuellen Bauer werden!

Kirche in Möllbrücke

In der Kirche von Möllbrücke

Millstätter See

Alt-Herren Idyll (nein, ich bin keiner von beiden)

Feldsee

Afritzer See

Afritzer See

Vor Annenheim, das Schloss da oben ist ein Restaurant…

Tag 6 (Etappe 4). Morgens ausgiebiges Schwimmen im Ossiacher See, kurz nach Sonnenaufgang. Die Hitze nahm zu, es war aber nicht so schlimm wie laut Nachrichten gerade in Frankreich und Deutschland. Wie auch immer, die 30 ° C hier fühlten sich für mich wie 35°C an. Die Hitze machte mich schneller müde als ich es mir lieb war. Nach einem doppelten Espresso in Klagenfurt fühlte ich mich auf den letzten 25 km wieder etwas fitter. Mein auf einer Bank liegen gelassenes Handy lag, oh Wunder, immer noch da …  15 Minuten Schreck waren vorbei. (Richtig verloren habe ich es dann erstmalig nach meiner Rückkehr in Brandenburg, zum Glück kein teures Smartphon). Der Weg führte ein gutes Stück schnurgerade an einer Bahnstrecke entlang, bis es später kurz und steil bergan ging. Ich lernte durch eine Informationstafel, dass dieses Gebiet nur dank einer gewonnenen Volksabstimmung 1919 nicht Slowenien zugeschlagen wurde. Dann hielt ich bei einem plötzlich am Wegesrand auftauchenden Bed & Breakfast an und bekam ein freies Zimmer, änderte also spontan meinen Plan, diese Nacht irgendwo zu campen. Denn 35 €, die es kosten würde, waren heute für mich okay. Mit Frühstück! Ein altes Ehepaar, weit über 80 vermietete einen Teil des Hauses. Später grummelte die alte Dame, dass 35 € viel zu wenig wären… naja, da hat sie leider Pech gehabt, ich hätte ja auch weiterfahren können.

Aprospos „wild zelten.“  Das ist ja bei manchen  Radreisenden sehr beliebt und, wenn man monate- oder jahrelang mit begrenztem Budget reist, auch eine pragmatische Alternative. Da ich aber nur 25 Tage unterwegs bin, kann ich mir den „Luxus“ bezahlter Unterkünfte mit Bad , eventuell auch klimatisiert, oder auf dem Campingplatz durchaus leisten. Sofern mir der Preis noch angemessen erscheint und ich einen Schnitt von ca. 25 €, umgelegt auf alle Nächte, nicht überschreite.  Also werde ich nur dann „wild zelten“, wenn ich keine Alternative hätte oder es eine superattraktive Stelle wäre. Wenn ich mit einem Boot unterwegs war, habe ich so gut wie nur „wild“ gezeltet, aber das sind andere Umstände.

Morgenbad im Ossiacher See

Zwischengeschoss der Drau-Brücke

Am Wörther See

In Klagenfurt

In Klagenfurt

In die Heiligen Geist Kirche hinein…

…hatte sich ein Turmfalke verflogen

Die Heiligen Geist Kirche

Lindwurmbrunnen

Im Kärntener Land

Tag 7 (Etappe 5) Heute Morgen fuhr ich durch die hügelige Landschaft in der Nähe des Flusses Drau (slowenisch Drava). Die Sonne brannte wieder den ganzen Tag, aber ich bekam auch etwas kühlenden Schatten, wenn meine Route durch den Wald führte. Dann ging es sogar über eine schwankende Seilbrücke!

Ich war besorgt, dass die Slowenen mich an der Grenze zurückschicken könnten, weil für Nicht-Österreicher die meisten Grenzkontrollpunkte wegen der Pandemie nicht erlaubt sind, selbst wenn sie auf der Grünen Liste der „nicht gefährlichen Länder“ stehen. Ein Verbot bedeutete entweder einen Umweg über einen über 1300 m hohen Pass (innerhalb von 10 km), oder ich müsste zurück und zum Loibl-Pass fahren. Das würde meine Planung völlig verändern. Aber am Grenzübergang hinter Lavamünd gab es dann gar keine Kontrolle. Nur eine englischsprachige schriftliche Warnung am Übergang „nur für Österreicher und Slowenen“. Ok, dann ich spreche eben kein Englisch und fuhr nun hinein in mein Land Nummer 35, ein Neues also!

Na ja, das Rehkitz saß in einem Wildtiergehege …

Wallfahrtskirche Heiligengrab

Hängebrücke

Wenigstens einmal ein Wiener Schnitzel essen, bevor ich Österreich verlasse..!

Lavamünd

Passen gut zusammen, diese Schilder 😉

Volle Drau

Grenzübergang nach Slowenien. Ohne Kontrolle.

SLOWENIEN

Der slowenische Teil der Reise

Tag 8 (Etappe 6). Mir war gar nicht aufgefallen, wie klein Slowenien ist. Es ist nicht größer als das Bundesland Sachsen-Anhalt in Deutschland und hat eine ähnliche Anzahl von Einwohnern … ca. 2 Millionen.  Die Niederlande sind doppelt so groß, das kleine Ungarn viermal. Ich habe noch eine Mischung aus russischem, tschechischem und polnischem Vokabular in meiner Erinnerung: mein „panslawisches Wortgemisch“ sozusagen. Nicht genug zum Unterhalten, aber genug um einige Begriffe oder Hinweise zu verstehen, die ich unterwegs auf Schildern oder Werbetafeln zu lesen bekomme. Ich muss ja immer alles lesen, was mir vor die Augen kommt!

Heute war der nächste heiße Tag. Ich fuhr an der Drau /Drava entlang, entschied mich aber weitgehend die Straße anstatt des Drau Radwegs zu nehmen, weil dieser weite Schlenker über steile Hügel machte. Und darauf hatte ich bei den Temperaturen keine Lust mehr.  In der Provinzhauptstadt Maribor, deren übersichtliche Altstadt ich kurz besuchte, war es mir dann aber noch zu früh, um nach einer Unterkunft zu suchen und so beschloss ich, die Etappe bis zum Campingplatz von Ptuj zu verlängern, denn in Maribor hatte ich keinen gefunden. 79 km bis dahin. In der Hitze fühlten die sich aber wie 100 km an.

