Ontario

19.Juli 2015

Heute bin ich 60 Tage in Kanada (62 wäre die Hälfte der Zeit), habe 4289 km in 50 Etappen zurückgelegt, also im Schitt 85 km pro Fahrtag.

Am 17.Juli morgens dämmerte mir als ich vom Schwimmen im West Hawk Lake zum Motel kam, dass ich gar nicht weiß, wo mein Fahrradschlüsselbund ist. Und so fing die Suche an. Das Schlüsselbund war unauffindbar, auch den Schlafsack inspizierte ich,  nichts. In mir kam die Panik hoch. Nach Reisepass und Kreditkarten ist das das Nächstschlimmste was ich verlieren kann. Irgendwas verliere ich ja immer, aber das ist ein anderes Thema. Ich fuhr voll chaotischer Gedanken los. Wo hatte ich zuletzt das Ding in der Hand? Ah ja, Highway 11 an der Brücke, als sich der Sattel verdreht hatte, das war vor zwei Tagen.  Habe ich es auf dem letzten Camping verloren? Ich rief da an, keiner hob ab. Es kam auch keine SMS von dort, um die ich auf dem AB gebeten hatte. Also, Schlüsselbund weg bedeutet, ich kann das Fahrrad nirgends mehr sichern. OK, neues Schloss kaufen. Aber am Bund ist auch meine Pitlock-Sicherheitsmutter, ohne die ich weder das Vorderrad ausbauen noch den Sattel richten kann, wenn er verdreht ist, was schon mal vorkommt, wenn ich samt Fahrrad umkippe, wie auf Highway 11 als ich zu ungeschickt einem Schlagloch auswich. Und einen Schlauch wechseln geht auch nicht mehr, wenn man das Rad nicht ausbauen kann. Schöne Aussichten. Also eine Lösung muss her. Heute noch, denn dann kommen 500 km ohne Fahrradladen. In Kenora gibt es einen. Also nichts wie hin. Während der 35 km dorthin war ich gedanklich ausgelastet. Immerhin übersah ich das Grenzschild nicht.

Willkommen in Ontario. Es gibt viel zu Entdecken. Neu oder wieder.

Willkommen in Ontario. Es gibt mehr zu Entdecken. Neu oder wieder?

Und auch nicht den Blick von der Bücke auf den Lake of the Woods.

Lake of the Woods

Lake of the Woods

Aber dann nichts wie hin zum Fahrradladen. Der Mechaniker hatte nicht viel technische Phantasie und bot mir lediglich an, eine Schnellspannachse zu kaufen, im Doppelpack mit einer für das Hinterrad, die ich nie gebrauchen kann, für 22 $. Das Poblem ließ sich aber nur mit zerstörender Gewalt lösen, wozu er nicht das Werkzeug hatte, also schickte er mich dafür zur Autowerkstatt. Der Automechaniker hatte die nötige Mc Giver-Phatasie und löste das Problem einfacher und mit Schweißgerät als ich es mir vorstellte. Machte noch mal 25 $. Jetzt fehlte nur noch ein Ersatzschloss, aber sowas hatte der Fahrradladen nicht. In Kenora werden Räder nicht geklaut.Basta. Auf zum Campingplatz. Ausgebucht! Nicht mal einen Radfahrheldenbonus gab es! Also zum nächsten, 16 km weiter, wo ich vorsichtshalber vorher anrief. Da gab es Platz genug. Ich war K.O. Bald verschwand ich in meinem Zelt und versuchte gegen den Familienlärm japanischer Nachbarn einzuschlafen, als mich etwas am Oberschenkel drückte …. fühlt sich bekannt an …

…. ich wusste sofort: Das Schlüsselbund!!!  Feiges Miststück! Verkriecht sich unauffindbar und klammert sich im Schlafsack fest, wenn ich den ausschüttele!

Anschließend überlebte ich mein bisher schwerstes kanadisches Gewitter, obwohl der Blitz keine 100 m entfernt einschlug. Trocken! Gutes Zelt. Aprospos Regen. Die letzten Tage hatten immer eine feuchtes Ende. Gestern konnte ich nach 10 Minuten Regenguss  immerhin ein wackeliges Dach finden.

