United Kingdom – die Bilanz

Jetzt bin ich ein paar Tage zuhause und dabei, alles noch einmal nachzuarbeiten:
Kaum ein Bild wird unbearbeitet veröffentlicht (außer vielleicht denen, die schon im hier Blog sind), fehlende Bilder  werden ergänzt (es lohnt sich also, hier noch mal die Kapitel der Reise durchzublättern). Tippfehler werden verbessert, aber das ist eine unendliche Geschichte …

Die gps-Tracks der gesamten Route habe ich zusammengefügt, man kann die Strecke jetzt hier bewundern. 
Den Schnipsel von Aberdeen bis Montrose habe ich weggelassen. Rechne ich ihn dazu, sind es 1623 km gewesen.

Ich war unzufrieden mit mir, und das konnte man sicher auch beim Lesen spüren. Ich komme immer wieder an Punkte, an denen ich glaube das Alter zu spüren oder vielleicht ist  einfach mein mangelndes Training.  Ja, so ein Fahrt ist immer wieder ein dickes Stück Selbsterfahrung im Kampf gegen die eigene Ungeduld. Aber auch immer wieder das Erleben fremder landschaftlicher Schönheit und der Natur.
Ich beobachte viel und mache mir meine Gedanken über die liebenswerte englische Umständlichkeit und seltsam anmutende Gewohnheiten, wie eigentlich eindeutige Verkehrszeichen noch einmal mit Aufforderungen zu versehen: S-Kurve: „Reduce speed now!“
Und dann ein dickes SLOW auf der Straße. Ob das mehr hilft als bei uns ohne diesen Hinweis?
Oder eine Steigung, bei deren Oberkante man nicht sieht, wie es weitergeht: „Blind summit“. Was denn sonst?  Bushaltestellenüberdachungen stehen alle „falsch herum“ und sind zur Fahrbahn hin geschlosssen, auch Bänke am Wegesrand stehen immer mit dem Rücken zum Weg.
Ach und der Linksverkehr. Selbst am Ende musste ich immer noch wieder aufpassen, beim Einbiegen in eine andere Straße nicht instinktiv auf die rechte Seite zu wechseln. Ein paar mal ist es mir passiert, zum Glück bremste ich sofort, hielt an und so passierte dann nichts – aber einmal fast, als ich beim Rechtsabbiegen nicht „übersetzte“, dass ich ja auf erst den Gegenverkehr warten muss, wie bei uns beim Linksabbiegen. Prompt bekam ich eine pädagogische Abmahnung ein paar MInuten später im Supermarkt von einem besorgten Herrn, der das wohl gesehen hatte…
Nachdem ich dann inzwischen umgelernt hatte, entgegenkommenden Radfahrern links auszuweichen statt rechts, wäre ich auf dem Heimweg vom Flughafen Tegel fast mit einem entgegenkommenden Radfahrer zusammengerasselt …

Will ich noch mal nach Großbritannien? Ich glaube nicht. Jedenfalls nicht mit dem Fahrrad. Mein Vorurteil, dass mir das Wetter zu wechselhaft ist, wurde in der zweiten Hälte, so ab Lancaster, absolut bestätigt. Kalter Wind, Regen und nass geschwitzte Kleidung passen nicht so gut zusammen. Aber nett sind sie, oft überraschend hilfsbereit (bis auf die Fahrradmechaniker) und sehr neugierig, wenn jemand etwas in ihren Augen ungewöhnliches tut.

 

 

 

England – und weiter geht’s

In Overton (was ich gerade wegen der ältesten Eiben Englads erwähnte), hatte ich in meinem Gastgeber einen entschlossenen Brexit-Anhänger, was sich beim Essen im örtlichen Pub herausstellte.