So, damit jeder Bescheid weiß.  Ich fahre garantiert nicht schneller!!

Die Drau, jetzt Drava, vom Radweg aus.

Wieder runter auf die Straße. Morgendunst im Drava-Tal

Brezno

Sieht das nicht aus, als lägen das zwei Kokodile?

Stillgelegtes Wasserkraftwerk

Hochwassermarke von 1865(?)

Oh, Kiwis!

Maribor…

… und seine Brücken

Über dieses Grafitti musste ich schmunzeln.

Maribor, in der Altstadt

Nee, ich bin jetzt doch nicht in Deutschland. Oder?

Jugend trainiert. Ohne Masken.

Schloss Ptuj

Tag 9 und 10 (Etappen 7 und 8) : Manchmal bin ich abends einfach zu müde, um den Blog weiter zu schreiben. Außerdem habe ich Probleme mit der Olympus-App beim Übertragen der Bilder auf mein Tablet. Irgendwas funktioniert nicht zuverlässig. Daher brauche ich manchmal 30 bis 60 Minuten, um die Bilder des Tages hochzuladen. Und dann will ich nur noch schlafen …

Ptuj war zusammen mit Maribor die Kulturhauptstadt Europas 2012. Das kann man immer noch erahnen. Ein kleines, gepflegtes altes Städtchen unterhalb einer stolzen, über der Drava thronenden Burg.

Rad- und Fußweg-Brücke

Ptuj

St.Georgs Kirche

Markt

Stadtturm

In Ptuj

Von nun an geht es hauptsächlich nach Westen. Ich fuhr durch die malerische Landschaft der slowenischen Steiermark und hatte tatsächlich eine Weile eine flache Strecke, bis ich über einen Gebirgsausläufer fahren musste. Kurz vor einer 14% Steigung suchte ich Schutz vor aufkommendem Regen unter einem Vordach. Der Hausbesitzer registrierte das und bat mir dann an, doch lieber in der Veranda zu warten. Er riet mir zu einer anderen Strecke. Das war dann zwar ein Umweg, aber weniger schwierig zu fahren. Übernachtung auf dem Campingplatz von Celje.

Da hinten geht’s dann wieder hoch!

In Lovrence nad Dravskem Polju

Die Kirche von innen

Hoch oben die Marienkirche von Ptujskogorsk

Diese Scheune dient als Unterstand für Touristen, der Dachboden war leider abgeschlossen und der Boden liegt zu tief zum Zelten.

Der arme Käfer …

14% Steigung drohen! Es ging aber auch anders.

Dieser slowenische Kollege (sprach leider weder Englisch noch Deutsch) …

…fotografierte mich freundlicherweise auf dem Camping in Celje.

Auf dem Weg nach Ljubljana

Die slowenische Steiermark

Hopfen

Altes Bauernhaus im typisch slowenischen Stil

Immer wieder kreuzt die Autobahn meine Straße

Endlich mal wieder oben 🙂

Glückliche Zuflucht bei Regen. Bushaltestellen sind meist überdacht und manche haben sogar einen Fahrradständer!

Lovemobil, hinten auch für Deutschsprachige.

Leider leerstehend

Ljubljana kommt! Die Orientierung war etwas chaotisch.

Jede Hauptstadt braucht wenigstens ein Wolkenkratzer(chen) …

Gestern habe ich es nach einem Campingaufenthalt bei Celje über eine weitere Bergkette nach Ljubljana geschafft, der kleinen Hauptstadt des kleinen Landes. Jetzt sitze ich in einem Airbnb-Zimmer meines etwas zwanghaft wirkenden, freundlichen Gastgebers, der fast die ganze Wohnung an Reisende vermietet hat. Alles ist hier superperfekt organisiert mit viel Informationsmaterial im Flur.

Tag 11: Dies wurde ein Pausentag, denn die unbekannte Hauptstadt forderte unnachgiebig meine Neugierde heraus. Aber auf der anderen Seite – immer noch die Hitze.
Also machte ich einen Kompromiss . Ich muss nicht alles besuchen, was „man“ hätte sehen sollen. Ich fuhr mit meinem Fahrrad in die Stadt, schloss es irgendwo an und machte mich zu Fuß auf den Weg in die Altstadt, die eine sehr bequeme Größe hat. Ljubljana ist ja nicht größer als Magdeburg und hat irgendwie einen gewissen Charme. Ich stieg die steilen Wege zum Schloss hinauf, besuchte einige Ausstellungen, ging essen und fuhr bereits am Nachmittag, um der Hitze zu entkommen, zu meiner Unterkunft zurück.

Hier sind inzwischen auch andere Airbnb-Gäste: ein junges Paar aus Venedig, ebenfalls mit dem Rad da und ein weiteres Pärchen Radreisende. Katie Tyson aus den USA zusammen mit Franco aus Argentinien starteten im Mai in Dänemark und fahren noch bis nach Istanbul. Wir werden uns auf Facebook verfolgen … Wie immer gab es zwar ein paar nette Minuten Unterhaltung, doch Paare sind meist so mit sich selbst beschäftigt, dass sie wenig interessiert an allein reisenden älteren Männern sind… Und ich will nicht, dass sie mir aus purer Höflichkeit Gesellschaft leisten.

Na, ob das wohl stimmt?

Blick Richtung Dom

Da, und nur da, regnet es immer (aus einem Schlauch an einem Kabel hoch über dem Platz)

Altstadt

Tromostovje — 3 Brücken nebeneinander!

Eine der drei Brücken

Altstadtidyll

Mestni torg

Und dann bog ich in eine winzige Seitengasse ab und fand ein interesantes Kunstwerk, die bronzene Darstellung eines Rilke-Textes. „Daß es mir zum Beispiel niemals zum Bewußtsein gekommen ist, wieviel Gesichter es giebt. Es giebt eine Menge Menschen, aber noch viel mehr Gesichter, denn jeder hat mehrere. Da sind Leute, die tragen ein Gesicht jahrelang, natürlich nutzt es sich ab, es wird schmutzig, es bricht in den Falten, es weitet sich aus wie Handschuhe,
die man auf der Reise getragen hat.“ (Aus den „Aufzeichnunges des Malte Laurids Brigge“)
Und ib Bronze sieht das dann so aus:

Natürlich musste die Hygienekommission das dämliche Schild darauf befestigen, Kulturbanausen!