Es reichte für mich ganz und für das Fahrrad zur Hälfte. Unter einem abgestellten Tiefladeraufsatz war es zu niedrig ....

Es reichte für mich ganz und für das Fahrrad zur Hälfte. Unter einem abgestellten Tiefladeraufsatz war es zu niedrig ….

Also Ontario. Wieder eine Herausforderung. Wie schon am Ende von Manitoba ist die Landschaft geprägt von Felsen (präkambrisches Urgestein, Alter 3,5 Mrd Jahre) Wald, Wald, Wald und Seen.

Planetenfrühzeit im Querschnitt. Älter als das Leben (auf der Erde).

Planetenfrühzeit im Querschnitt. Älter als das Leben (auf der Erde).

Und ein ständiges Auf und Ab. Zum Glück haben sie den Transcanada Highway (dem sie hier die Nummer 17 gegeben haben als wäre es „irgendeine“ Straße) nicht rüksichtslos gittergerecht rechtwinklig über die Hügel geworfen, wie in der Prairie, sondern einen kurvenreichen, Steigungen entschärfenden Kompromiss geschlossen. Insofern geht es relativ flott voran. Noch. Aber jetzt wachsen die Abstände zwischen den Campingplätzen auf über 100 km. Und es soll bald der höllische Abschnitt ohne Seitenstreifen kommen …!  Zurzeit habe ich wieder mal eine Rückenwindphase. Zum Glück. Und das Wetter soll trockener werden. Morgen bis Ignace. 100 km.

Fortsetzung folgt. Folgte bereits, aber dann war der Text weg….

25.Juli 2015

Ich sitze im Wald. In einem Waldcampingplatz am Wolf River. Klingt gut, nicht? Wenn doch das immer wieder ensetzende Gedonner und Gehupe der kanadischen Bahn nicht wäre… Die fahren verstärkt nachts, habe ich den Eindruck. Wie die das bei den Entfernungen hinkriegen mit ihren Zügen immer da zu sein, wo ich schlafen will, ist mir schleierhaft.

Zum Beispiel auch hier: Morgenidylle am Savannah Rive lädt zum Bade ein. 150 m weiter dröhnen die Trucks, 200 m weiter die Güterzüge vorbei ...

Zum Beispiel auch hier: Morgenidylle am Savannah River lädt zum Bade ein. 150 m weiter dröhnen die Trucks, 200 m weiter die Güterzüge vorbei …

Episoden:

Ich fahre auf einen Rastplatz, die sind so schön bequem zum Essen unterwegs, es gibt Tische und Bänke, zur Not auch übderdacht. Da steht ein Auto mit Karlsruher Nummer. Das ist nun in Kanada absolut ungewöhnlich, mir sind erst 5 Fahrzeuge mit europäischem Kennzeichen begegnet, 2 davon Deutsche. Ich lerne, dass sich das Einschiffen eines Autos lohnt, wenn es teurer wäre eins zu mieten, die Reise also sehr lange dauern wird. 1 Jahr in diesem Fall, Dagmar und Manfred. Hier zur Seite der Weltreisenden. Die luden mich dann gleich zum Kaffee ein. (Bild folgt später). Hier nur der Bus von hinten…(leider). Die erzählten mir dann, dass sie einen Polen getroffen hätten, der quer durch Kanada LÄUFT, mit einem Kinderwagen für sein Gepäck!

Das ist Jacob oder Jakub. Er ist polnischer Einwanderer. Kinderwgaen? Na ja...