Ich versuchte mein Möglichstes an Verständnis zu zeigen, was angesichts seines Manchester-Dialekts etwa so schwierig war, wie als Ausländer einem Bayer zuzuhören. In einem musste ich ihm recht geben, die EU hat zu viel über die Köpfe der Menschen hinweg entschieden. Als ich dann aber meinte, dass genau das die Populisten wie die UKIPP ausnutzen würden und er seine Sympathie für Nigel Farage zeigte und bedauerte, dass der nicht mehr Stimmen bekommen hat (das ist in etwa das Pendant zur AFD), lenkte ich lieber zur Frage, ob wir auf der Welt nicht gerade wichtigere Probleme hätten. Da fiel ihm dann nicht mehr viel ein. Achja, Fluchtursachen bekämpfen … wobei ich ihm wieder zustimmte. Wenn ich mal wieder auf kleine scheinbar nebensächliche Landstraßen komme, auf denen manchmal ein Verkehr wie auf der Autobahn herrscht, muss ich über seine Bemerkung nachdenken, dass Großbritannien zu klein sei für noch mehr Menschen (die dann auch irgendwann Auto fahren wollen) …

Im vorigen Kapitel schränkte die Hilfsbereitschaft der Engländer unter Verweis auf die Fahrradmechaniker ein. Ich hatte nämlich ein ernst zu nehmendes technischen Problem, dass dazu führt, dass beim Bergauffahren der Antrieb einfach durchrutschte, als würde man auf glattem Eis starten wollen. So konnte ich nicht weiter fahren und meine Selbsthilfemöglichkeiten sind werkzeugtechnisch begrenzt. Also bewegte ich das Rad irgendwie zum nächstbesten Fahrradladen. Der Mechniker bedauerte, zu viele Auftäge, zu kleiner Laden und schickte mich zur Konkurrenz, einem größerem imposanten Laden mit Café an Bristols Yachthafen gelegen. Ein neugieriger Lehrling nahm sich meiner an, der aber so wenig Ahnung hatte, dass ich ihm mehr sagen musste, was er machen soll, als dass er von selbst drauf kam, und auch noch mit eigenem Werkzeug aushalf. Als dann der Herr Mechaniker höchstpersönlich dazu kam und meinte, bei DEM Problem ist mal eben mit schnell herumschrauben wahrscheinlich sowieso nichts getan, aber Zeit hätte er keine und ein Zauberer wäre er auch nicht, hatte ich erst mal die Nase voll. Mr. Lehrling hat auf meinen Rat hin die Zahnkranzkasette noch mal fester gezogen und, weil es zum Losfahren zu spät war, buchte ich ein Bett in der Jugendherberge um die Ecke. Als ich am nächsten Morgen startete, kam ich ganze 8 km weit, bergauf übrigens, bis nichts mehr ging. Gleiches Problem wie am Tag zuvor. Ich war verzweifelt, rief Holger in Berlin an, der aber auch keine erleuchtende Idee hatte. Also erst mal bergab und zurück zur Jugendherberge… Ich suchte dann weitere Fahrradhändler auf. Nummer 3 schickte mich gleich zu Nummer 4, dort bot ich inzwischen verzweifelt den doppelte Preis an, wenn sie mir helfen würden – nein, dass sei nun gar nicht die Geschäftspolitik des Ladens – und erhielt stattdessen einen Zettel mit den Adressen dreier kleinerer Händler, die seien flexibler (was mir nun gar nicht plausibel erschien, siehe oben, erster Laden). Ich suchte mir im Internet den heraus, der gerade umgezogen war. Rief an, wie lange er noch da sei, bis 16 Uhr, es war drei und ich beeilte mich. Da stand er in seinem kleinen Bahnbogen-Laden und schüttelte den Kopf, nein eigentlich könne er auch nicht viel machen und wenn er Ersatzteile bestellen müsste, dann seien die auch erst mal soundsolange unterwegs, immerhin: Er nahm einen Schraubenschlüssel und stellte fest, dass diie Hinterradmuttern gar nicht fest angezogen waren. Die zog er jetzt mal kräftig an, und das war’s. Ich konnte es icht fassen, denn das hatte der Lehrling in Laden 2 verbockt! Die simpelste Ursache – und seitdem ist das Durchrutschproblem gelöst. Und ich hatte eine weitere Nacht in Bristols Jugendherberge…