Dann eben noch mal so. Man kann Wasser aus einem Finger fließen lassen…

… das dann hier entlang rinnt ….

…und rinnt…

…immer weiter…

…nach unten …

bis hierhin.

Dann ging ich hoch zum Schloss, immer die Gassen entlang.

Da näht jemand Masken …

Und klar fragte sie mich, ob ich eine wolle. Aber für mich sind sie nur ein notwendiges Übel, kein Mode-Assessoir und ich habe genug davon.

Eingang zur Burg

Blick von oben

im Burghof

Mittagessen

Und noch ein Abschiedsblick zurück.

 Tag 12 (Etappe 9). Heute gab es einige unangenehme Überraschungen. Zuerst blieb ich mit den vorderen Packtaschen in einer Hecke stecken, stürzte und verstauchte mir meinen linken Ringfinger. Abgesehen davon musste ich zum Glück nur den Kotflügel wieder neu befestigen. Gegen 13 Uhr begann es zu donnern, zunächst zu schüchtern, als dass ich es ernst nehmen wollte, aber dann fing es richtig an und ich fand Schutz unter dem Vordach einer Scheune. Es strömte nur so vom Himmel. Als es dann irgendwann aufzuhören schien, fuhr ich vorsichtig weiter und schaute immer wieder gen Himmel, denn es wollte nicht wirklich aufhören. Diese fiese Gewitterzelle hatte sich wirklich an den Bergen festgekrallt und offensichtlich immer wieder neues Futter bekommen. Ständig rieselte es vom Himmel und es donnerte dazu dramatisch.    Erst als ich auf dem Campingplatz ankam, hatte es endlich aufgehört. Nachdem ich mein Zelt aufgebaut hatte, konnte ich meine Mails lesen und fand eine Katastrophenmeldung von meinem Airbnb-Gastgeber in Ljubljana auf meinem Tablet: Ich hatte vergessen, das Schlüsselbund wieder in seinen Briefkasten zu stecken. Oh je, jetzt erst fühlte ich es in meiner Hosentasche. Typisch ich!  X-mal hatte er versucht mich zu erreichen.  Jetzt drohte er mit einer Schadensersatzforderung von 145 €, wenn nicht … Okay, wir haben dann telefoniert und ich habe ihm eine Lösung versprochen. Und tatsächlich hat die Chefin des Campingplatzes mit Pension auf dem ich gerade war, zugestimmt, ihm den Schlüsselring zurückzusenden. Gleich morgen. Ich bedankte mich bei ihr und gab ihr 10 € für eventuelle Unkosten. Vermutlich kennt sie als „Kollegin“ ja sowas…
(ps: Es dauerte dann 5 Tage bis von ihm die Nachricht kam, er hätte die Schlüssel erhalten…)

Typisch für Slowenien, diese Architektur

Es donnert schon …

… geschafft, eine offene Scheune!

Pferdedusche

Weiter geht’s

Nass! Aber die Sonne kommt wieder

Tag 13 (Etappe 10): Heute morgen habe ich mir mehr Zeit gelassen, weil die Etappe nach Triest nur kurz sein sollte. Aber damit sie nicht zu kurz wird, habe ich meine Route geändert und die berühmten Lipizzaner besucht – diese Pferde stammen vom Gestüt in Lipica, dem letzten Ort vor der italienischen Grenze. Sie werden in weiten Gehegen mit lockerem, Schatten spendenden Baumbestand gehalten

Schneckes Morgenknutsch 😉

Lippizzaner

Letzter Blick zurück gen Osten

Das gesamte Gebiet gehörte bis zum Ende des Ersten Weltkrieges zu Österreich-Ungarn, bis dann 1918 das italienische Kriegsschiff „Audace“ kam und Triest eroberte. Auch Slowenien als Nation innerhalb Jugoslawiens entstand zu dieser Zeit. Es ist erst seit 1991 unabhängig und konnte sich nach nur 12 Tagen aus dem Jugoslawien-Krieg heraushalten. Je näher ich der Grenze kam, desto stärker ging es bergab, von 670 m auf 0 m. Eine lange, schnelle Abfahrt und plötzlich befand ich mich am Pier von Triest. Ich schob das Rad durch eine enge Gasse zu meinem 35 € Hotel in der „Via Felice Venetian“, der „Straße des glücklichen Venezianers“, stellte meine Sachen in einem muffigen Zimmer ab und machte einen Stadtspaziergang. Hier ist das Ergebnis des Tages. (Italienisch gehört übrigens zu jenen Sprachen von denen, die ich nie gelernt habe, die ich immer noch am besten verstehe. Und manchmal schaffe ich es, etwas auf Italienisch zu bestellen, ohne eine Antwort auf Englisch zu bekommen…)

ITALIEN

Italien, erster Teil

Das Meer, das Meer! Hinab nach Triest,

und schon bin ich krass im Großstadtgetümmel.

Piazza Unità d’Italia

Gouverneurspalast

Via Felice Venezian

Santa Maria Maggiore

Piazza Unità d’Italia

Die Börse

Canale Grande

Was Jungs eben so treiben

Wie ein griechischer Tempel – Sant‘ Antonio Nuovo

Sant’Antonio Nuovo

Blick von der Mole aus

Die „Audace“ Mole, an der das Kriegsschiff landete, das Triest für Italien zurückeroberte

Gouverneurspalast im Abendlicht

Venedig liegt auf der anderen Seite

Abendspaziergang am Abend

Tag 14 (Etappe 11)

Ich hatte genug von Triest gesehen und wollte deshalb weiterfahren. Die richtige Dosis Sightseeing zu finden, ist für mich immer eine Gratwanderung. Doch hatte ich geplant, das Schloss Miramare unterwegs zu besuchen (das von „Sissy“). Es erschien mir aber als zu schwierig, mein Fahrrad mit meinem Gepäck dort sicher zu parken, also hoffte ich auf einen weiteren Eingang.  Ich fuhr weiter Richtung Norden an der Adria entlang.