Das ist Jacob oder Jakub. Er ist polnischer Einwanderer. Kinderwagen? Na ja…

Ich traf ihn dann etwas später. Er sagte, mit meinem leuchtenden Shirt hätte er mich schon kilometerweit gesehen. Das beruhigt mich verkehrssicherheitstechnisch ungemein und war ja auch so beabsichtigt. Jakub wartete nicht etwa ab, ob ich von mir aus hielte, er kam extra auf meine Straßenseite und stoppte mich — was nicht wirklich nötig war, aber offensichtlch ist der einsame Läufer eben doch sehr kontaktbedürftig. Er träfe täglich mindestens 1-2 Radfahrer, die Kanada durchqueren würden, die meisten in meiner Richtung (deswegen treffe ich auch so wenige). Ich fragte ihn, wieso er unbedingt laufen würde. Er meinte, Radfahren, das machten ja alle. Er wollte es anders haben. Hm. 20 km pro Tag. Übernachten im Wald oder in zerfallenen Häusern oder mal ausnahmsweise im Motel. Vor 6 Monaten sei er gestartet, in Victoria am Kilometer 0 des Transcanada Highways. Jetzt hatte er gut diee Hälfte bis St.Johns auf Neufundland geschafft. Respekt vor der Leistung und vor der Geduld auf den einsamen langen Straßen. Eine polnische Radlerin versorgt ihn mit Informatiionen über die Strecke. Ich zeigte ihm auf meinem Navi den nächsten Rastplatz – noch 12 km, das schaffst du heute noch und ärgerte mich später darüber, dass der Platz gar nicht existiert. Ich weiß inzwischen durch facebook, dass er woanders übernachtet hat, in einem leerstehenden Haus, schon vor dem nicht existierenden Platz.

Die Leute verkaufen hier wirklich den letzten Schrott. Diesen Oldtimer mit verbeulter Haube und ohne Motor gibt es schon lange für 500 $

Die Leute verkaufen hier wirklich den letzten Schrott. Diesen Oldtimer mit verbeulter Haube und ohne Motor gibt es schon lange für 500 $

Ich fragte mich einige Tage zuvor, wieso es in Toronto eine Stunde später ist, wenn ich doch schon in Ontario bin. Hier ist die Lösung. De Zeitgrenze ist der 90. Breitengrad und endlich ist es um 21 Uhr nicht schon dunkel! Bin jetzt zeitgleich mit New York (EST) und nur noch 105 Grad von Berlin entfernt...

Ich fragte mich einige Tage zuvor, wieso es in Toronto eine Stunde später ist, wenn ich doch schon in Ontario bin. Hier ist die Lösung. De Zeitgrenze ist der 90. Breitengrad und endlich ist es um 21 Uhr nicht schon dunkel! Bin jetzt zeitgleich mit New York (EST) und nur noch 105 Grad von Berlin entfernt… Hier wedele ich freudig mit einer Birke 😉

Auf dem Weg nach Thunder Bay kommt man an den donnernden Kakabeka-Fällen vorbei. Eine Art Mini-Niagara mit 40 m Fallhöhe.

Auf dem Weg nach Thunder Bay kommt man an den donnernden Kakabeka-Fällen vorbei. Eine Art Mini-Niagara mit 40 m Fallhöhe.

So, aber jetzt wird es mir zu mückig, hier am Wolf River. Fortsetzung folgt demnächst, Ontario ist sehr groß!

30.Juli abends

Mal wieder, wegen des meist guten WLAN’s bei Tim Horten eingekehrt. In Wawa. Das spricht man mit offenem O wie o in Motte, also nicht Wäiwä, wie ich dachte. Wieder was gelernt. Mich hindert das manchmal aber nicht daran, Orte (im Kopf für mich) einfach deutsch auszusprechen, wenn sie so klingen. Schreiber zum Beispiel. Screeber?? Nee!

Gestern traf ich den ersten ontarischen Schwarzbären (oder er sie mich) ich dachte schon, es gibt hier keine. Den letzten traf ich vor tausdenden Kilometern auf dem Icefields Parkway…. Ich musste gerade schieben (bergauf bei böigem Wind) und schaute mich zufällig um. Keine 20 m von mir entfernt schlich dieses Bärentier über die Straße!  Ich hatte keine Angst, da von ihm nichts Bedrohliches ausging. Er sie wohl auch nicht, aber wir behielten uns im Auge. Dann schnell noch ein Beweisfoto im letzten Moment…

Er oder Sie? Wer weiß das schon...

