Schottland und das Ende

Wie ich im Nachtrag zum vorigen Kapitel schrieb, gab es Stress mit der Fährgesellschaft, aber ich kam ansonsten ohne weitere Umstände morgens um 7 pünktlich und unausgeschlafen in Aberdeen an.

Die Fähre

Aberdeen, Samstags 7 Uhr

Schottische Golfer sind hartgestotten

Es war sonnig, kühl und rückendwindig, was natürlich erst mal nicht so schlecht klingt. Aber mein Wunschtraum von einer flachen Strecke platzte bald und auch meine Illusion mindestens 100 km zu fahren. Mir war die Energie völlig abhanden gekommen und ich quälte mich von Hügel zu Hügel mit dem Gefühl, überhaupt nicht vorwärts zu kommen.

Stonehaven

Küste bei Stonehaven

Schloss am Meer, Name vergessen

Und plötzlich war ich in Griechenland …

Dazu kam dann noch die Wettervorhersage, die für den nächsten Tag nicht nur starken Gegenwind, sondern auch noch heftigen Regen ankündigte. Als machte ich nach 70 km in Montrose Schluss und entschied, den Rest nach Edinburgh mit der Bahn zu fahren, also noch etwa 160 km. Erst mal nahm ich mir das billigste Hotel -interessanter Laden mit Pub und Restaurant, im Pub schwofte das Volk bei Fußballübertragung und später Tanz, getrennt davon das Restaurant, gediegen aber … naja, über die britische Küche lass ich mich jetzt hier nicht aus. Ich recherchierte online nach einem Zug, fand dabei aber auch heraus, dass es in Montrose einen Bahnhof mit Personal gab, und tatsächlich saß dort ein lebendiger Mensch an einem Schalter, der mir nicht nur eine Fahrkarte, sondern auch eine Fahrradkarte einschließlich Platzreservierung verkaufen konnte. Nur meinen warmshowers-Gastgeber Aaron konnte ich nicht erreichen, er rief mich auch nicht zurück, so dass ich mir für die erste Nacht in Edinburgh eine Jugendherberge suchte, „Safestay“ heißt sie.

Tatsächlich regnete es dann am nächsten Tag wie angekündigt. Der Zug wer pünktlich, die Herberge gleich im Zentrum in der Altstadt um die Ecke. Ich bekam ein Bett in einem gemischten Zimmer (eine Chinesin und ein spanisches Paar), sowas habe ich in einer Herberge noch nicht erlebt. In Edinburgh war gerade der vorletzte Tag des jährlichen Kulturfestivals „Fringe“.

Ich suchte mir aus dem Veranstaltungskalender was raus, was mich interessieren könnte … Mahlers Achte war schon ausverkauft, aber eine Werbung für St.Vincent (Annie Clark) klang vielversprechend und so erstand ich für 35 Pfund eine Karte.

Annie Clark (links)

Eigentlich hat sie ja eine sehr schöne Stimme, nur wurde die dann völlig heavymetal-artig von Bass., Drums und Synthesizergetöse übertönt, so dass nicht nur kein Wort verstand, sondern auch vom Musikgeschmack
her etwas über meine Grenzen kam … Ich kam aber lebend wieder heraus. Hier ein paar Nachtaufnahmen:

Ich finde, dass Edinburgh eine bemerkenswerte Stadt ist. Sowohl von der Lage her als auch architektonisch. Die Altstadt ist auch Weltkulturerbe. Nichts wobei ich denke: „Hab ich schon x-mal gesehen“. Aber alles auch in den typischen „fifty shades of grey“ … selten mal andere Farbtöne.

Am nächsten Tag meldete sich mein Gastgeber Aaron, er musste mal schnell seine Freundin in Oregon besuchen und entschuldigte sich, nicht auf Empfang gewesen zu sein. Ja, selbstverständlich könne ich gleich kommen. Er hat auch schon die USA mit dem Rad durchquert, macht Musik, ist ein 26-jähriger Typ hübscher Junge, etwas chaotisch, und mit Studienabschluss BWL macht er sowas wie Jugendsozialarbeit…

Hier noch mehr von Edinburgh:

Thüringer Bratwurst, Berlner Currywurst für 6 Pfund!

Köstliche Gebäckminiaturen am Rande des Festivals

Und morgen geht’s wieder nach Berlin.

Veröffentlicht in: Blog

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