Das gesamte nordöstliche Ende der Adria ist ein einziger schmaler Stadtstrand für die Einwohner von Triest. Der Verkehr ist dementsprechend mörderisch und es war Sonntag. Ausflugstag also! In jede noch so kleine Nische war ein Auto gequetscht. Als ich an einer anderen Stelle noch einmal versuchen wollte zu dem Schloss zu kommen, war ich schon daran vorbeigefahren. Pech gehabt.

Hinter Montefalcone fuhr ich dann nach einem Mittagessen (mit langer Wartezeit auf einen Teller Nudeln) über einsame Nebenstraßen durch eine Landschaft von Kanälen und Lagunen. Das ist das „Riserva Naturale Regionale della Foce dell’Isonzo Isola della Cona“. Es gibt Fahrradrouten bis nach Grado, einem touristischen Hotspot. Hier konnte ich endlich ins Meer springen oder besser waten.  Leider war es kein besonderes Vergnügen an einem überfüllten Strand mit badewannenwarmem Wasser schwimmen zu gehen. Deshalb  fuhr ich  weiter bis  nach Aquileia  und werde morgen früh römische Geschichte studieren!
Werde ich danach nach Venedig fahren oder  einen kürzeren Weg bevorzugen? Ich weiß es noch nicht.

Ciao, Trieste!

Gewaltige Mengen leerstehender Speicher im Hafen

Noch so ein verfallender Schuppen

Und wieder Tunnel

Da unten, ein Stück vom Castelle Miramare, leider war ich schon dran vorbei

Hier spürte man so richtig in Italien zu sein

Naturparklandschaft

Naturparklandschaft

Naturparklandschaft, im Hintergrund die slowenischen Alpen

Mmmm!

Naturparklandschaft

Grado Beach

Grado

Adieu, Grado

Die Basilika von Aquileia

Tag 15 (Etappe 12). Heute Morgen besuchte ich als erstes die antiken und frühchristlichen Stätten von Aquileia. Ich war erstaunt zu erfahren, dass der Evangelist Markus hier wirkte. Es gibt umfangreiche Ausgrabungen und eine wunderschöne Basilika mit beeindruckenden Mosaiken aus dem 4. Jahrhundert, die man ab 10 Uhr besuchen kann (leider nicht früher). Dies verzögerte meine Weiterfahrt dann erheblich, wenn auch aus gutem Grund.

Im Ausgrabungsgelände der antiken Hafenstadt

Die Basilika Santa Maria Assunta

Der Campanile

In der Basilika

Mosaiken

Die Decke

Die Apsis

Romulus und Remus!

Das Forum Romanum von Aquilea

Von Aquileila aus fuhr ich in der Hitze durch eine ziemlich langweilige Agrarlandschaft. Am Nachmittag dann wieder in ein Gewitter. Ich nahm es mit Gelassenheit und suchte Schutz unter dem Vordach eines stillgelegten Restaurants. Bald kamen zwei weitere Radsportler. Sie grüßten kurz, sprachen aber sonst kein Wort mit mir. Ich war wohl nicht ihre Liga.

Dann ging es weiter durch Weinfelder und ich pflückte heimlich eine der unwiderstehlichen Trauben, süß und gleichzeitig sehr säurehaltig, wohl noch nicht ganz reif.  Der Himmel war immer noch nicht wieder klar. Ich hatte heute keine Lust mehr weiterzufahren, darum fragte ich auf einem Bauernhof, ob ich bei ihnen zelten dürfte. Ich durfte! Hier leben rumänische Gastarbeiter. Der alte Padrone kam auch kurz in einem uralten Fiat Panda vorbei und begrüßte mich freundlich. Also ist alles in Ordnung. Jetzt sitze ich auf der Veranda und schreibe, während einer der Gastarbeiter laut mit seiner Tochter in Rumänien telefoniert und mir hausgemachten Rotwein einschenkt. Cabernet.

Die schweigsamen Kollegen Radsportler sprachen kein Wort mit mir

Insonzo

Zelten auf dem Bauernhof

Tag 16 (Etappe13):

Heute Morgen dachte ich, es wäre eine gute Idee, den Vorderradschlauch zu reparieren. Noch war es nicht dramatisch, aber mittlerweile musste ich zweimal am Tag Luft nachpumpen. Die Gelegenheit schien günstig, die Landarbeiter waren zur Arbeit gegangen und ich hatte einen guten Platz auf der Veranda, um das Problem zu lösen.

Aber ich hatte nicht mit Murphys Law gerechnet … Nicht, dass ich nach 46.000 km Radreisen keinen Schlauch flicken könnte … Um es kurz zu machen: ich musste den Reifen dreimal wieder herunternehmen und von vorne anfangen, bis die Luft endlich hielt! Gemeinerweise machte sich der Fehler immer erst bemerkbar, wenn ich das Rad wieder vollständig eingebaut hatte. Ich hätte natürlich auch einfach den Schlauch wechseln können, aber dafür war ich zu stur….

Das kostete mich 2 Stunden und viel Schweiß. Ein hartes Geduldstraining für mich als chronisch Ungeduldigen. Neugierige Nachbarn kamen immer mal vorbei und einer von ihnen fragte mich irgendetwas. Ich blieb cool und wies mit verzweifeltem Blick auf das Offensichtliche. Irgendwann nach 11 Uhr konnte ich endlich weiterfahren, misstrauisch meinen Reifen beobachtend. Aber die Luft hielt!

Reifenpanne

Je näher ich Caorle kam, desto stärker wurde der Verkehr. Eine wahre Lawine von Autos drückte sich in die Küstenstadt, und ich quetschte mich trotzig an allen rechts vorbei. Ich bin schließlich ein Berliner! Pah, ihr werdet schon sehen, dass ich hier durchkomme!