Er oder Sie? Wer weiß das schon…

Apropos böiger Wind. Nachdem ich fast im Straßengraben gelandet wäre, flüchtete ich in ein billiges Motel. Hier Beweisfoto 2.P1030708Wawa ist stolz auf sein Wappentier, die Kanada-Gans. Wawa ist auch die indianische Bedeutung dafür. Hier ein paar Bilder, bevor es zu dunkel wird, um zum Zeltplatz zurück zu fahren.

Diese Gans aus Stahl (rostet schon) und steht stolz neben einer riesigen Kanada-Fahne (die ich aus athetischen Günden, weil sie gerade nicht flatterte, weggelassen habe.)

Diese Gans aus Stahl (rostet schon) und steht stolz neben einer riesigen Kanada-Fahne (die ich aus ästhetischen Günden, weil sie gerade nicht flatterte, weggelassen habe.) Links die Galerie verdienter Bürger des Volkes … der Stadt.

Dies ist die alte

Dies ist die alte „Original“Gans, um die ein Streit tobte und die nun am General Store ihren Ehrenplatz hat. Manche fordern  ein ganz Neue.

9.August 2015

Ich sitze auf dem Campingplatz in North Bay und esse Korinthen. Nicht die toten verschrumpelten Dinger, die es bei uns gibt, sondern lebende. Weintrauben für Liliputaner. Johannisbeergroß.

Lebende Korinthen, etwas säuerlich.

Lebende Korinthen, etwas säuerlich.

Und über mir zerhämmert ein schwarz-weiß gefärbter Specht einee Birke. Papierbirken sind das hier. P1030894

North Bay ist eine mittelgroße Stadt am Lake Nipissing, der ist ein kleiner Fleck auf der Landkarte, aber obwohl nur 1% so groß wie der Lake Superior, ist er mehr als anderthalb mal so groß wie der Bodensee und man konnte an zwei Stellen vorhin sogar den Horizont statt eines Ufers sehen. Die inzwischen zwei Großen Seen derer ich ansichtig wurde, waren eisekalt – 11 Grad maß ich am Huronsee bevor mir die Füße abfroren, hier ist es karibikwarm, aber auch so flach, dass ich zum Schwimmen bestimmt weiter laufen müsste als am Strand von Rahnsdorf am Müggelsee(chen).

Zuletzt war ich hier in Wawa gelandet, jetzt bin ich schon viel weiter. Dazwischen lagen eine Provincial Park mit wunscherschönen Strand (Lake Superior), aber unverschämt teurem Campingplatz, 46 €, ökologisches Bewussteinstraining (Wasser abkochen! Müll trennen! Lebensmittel nachts wegschließen in Blechkiste am Washroom – wegen der Bären) inclusive. Da nehme ich lieber günstiger und ohne Ökounterricht. Aber in Ontario sind fast alle Campinplätze teurer als in anderen Provinzen.
Dazwischen lag Sault Saint Mairie, das gibt es auf kanadisch und US-amerikanisch, aber da wollte ich nicht hin. In SSM gibt es das superalternative Fahrradgeschäft Velorution (jawoll!), mit angehängtem und nur durch Büsche vom Walmart getrennten Campingplätzchen nur für Radfahrer, die auch den Zahlencode für Klo und Bad überrmittelt bekommen.

Das Fahrradladenzeltpläzchen. Vive la velorution!

Das Fahrradladenzeltpläzchen. Vive la velorution!

Dahinten links ist die Toilettentür mit Zahlencode.

Da hinten links ist die Toilettentür mit Zahlencode.

Da wollte ich meine Kette nebst Zahnkränzen wechseln lassen, aber leider leider war the complete staff zu einem mehrtägigen Training weg. Laden zu, gezeltet werden durfte trotzdem. Verweis auf die anderen zwei Fahrradläden der Stadt, Algoma Bikes and „The Duke of Windsor“ (!).  Algoma hatte die Zahnkranzkassette nicht. The Duke die Kette nicht. Und auch keinen Mechaniker an dem Tag. Also zurück Algoma, Kette kaufen und dann wieder zum Herzog und mit der (ungefragten) Hilfe ungelernter Angestellter durfte ich mich deren Werkstatt bedienen. Da ich nicht voll konzentriert war, habe ich irgendwas falsch gemacht und war dann an drei Tagen damit beschäftigt, den Fehler zu finden und auszumerzen. Inzwischen geht alles zu 99% wieder.