Inzwischen bin ich ja in Liverpool, wo ich noch mal einen Tag Pause eingelegt habe, denn ich will hier nicht a tempo alles abspulen. Meine freundlichen warmshowers-Gastgeber erlaubten mir eine 2.Nacht (pensionierter Psychologe und Frau, die sich in Sterbebgleitung weiterbildet). Ich weiß im Moment nicht, ob ich die Gesamtstrecke kürzen muss wenn ja, wie. Ich werde sehen. Da es zur Fahrradmisere nicht viel zu bebildern gab, jetzt noch ein paar taufrische Aufnahmen aus Liverpool.

Der Weg am ehemaligen Pier entlang ist kilometerlang

Schottland und das Ende

Wie ich im Nachtrag zum vorigen Kapitel schrieb, gab es Stress mit der Fährgesellschaft, aber ich kam ansonsten ohne weitere Umstände morgens um 7 pünktlich und unausgeschlafen in Aberdeen an.

Die Fähre

Aberdeen, Samstags 7 Uhr

Schottische Golfer sind hartgestotten

Es war sonnig, kühl und rückendwindig, was natürlich erst mal nicht so schlecht klingt. Aber mein Wunschtraum von einer flachen Strecke platzte bald und auch meine Illusion mindestens 100 km zu fahren. Mir war die Energie völlig abhanden gekommen und ich quälte mich von Hügel zu Hügel mit dem Gefühl, überhaupt nicht vorwärts zu kommen.

Stonehaven

Küste bei Stonehaven

Schloss am Meer, Name vergessen

Und plötzlich war ich in Griechenland …

Dazu kam dann noch die Wettervorhersage, die für den nächsten Tag nicht nur starken Gegenwind, sondern auch noch heftigen Regen ankündigte. Als machte ich nach 70 km in Montrose Schluss und entschied, den Rest nach Edinburgh mit der Bahn zu fahren, also noch etwa 160 km. Erst mal nahm ich mir das billigste Hotel -interessanter Laden mit Pub und Restaurant, im Pub schwofte das Volk bei Fußballübertragung und später Tanz, getrennt davon das Restaurant, gediegen aber … naja, über die britische Küche lass ich mich jetzt hier nicht aus. Ich recherchierte online nach einem Zug, fand dabei aber auch heraus, dass es in Montrose einen Bahnhof mit Personal gab, und tatsächlich saß dort ein lebendiger Mensch an einem Schalter, der mir nicht nur eine Fahrkarte, sondern auch eine Fahrradkarte einschließlich Platzreservierung verkaufen konnte. Nur meinen warmshowers-Gastgeber Aaron konnte ich nicht erreichen, er rief mich auch nicht zurück, so dass ich mir für die erste Nacht in Edinburgh eine Jugendherberge suchte, „Safestay“ heißt sie.

Tatsächlich regnete es dann am nächsten Tag wie angekündigt. Der Zug wer pünktlich, die Herberge gleich im Zentrum in der Altstadt um die Ecke. Ich bekam ein Bett in einem gemischten Zimmer (eine Chinesin und ein spanisches Paar), sowas habe ich in einer Herberge noch nicht erlebt. In Edinburgh war gerade der vorletzte Tag des jährlichen Kulturfestivals „Fringe“.

Ich suchte mir aus dem Veranstaltungskalender was raus, was mich interessieren könnte … Mahlers Achte war schon ausverkauft, aber eine Werbung für St.Vincent (Annie Clark) klang vielversprechend und so erstand ich für 35 Pfund eine Karte.

Annie Clark (links)

Eigentlich hat sie ja eine sehr schöne Stimme, nur wurde die dann völlig heavymetal-artig von Bass., Drums und Synthesizergetöse übertönt, so dass nicht nur kein Wort verstand, sondern auch vom Musikgeschmack
her etwas über meine Grenzen kam … Ich kam aber lebend wieder heraus. Hier ein paar Nachtaufnahmen:

Ich finde, dass Edinburgh eine bemerkenswerte Stadt ist. Sowohl von der Lage her als auch architektonisch. Die Altstadt ist auch Weltkulturerbe. Nichts wobei ich denke: „Hab ich schon x-mal gesehen“. Aber alles auch in den typischen „fifty shades of grey“ … selten mal andere Farbtöne.