Am malerischen Marktplatz von Caorle bestellte ich mir eine Pizza in einem Selbstbedienungsrestaurant. Ich musste erst bezahlen, dann bekam ich die Nummer 226 und wartete, wartete, wartete … Alle möglichen Nummern wurden aufgerufen, nur nicht meine. Doch als ich dann immer wieder Zahlen hörte, die höher als meine waren, ging ich verärgert an die Theke und bekam plötzlich mein Essen. Während ich schon aß, wurde dann meine Nummer aufgerufen, nach 30 Minuten…  Gäste ewig warten zu lassen, scheint eine italienische Spezialität zu sein, denn auch bei anderen Gelegenheiten machte ich diese Erfahrung.
Schließlich gab es wenig später einen gut ausgebauten Radweg, der entlang der Küste durch Lido di Jesolo und auf die Insel Cavallino – Treporti führt. Das ganze Gebiet hier ist eine Urlaubslandschaft für Pauschalreisende oder Italiener, denen nichts Besseres einfällt. Lange Hotelstrände mit Sonnenschirmplantagen….

Caorle

Oh, mautpflichtig? Nicht für Radler!

Lido di Jesolo

Lido di Jesolo

Via Bafile mit Fahrradspur in beide Richtungen auf einer Seite

Blick von einer Brücke

Nein, nicht Vietnam, kein Reis – Salat!

Heute Abend musste ich bei Recherchen feststellen, dass es in ganz Venedig, also auch in Burano und Murano, nicht nur verboten ist, Fahrrad zu fahren (worauf ich eh verzichtet hätte), sondern auch ein Fahrrad zu schieben oder auch nur irgendwo zu parken. Und ich hatte geplant, genau das morgen zu tun …! Denn von meinem Campingplatz zu meiner Vaporetti-Anlegestelle sind es immerhin 5 km…

Tag 17:  Heute Morgen bin ich zur Anlegestelle der Vaporetti in Treporti gefahren.  Ich fand dort glücklicherweise einen offiziellen Fahrradparkplatz und schloss mein Fahrrad dort an.  Die Vaporetti-Boote des Venezianischen Nahverkehrs befahren die Strecke Burano – Murano – Venedig. Ich hatte mich noch nicht entschieden, was ich alles sehen wollte, aber Burano und Murano waren die ersten Stationen, an denen ich aussteigen konnte.  Bei wieder heißem Wetter fluteten die bisher in Venedig wegen Corona vermissten Touristen auf die Schiffe. Alle benahmen sich vorbildlich und trugen ihre Maske, manche sogar draußen auf den Straßen im Freien.

Burano und Murano sind zwei malerische Inseln vor Venedig, die einen Besuch wert sind. Beide haben einen unterschiedlichen Charakter. Burano ist kleiner und die „Insel der bunt bemalten Häuser“ und der Spitzenstickerei, während Murano als Insel der Glasbläser ein bisschen morbider und vom Stil her mehr wie Venedig wirkt … Als ich mir dann beide Inseln angesehen hatte, spürte ich, dass es mir für heute reichte. Ich hatte in der Nacht schlecht geschlafen, weil es plötzlich stark auf mein Zeltdach regnete. Aber am Morgen schien die Sonne wieder. Auf Venedig selbst verzichtete ich angesichts der Hitze und Touristenfülle lieber. Ich war ja schon einmal mit meinem Vater dort, der unbedingt in seinem Leben noch eine Kreuzfahrt machen wollte, die in Venedig begann.

Die Lagune von Venedig, im Nordosten Burano, in der Mitte Murano

Als erstes nun Bilder von Burano:

Der die das Vaporetti kommt …

Oh, auch Burano hat einen schiefen Turm!

Gleich …

… legen wir an

Alles wirkt sehr intim

Kanalidyll

Handmade in Burano, Fächer heben die Wirkung vom Mundchutz wieder auf..

Parocchia die San Martino Vescovo (die mit dem schiefen Turm)

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

*.*

Aha, 1,85 m Abweichung von der Senkrechten

Blick nach Venedig

Hier ist alles schief!

*.*

*.*

*.*

Jaja, die Touristen …

Waschtag

Und jetzt Murano, die nächste Station des Vaporetti.

Überbkick

Unterwegs

Murano’s Verwaltung

Andere Atmosphäre als Burano

*.*

*.*

Chiese di San Petro Martyre

Ponte Longo. die lange Brücke

Fast wie Venedig

Murano ist Glasbläserstadt

Die Kirche dahinten ist schon lange geschlossen

Durchgang zu dieser Kirche

Tag 18 (Etappe 14):

Da Venedig mir endgültig zu heiß und zu voll war, kam ich nicht in Versuchung noch einmal direkt dorthin zu fahren, sondern setze meine Tour fort. Ich radelte daher schon vor dem Frühstück nach Punta Sabbione, der zentralen Anlegestelle am westlichen Ende der (Halb)insel, damit mir später wegen eventueller Überfüllung nicht droht mit meinem Fahrrad nicht mitgenommen zu werden. Denn in den Fahrplänen steht, dass das es keine Garantie gibt und der Kapitän entscheidet. Es hat funktioniert.

Erster Halt nach kurzer Fahrt auf der Insel Lido. Hier finden immer die berühmten Filmfestspiele der Biennale von Venedig statt, die als Treffpunkt für alle Arten von Prominenten gelten.   Ich sah das Festival – Hotel und kam vorher auch am riesigen „Hotel de Bains“ vorbei, das seit Jahren geschlossen ist und keinen Investor findet. Ich konnte einige Fotos machen, was nicht einfach ist, weil der Blick darauf schon etwas zugewachsen ist …

Ein paar Kilometer weiter nahm ich am Ende von Lido die nächste Fähre zur Insel Pellestrina. Die Insel ist oft nicht einmal 100 m breit, und etwa 8 km lang. Wenn man kein neues Ticket für die letzte Fähre (8,50 €) kaufen möchte, muss man sich beeilen, da die Tickets immer nur 75 Minuten gültig sind. Und der Landeplatz ist am südlichen Ende der Insel …

mmmpf…!

Lido kommt

Blick nach Venedig

Hotel des Baines – gleich kommt Sophia Loren ans Fenster 😉

Links das Berlinale Hotel

Auch auf Lido gibt es einen Canale

Fast das Ende von Lido

Aber ich schaffte es rechtzeitig und kam auf der nächsten Fähre mit dem Triathleten Michele Spiller ins Gespräch, der mit seiner Frau eine Bikepacking-Tour machte und nach einer Alpentour jetzt auf dem Weg zu seiner Familie nach Padua war.