Den 6000. km habe ich um 5 km verpasst... ja richtig, Start war 6666.

Den 6000. km habe ich um 5 km verpasst… ja richtig, Start war 6666.

So, ich muss gleich vor den Mücken fliehen. Für Bider hochladen ist das Netz hier zu schwachbrüstig und mein Prepaid-Account zu schnell aufgebraucht. Alles viel teurer hier. Aber in drei Tagen habe ich ein ganzes Haus allein für mich! Dann…!

15.August 2015

..dann muss ich noch den kitschigen Sonnenuntergang vom Lake Nipissing nachliefern

Nummer 1

Nummer 1

Nummer 2

Nummer 2

Muss ja auch mal sein, nicht? Wetterkundige sehen daran, so schön bleibt es nicht. Aber der Nieselregen am nächsten Tag war verkraftbar.

Ein Eis täglich muss sein! Die kleinste Singleportion kostes 3,50 $, ist aber 3x so groß wie bei uns!

Ein Eis täglich muss sein! Die kleinste Singleportion kostes 3,50 $, ist aber 3x so groß wie bei uns!

(habe ich natürlich nur wegen der Farben ausgesucht)

(habe ich natürlich nur wegen der Farben ausgesucht)

Aprospos Eis, seit dem Start am 23. Mai hatte ich schon in der Prärie 11 kg abgenommen. Dabei bleibt es aber offenbar, das scheint irgendwie die Untergrenze zu sein mit 68-70 kg. Ich fürchtete schon, ich werde so leicht, dass ich in Halifax das Fahrrad nicht mehr gerade halten kann. Die Maschine wiegt ja mit dem Gepäck zusammen bestimmt einen Zentner. Das hat mein Ständer auf Dauer nicht verkraftet und so blieb nur eins – Schweißen!

Das hat der Mechaniker in Mattawa kurz vor Feierabend mal eben umsonst gemacht. Und die Farbe gleich nachgebessert.

Das hat der Mechaniker in Mattawa kurz vor Feierabend mal eben umsonst gemacht. Und die Farbe gleich nachgebessert.

Man kann ja dem Wahnsinnsverkehr manchmal über sogenannte Backroads entgehen, aber die sind dann brutal über die Felsen geworfen, Steigungen zum Schieben!

Man kann ja dem Wahnsinnsverkehr manchmal über sogenannte Backroads entgehen, aber die sind dann brutal über die Felsen geworfen, Steigungen zum Schieben!

Und immer wieder die gleiche Idylle...

Und immer wieder die gleiche Idylle…

Achtung Kutschen?

Achtung Kutschen?

Die Aimish! Leben im 19.Jahrhundert und lehnen jede modernere Technik ab. Dafür bekommen sie eine breite geschotterte

Die Aimish! Leben im 19.Jahrhundert und lehnen jede modernere Technik ab. Dafür bekommen sie eine breite geschotterte „shoulder“.  Für Radfahrer bleiben die 40 cm rechts der weißen Linie…

So und jetzt sitze ich schon 2 Tage in Nancys Haus, das zu nutzen sie mir gestattet hat, obwohl sie 5 Tage vor meiner Ankunft wieder in die Schweiz abreiste, wo sie hauptsächlich lebt. Haus mit Seeblick könnte man sagen, wenn es nicht der Ottawa River wäre, der sich aber immer wieder seenartig erweitert und dessen Anblick ich, wenn ich vom Tippen aufschaue, genieße. Ruhe. Ein manchmal mystisches Farbspiel, dann wieder sonnendurchflutet in majästetischer Kraft. Ein Platz zum Auftanken, Schwimmen, Paddeln, alles klug und ästhetisch ansprechend gestaltet. Nancy hat mit ihrer Zwillingsschwester 2011 ebenfalls Kanada per Rad durcheilt, könnte man sagen, eine Lichtgepäcksfahrt auf Rennradreifen von Motel zu Motel in ganzen 55 Etappen. Ich kenne sie nur über facebook, sie war sozusagen mein Vorbereitungscoach und seit gestern auch telefonisch. Kanadische Großzügigkeit. Ich hatte bisher fast immer die Schlüssel meiner Gastgeber.