Nach einer kurzen Überfahrt kamen wir in Chioggia an, einer malerischen Hafenstadt, deren Schönheit sich nicht sehr gut fotografieren ließ, weil die lange Hauptstraße komplett mit Marktständen blockiert war … Ein Wachmann achtete auf perfekt sitzenden Mundschutz. Ich floh schnell in eine Seitengasse und dort in ein Restaurant zum Mittagessen. Dann versuchte ich, meine Route zu finden, was sich als nicht so einfach herausstellte. Trotz Navi, das mich über eine 5 km lange Brücke auf eine 4-spurige autobahnartiger Straße zwingen wollte, verirrte ich mich noch in einem Durcheinander von Kreisverkehren. Schließlich landete ich auf einem schmalen Pfad, der etwa 20 km entlang eines Kanals führte. Schnurgerade, ohne Brücke zum anderen Ufer durchschneidet diese ökologische Sünde metertief die Landschaft. Weiter nach Westen auf einer Regionalstraße und bei Rückenwind war es dann auch leicht, 23 bis 25 km / h schnell zu fahren. Es machte mir daher nichts aus, dass die Strecke eigentlich ziemlich langweilig war. Es war wieder heiß mit über 30 ° C. Ich machte Pause in einem Dorfcafé und buchte mir schnell ein Zimmer in passender Entfernung. Wieder mal endete meine ursprüngliche Idee, irgendwo wild zu campen, damit, dass ich nach 77 km in einem klimatisierten B & B-Raum saß … Morgen und übermorgen wird es noch heißer!

Pellestrinas Ostküste, betongeschützt

An der Westküste zur Lagune hin

Auf Pellestrina

Triathlet Michele Spiller mit seiner Frau …

…fotografierten mich

Chioggia

Achtung, Maskenkontrolle!

Flucht ins Restaurant Bella Venezia, rechts

Laguna del Lusenzo

Ciao Chioggia!

Von Chioggia über Verona nach Norden bis Bozen

20 km am Kanal entlang

Weiter auf langweiliger Straße Richtung Verona

Tag 19 und 20 (Etappen 15 und 16). Gestern, nach 92 km in der Hitze von über 35 ° C, war ich einfach zu müde, um etwas Sinnvolles zu schreiben. Die Etappe war eher flach und es gab nur wenige kleine Highlights in Form von interessanten Kleinstädten, wie das von einer gewaltigen Stadtmauer umgebene bemerkenswerte Montagnana, das leider oder zum Glück im touristischen Schatten größerer Städte liegt.

Montagnana

Montagnana, Markt

Vittorio Emmauele, dem letzten italienische König gewidmetes Denkmal

Montagnana

Endlich erreichte ich Verona und je näher ich dieser historischen Festivalstadt kam, desto mehr bekam ich die Großstadt mit viel zu viel Verkehr auf viel zu engen Straßen zu spüren. Trotzdem machte ich abends noch einen Ausflug zur berühmten Arena, die ich noch besichtigen wollte. Es gab aber später dort auch ein Konzert, daher ließ man niemanden mehr hinein. Dafür hätte ich ein Ticket online vorher buchen müssen, außerdem ist  Puccini nicht gerade mein Fall … Nachdem ich meine Bilder des Tages bei einem Bier auf das Tablet hochgeladen hatte (wieder dauerte das eine gefühlte Ewigkeit), musste ich dringend ins Bett …

Verona: Tor zur Piazza Bra

Piazza Bra

Stadtverwaltung

Die Arena

*.*

Piazza Bra

Ein Eis war fällig

Arena, die blauen Markierungen für Singles, die gelben für Paare

*.*

Piazza Bra

Abendstimmung

Heute Morgen bin ich dann früh losgefahren, weil es wieder so heiß werden sollte wie gestern. Also bin ich schon mittags am Gardasee angekommen. Sofort sprang ich ins Wasser! Es war wieder karibisch warm und nur mäßig erfrischend, aber das musste jetzt sein!
Ich hatte beschlossen, trotz des dort herrschenden mörderischen Verkehrs die Straße entlang des Ostufers zu nehmen. Denn die einzige Alternative wäre eine lange parallele Straße hinter den Bergen durch das Etsch-Tal ohne Blick auf den malerischen See gewesen.
Ich machte immer wieder kleine Pausen und weil jetzt es nicht mehr als 120 km bis zum Endziel Bozen waren, konnte ich mir viel Zeit lassen.

Lago di Garda: Endlich mal wieder schwimmen gehen!

Bardolino: Ich schiebe das Rad wie durch ein riesiges Restaurant, und am Ende steht der Tempel des Lucullus? Nein, es ist die „Chiesa parrocchiale dei Santi Nicolò e Severo“, die wie ein antiker Tempel die Sichtachse beherrscht.

Innenansicht der Chiesa parrocchiale dei Santi Nicolò e Severo

Weiter am See entlang

Bei diesem Abendblick schreibe ich den Blog in einem Strandlokal

Tag 21 (Etappe 17)

Am Morgen habe ich noch einmal das Panorama der Landschaft am nach Norden hin enger werdenden Gardasee genossen, aber der Verkehr auf der Straße am See ist sehr stressig. Wenn immer möglich, gibt es einen Rad- und Wanderweg am Ufer daneben. Es ist gut, dass italienische Autofahrer so diszipliniert und rücksichtsvoll sind.