Nancys Schloss und der glückliche Gast.

Nancys Schloss und der glückliche Gast.

Nancys Schloss vom Ufer aus

Nancys Schloss vom Ufer aus

Blick von der Terasse auf den Ottawa River

Blick von der Terasse auf den Ottawa River, still wie ein See

Da muss ich doch mal Paddeln gehen ...

Da muss ich doch mal Paddeln gehen …

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Zeit, sich darüber klar zu werden, wie es jetzt weiter geht. Denn ohne Pausentage gerechnet wäre ich bei der bisherigen durchschnittlichen Kilometerleistung schon 3 Wochen vor Abflug am Ziel …

17.August 2015

Fakt ist, dass ich es nicht lange an einer Stelle aushalte. Und so fragte mich die liebe Val (meine anderthalb Etappen Geleglenheitspartnerin, siehe Kapitel Alberta), wo genau ich denn sei und ich sagte ihr ungefähr wo (der genaue Standort des Schriftstellerexils durfte nicht verraten werden), sie hätte da einen Bekannten in Constance Bay, ob sie mal fragen soll, ob ich da nicht unterkommen könne – und siehe da, es passte von der Strecke her und klappte. Eine Arztfamilie mit zwei Kindern, sie war allerdings zum Wochenenddienst. Ich wurde freundlich aufgenommen, nachdem ich schon mal probeweise durch Quebec geradelt bin (siehe Kapitel Quebec). Das Haus liegt direkt am Ottawa River, das hattten wir ja eben schon, aber mit Blick nach Osten. Am anderen Morgen sah es dann so aus:P1040021P1040029P1040022Dabei war es nicht kühl! Und später am Mittag war das Flachwasser am Ufer badewannenwarm und weiter draußen hatte es auch noch 25°C.

Das ist Angus Daniel, mein Gastgeber, beim Abschied.

Das ist Angus Daniel, mein Gastgeber, beim Abschied.

Jetzt folgt noch Ottawa. Dann ist Schluss mit dem Kapitel

nach 4 Wochen und 2000 km Ontario!

18. Juli 2015

Also Ottawa. Es ist heiß wie in Berlin und schwül. Gestern reichte meine Energie nur dazu, mir einen Fahrradhändler zu suchen, der sich traut, meine qietschende SRAM Dualdrivenabe zu öffnen und mit neuem Öl zu versehen. Nr. 3 traute sich nach einigem Hin ud Her, ohne Gaarantie.Und abends ging ich noch zu einer stark patriotisch gefärbteb Lightshow am Parlament, wo dem Volk eine Projektion kanadischer Geschichte an die Wand des Hauses dargeboten wurde. Nebenbei bemerkt wirkt es auf mich als Deutschen befremdlich mit wie wenig kritischer Distanz die eigene Kriegsbeteiliung besonders am 1.Weltkrieg abgehandelt wird. Vom 2. zu schweigen, achja in Korea waren sie auch als Hilfsarmee dabei. Dulce et virtute est pro patria mori. Süß und ehrenvoll ist es für das Vaterland zu sterben. Wo und warum auch immer.

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Nein, das ist nicht London. God save the queen.

Und dann am Vormittag eine Ehrenparade am Parlament.

Das war es fürs Erste. Mehr dann bei nächster Gelegenheit.

22.August 2015

(Und da bin ich dann schon in Montreal am PC der wunderbaren Gastgeberin Jackie und verzichte im Moment auf deutsche Umlaute).Ich habe dann weitere Kreise durch die Hauptstadt gezogen, die bei Weitem nicht die groesste Stadt des Landes ist, aber sich bemueht repraesentativ zu wirken und Tradition zu pflegen. Und auch hier wieder der Kontrast zwischen der innersten Innenstadt mit Regierungsgebaeuden und den Wolkenkratzern des Kapitals auf der einen Seite. Auf der anderen Seite die sich unmittelbar anschliessenden Viertel im Gartenstadt-Stil mit 2-geschossigen Wohnhaeusern an Alleen mit grottenschlechten Strassen. Es war heiss und schwuel. Beides zusammen beeintraechtigte meine Lust auf Sightseeing erheblich. Ich versuchte jedoch mein Bestes.

Fairmont Chateau Laurier heisst  diese Hotelburg

Fairmont Chateau Laurier heisst diese Hotelburg

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Und schraeg gegenueber befindet sich das Shaw Centre, ein Konferenzzentrum.

Der Byward Markt

Am Byward Markt

Das ist uebrigens Ronan, mein etwas verschlossener Gastgeber, die mit mir nach Ankunft in rasender Fahrradfahrt  eine Art  Schnellfuehrung veranstaltete.

Das ist uebrigens Ronan, mein etwas verschlossener Gastgeber, die mit mir nach Ankunft in rasender Fahrradfahrt eine Art Schnellfuehrung noch nach Sonnenuntergang veranstaltete.

Und es gibt Kanada-Gaense, die ungeniert in der City grasen.

Und es gibt Kanada-Gaense, die ungeniert in der City grasen.

Es gibt einen Wahnsinns-Fahrradverkehr

Es gibt einen Wahnsinns-Fahrradverkehr, hier auf der Alexandra-Bridge

Ottawa ist von Quebec nur duch den Fluss getrennt. Dies ist der Blick auf die Stadt von Gatineau aus.

Ottawa (Ontario) ist von Quebec nur duch den Ottawa-Fluss getrennt. Dies ist der Blick auf das Parlament von Gatineau aus.

Eine Chinatown gibt es auch

Eine Chinatown gibt es auch

Das ist das "Ding ohne Namen"

Das ist das „Ding ohne Namen“

Und schreckliche Bausuenden...

Und schreckliche Bausuenden gibt es.

Beruehmt sind die 8 Schleusen des Rideau-Kanals, der den Ontario See mit dem Ottawa River verbindet.

Beruehmt sind die 8 Schleusen des Rideau-Kanals, der den Ontario See mit dem Ottawa River verbindet.

Ich verlasse jetzt das Kapitel Ontario mit dem letztmoeglichen Ontario-Bild nach 2138 km.

Die Ostkante von Ontario. Good bye!

Die Ostkante von Ontario. Good bye!


5 Gedanken zu “Ontario

  1. Daniela schreibt:

    Hey, Felix-far-away!
    Hab dein update eben gelesen . . . bin extra früh aufgestanden, um die Morgenkühle zu genießen.
    Phantastische (nein, ich scheiß auf die Rechtschreibreform!) Bilder!
    Genieß doch noch ein bißchen Nancys Haus und ruhe dich aus. Kannst ja Tagesausflüge machen, zu Trainingszwecken . . . 😉

    Gefällt mir

  2. Tom schreibt:

    Obwohl Du meist alleine bist und „eigentlich nichts“ geschieht in diesem weiten Land, schreibst Du so spannend, als lauere hinter jeder Ecke eine Bande Banditos, die nur darauf wartet, Dir aufzulauern und Dich um Deine Dollars zu erleichtern… und humorvoll dazu. Freue mich auf weitere Deiner Schilderungen.
    Herzlich
    tom

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  3. Holger schreibt:

    Danke, für deine lustigen und unterhaltsamen Reisebeschreibungen die Bilder, (und und deinem abenteuerlichen „Schlüssel“-Erlebniss.)
    Viel Spass, und immer genügend Luft in den Reifen, Rückenwind und lange Abfahrten. Ich komme gern zu deinem Reisebericht in Berlin.
    alles Liebe Holger

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