Der kleine Hafen Kuta

Sculptur der Luisa Granero

Ein Paar aus Deutschland auf dem Weg nach Sizilien

Es tunnelt wieder …

Jetzt bin ich in Südtirol

Torbole

Von Torbole am oberen Ende des Sees aus ging es so steil bergauf, dass ich nur schieben konnte und dann entdeckte ich aus halber Höhe einen Radweg entlang eines Flusses unten im Tal, der scheinbar in die richtige Richtung führte. Sofort wendete ich und fuhr erst einmal dort entlang.  Ich bewunderte das Schloss Arch, das  in schwindelerregender Höhe über dem Ort Arco thront.
In Arco aß ich zu Mittag und überprüfte mit dem Tablet, wie die Strecke jetzt weitergehen würde. Ach je! Ich bin ja im falschen Tal gelandet! Das Sarca-Tal war nun wirklich nicht meine Strecke… Wenn ich hier weitergefahren wäre, hätte ich einen 800 m hohen Pass überqueren müssen, anstatt die nur 300 steilen Höhenmeter meiner ursprünglichen Strecke. Also wieder 7 km zurück. Und dann schob ich schwitzend mein Fahrrad die 9-12% Steigung hoch bis zur Spitze, ehe es wieder runterging. Zum Glück meistens auf einem separaten Radweg.

Etwas weiter rechts unten im Tal sah ich die Fahrradroute …

…der ich irrtümlich folgte.

Aber ich wurde mit dem Blick auf Schloss Arc belohnt.

Bei Tortellini und Pfefferminzbrause entdeckte ich meinen Irrtum.

Hier nun bin ich wieder auf der richtigen Strecke

Natürlich musste ich hier mal zugreifen …

Die Wolken nahmen zu, aber noch sah es nicht bedrohlich aus. Das sollte sich schnell ändern. Ich holte die Regenbekleidung aus meiner Tasche, bereitete mich vor und schon fing es an zu regnen. Erst zögerlich, dann stärker und ich schaffte es gerade noch in den Eingang eines Hauses im Ort Mori. Eine gute Entscheidung, denn gegen dieses Gewitter half auch keine Regenbekleidung mehr. Ich musste mehr als eine Stunde ausharren und meinen AirBnB-Gastgeber darüber informieren, dass ich erst später ankomme. Die wollen nämlich immer wissen, wann man in etwa ankommt, was mich etwas nervt, denn es setzt mich unter Zeitdruck.  Als ich dann weiterfahren konnte, sah ich, was passiert war. Immer wieder lagen Äste oder umgestürzte Bäume quer über der Radroute und blockierten meinen Weg. So wechselte ich für die letzten 31 km lieber auf die viel befahrene Nationalstraße. Mit zwei Stunden „Verspätung“ kam ich dann in Trient an …

Blick aus dem Zufluchts-Hausflur

Nach dem Gewitter

Gut, dass ich mich untergestellt hatte.

Irgendwo in Rovereto

Das Etsch/Adige – Tal

Die Sonne kommt wieder

Der Gastgeber hatte das Quartiersmanagement an seinen keiner Fremdsprache mächtigen Vater delegiert, der mich dann auf der Straße vor dem Haus abfing. Er besitzt ein Schuhgeschäft und bugsierte Rad und Gepäck in ein Lager neben dem Laden. In der mit einem Hochsicherheitsschloss gesicherten Wohnung bewohnte er auch ein Zimmer, allerdings habe ich ihn dann kaum noch gesehen. Immerhin konnte ich die Küchennutzung vereinbaren.
Morgen ist ein Pausentag, bevor ich übermorgen die letzte Etappe nach Bozen fahre.

Blick auf das gegenüberliegende Fenster – Renaissance vom Feinsten

Tag 22: Trient ist eine interessante Stadt von einiger historischer Bedeutung. Hier fand das Tridentinum, das Konzil von Trient, als Reaktion auf die Reformation statt. Es war sozusagen der Beginn der Gegenreformation, die letztlich  in den 30-jährigen Krieg mündete.
Die Altstadt besteht aus vielen Renaissancegebäuden, die den Eindruck einer wohlhabenden Stadt des 15. Jahrhunderts erwecken. Ich habe hier einen gemächlichen Schlendertag verbracht. An diesem Montag war allerdings das (von außen ziemlich hässliche) Schloss Buonconsiglio leider geschlossen.

Besser ging es nicht, die Kathedrale von der Seite

Das Erzbischöfliche Palais

Am Eingang zur Kathedrale

Innen wird gebaut

Westwerk und Turm der Kathedrale

Santa Maria Maggiore, hier fand das erste Konzil von Trient 1545-1547 statt

Santa Maria Maggiore

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

So stellte man sich 100 Jahre später das Konzil vor

In der Altstadt

An der Piazza Duomo

*.*

In den Giardini di Piazza Venetia

Ja.

Nochmal zum Dom

Ein letztes Bild von Trient

Tag 23 (Etappe 18). Ich habe mein endgültiges Ziel nach 1270 km erreicht: Bozen / Bolzano. Es war eine entspannte Etappe, die über 63 km von Trient nach Bozen führte. Nach einigem Zickzack durch den Stadtrand, erreichte ich nach etwa 15 km wieder die Radroute durch das Etschtal. Es ging fast immer leicht bergauf und ich hatte auch etwas Gegenwind, aber das war nicht besonders zu spüren. Dies ist ein echter 5-Sterne-Radweg mit Parknischen, die mit Bänken, einem Fahrradständer und einem Mülleimer ausgestattet sind, sowie Parkplätzen und Rastplätzen mit Gastronomie! Die meisten Radfahrer radeln bergab nach Süden (und fahren wahrscheinlich mit dem Zug zurück). Hier einige Bilder der schönen Route. Morgen werde ich einige Bilder von Bozen zeigen.
Übrigens je weiter man nach Norden kommt, desto mehr Menschen sprechen Deutsch als Muttersprache.

Radroute mit Autobahnkomfort

Parallel zur Brenner-Autobahn

Kapuzinerkloster Neumarkt

Luxus-Raststätte

Alles gut ausgeschildert

Die Informationen sind idiotensicher

Etschtalblick

www.radkioskottowalter.com: Ein Obstbauer verkauft Apfelsaft…

…und andere Säfte

Das ist er, Otto Walter            http://www.radkioskwalter.com

Apfelplantagen

Dort befindet sich Reinhold Messners Mountain Museum in der Burg Sigmundskron

Gesamtstrecke in Italien, Österreich 316 km, Slowenien 335 km

Tag 24: Bozen / Bolzano hat einen ganz anderen Charakter als Trient / Trento,  das etwa 60 km südlich liegt. Dies ist auf seine komplizierte Geschichte und den Wechsel von Österreich nach Italien nach dem Ersten Weltkrieg zurückzuführen. Außerdem wurden hier viele Italiener von Mussolini angesiedelt, um die Mehrheitsverhältnisse zugunsten der Italiener zu ändern. Somit leben nur noch etwa 25% der deutschsprachigen Einwohner in Bozen / Bolzano. Aber ich höre viel Deutsch und man kann mit fast jedem deutsch sprechen. Hier sind auch viele deutsche Touristen, vorzugsweise aus Bayern.
Die Altstadt hat keinen so einheitlichen Stil wie Trient, mittelalterliche Gebäude mischen sich mit neueren. Auch gab es am Ende des 2. Weltkrieges Bombenangriffe und die entstandenen Lücken wurden teilweise mit Neuem gefüllt, wie die gewaltige Sparkasse im 50er-Jahre-Stil am Walther-von-der-Vogelweide-Platz.
Ich habe einen Teil der Altstadt besichtigt und „Ötzi“ in einem eigens für ihn eingerichteten Museum besucht. Am Nachmittag war ich dann in Reinhold Messners Mountain Museum. Mehr dazu folgt unten.

Am Dom

Der Dom

Altstadtgassen

Bozen ist Radlerhaus

Den Sinn des Namens dieses Hauses konnte ich nicht entchlüsseln

Am Walther-von-der-Vogelweide-Platz

Walther von der Vogelweide

Ötzi

nett schaut er aus, nicht?

Mussolinis Hinterlassenschaft, das Siegestor

Das Mountain Museum von Reinhold Messner besuchte ich am Nachmittag.
Es befindet sich 6 km von der Altstadt entfernt im ehemaligen Schloss Sigmundskron. Natürlich bin ich mit dem Fahrrad dorthin gefahren. Das Museum bietet eine sehr anschauliche Untersuchung des Phänomens „Berg und Mensch“, der Sehnsucht nach dem Berg, der religiösen und philosophischen Implikationen und natürlich Messners eigenen Leistungen, der als erster Mensch alle 14 Achttausender bestiegen hat. Manchmal hatte ich das Gefühl, plötzlich in Nepal zu sein …

Burg Sigmundskron

Aufwärts an einem Bio-Weingut vorbei

Gut bewacht!

Wilkommen in Tibet!

Wilkommen in Tibet!

Oder auch in Indien.

Steinbock aus Bronze

Ein Riesen – Inukshuk

Himalaja Panorama: Mount Everest

Himalaja Panorama: K2, der „gefährlichste 8000er“

Himalaja Panorama: Nanga Parbat, Messners Schicksalsberg, an dem er seinen Bruder verlor

Blick von der Burg nach Westen

In einer Höhle

Das Kino

Oh, China wieder!

Kunst der Höhle

Bozen

Tschüss, war interessant!

Abreisetag:  27.August 2020

Ich hatte meine Lehre vom Bahnhof Bad Hofgastein gezogen, dass jeder Wagen der ÖBB mit Fahrradplätzen pro Tür für nur ein Fahrrad zugelassen ist, deren Nummer (außer der Wagennummer) man auf der Platzkarte und an der Tür sieht. Ich ging daher schon gestern früh am Morgen zum Bahnhof Bozen, um mich nach den Verhältnissen zu erkundigen: Gibt es einen Wagenreihungsanzeiger? Markierungsschilder auf dem Bahnsteig? Natürlich nicht. Also ging ich ein zweites Mal zu 12.34 Uhr hin, wartete ich auf den Zug, nur um mir die richtige Stelle auf dem Bahnsteig zu merken. Das klappte auch und ich wusste nun, wo ich zu warten hätte.
Dachte ich. Denn erstens hatte mein Zug heute 30 Minuten Verspätung und fuhr dann zweitens auf dem Nachbarbahnsteig ein. Das bekam ich leider erst 5 Minuten vor Einfahrt mit, denn da schon mal 30 Minuten Verspätung angesagt waren, war ich mit den Gedanken ganz woanders … Oh je! … Ich sprach einen jungen Mann an, ob er mir schnell helfen könnte und so schoben wir mit vereinter Kraft das bepackte Rad hastig die Treppe in den Tunnel runter und auf der anderen Seite wieder hoch. Geschafft! Der Zug (mit 3 Lokomotiven!) fuhr aber soweit vor, dass ich im Eiltempo meinem Wagen hinterher spurten musste. Und dann war der Haken für mein Fahrrad natürlich schon besetzt! Ich war verärgert und fragte laut durch den Wagen „Wem gehört das Rad hier?“. Ein Pärchen meldete sich und meinte, der Schaffner hätte sie angewiesen, das Rad da hin zu hängen. Ich seufzte. Höhere Amtsgewalt. Dann hätte ich auch keine Fahrradkarte lösen müssen! Also wie in Bad Hofgastein klemmte ich das Rad irgendwie schief in den Gang und verhinderte somit, dass sich die Durchgangstür schließen konnte. Meine Packtaschen verteilte ich auf freie Ablagen im ganzen Wagen… Nach einer Weile kam der Schaffner und fragte mich, ob ich nicht vielleicht das Fahrrad in Brixen zum Packwagen bringen könnte, zwei Wagen weiter vorn. „Okay, wenn Sie dafür sorgen, dass der Zug nicht ohne mich losfährt.“ Es klappte und ich ging dann im Zug zu meinem Platz zurück. Meine Fahrkarte hat er übrigens bis München nicht kontrolliert … Die ÖBB hat sich offenbar darauf eingestellt, dass sie mehr Fahrräder befördern müssen, als auf die paar „ordentlichen“ viel zu hoch angebrachten Haken passen und haben einen zusätzlichen Packwagen mit eingehängt. Davon könnte die DB wirklich lernen.

Umsteigen in München und ab Nürnberg dann im ICE. Ich kam pünktlich nach 12 Stunden um 0.28 Uhr müde und geschafft in Berlin an.

Resümee:
Das war mit 1257 km die kürzeste, aber auch die abwechslungsreichste Radreise seit 2015. Von über 800 Bildern habe ich hier nur die Besten  gezeigt. Danke, dass Sie  bis hierher durchgehalten haben! Über ein Feedback freue ich mich!

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s