Am nächsten Tag meldete sich mein Gastgeber Aaron, er musste mal schnell seine Freundin in Oregon besuchen und entschuldigte sich, nicht auf Empfang gewesen zu sein. Ja, selbstverständlich könne ich gleich kommen. Er hat auch schon die USA mit dem Rad durchquert, macht Musik, ist ein 26-jähriger Typ hübscher Junge, etwas chaotisch, und mit Studienabschluss BWL macht er sowas wie Jugendsozialarbeit…

Hier noch mehr von Edinburgh:

Thüringer Bratwurst, Berlner Currywurst für 6 Pfund!

Köstliche Gebäckminiaturen am Rande des Festivals

Und morgen geht’s wieder nach Berlin.

Schottland und kein Ende?

Ja, ich habe Albions Nordostspitze erreicht! John O’Groats, das nach dem Holländer Jan de Groot so heißen soll, der erstmalig eine Fährverbindung zu den Orkney Inseln einrichtete. Die letzten beiden Etappen hatten es noch einmal in sich, die eine, was die Steigungen ab km 50 betraf (13%), die andere, was den eiskalten Schauer und heftigen Seitenwind betraf, der mich gleich in das erst schlechteste B&B flüchten ließ. Mein Unterhemd war klatschnass geschwitzt, da musste ich aus der Kälte fliehen. Später hab ich noch ein paar Bilder gemacht.

John O’Groats

John O’Groats, der Pfosten des Anfangs oder Endes aller britischen Straßen

Hinterm Leuchtturm befinden sich diese Klippen

In der Ferne die wirkliche Nordspitze der Hauptinsel – Dunnet Head

Am nächsten Morgen bin ich dann mit der Fähre nach South Ronaldsay hinüber gefahren, der südlichsten der Orkney Inseln. Die Besatzung half mir freundlich mit meinem voll beladenen Rad über die Stufen des Steges auf die ansonsten „nur Personenfähre“. Diese Insel und zwei weitere wurden während des 2.Weltkrieges auf Churchills Befehl mit Barrieren und durch zwangsverpflichtete italienische Kriegsgefangene miteinander verbunden, um die britische Flotte, die sich in den riesigen Naturhafen Scapa Flow versteckte, zu schützen. Hat aber nicht ganz geklappt. Einzelheiten siehe wikipedia. Dadurch kann man erstens einem historischen Lehrpfad folgen und zweitens ohne weitere Fähren bis nach Kirkwall auf die Hauptinsel gelangen. Die Inseln sind ein Paradies, aber mehr für Hartgesottene. Es wehte ein steifer Wind bei 12°C. Wie der Sommer hier gewesen sei, fragte ich den Inhaber eines Post- und Sonstiges-Ladens, bei dem ich einen Kaffee trank. „Wir hatten tatsächlich ein paar Wochen kaum Wind! Und 18 – 19°C!“ Nun, ich hatte mir vorsorglich noch einen Pullover gekauft (der würde bei uns kapp die Hälfte kosten) und machte heute dann eine Rundfahrt ohne Gepäck, erst gegen, dann mit dem Wind bis zum Ring of Brodgar. In einigen Stunden fährt die Fähre nach Aberdeen und dann folgen noch die letzten 2-3 Etappen nach Edinburgh. Jetzt aber Bilder vom kalten Paradies.

Friedhof auf South Ronaldsay

Wer ist hier der Chef??

Eine (funktionierende) Telefonzelle im Nirgendwo als Zuflucht vor dem Schauer

Die berühmte Bucht Scapa Flow

Eine der Churchill-Barrieren

Die italienische Kapelle, von den Kreigsgefangenen selbst erbaut

Blick auf die Inselhauptstadt Kirkwall

Die mehr innen als außen beeindruckende romanisch-normannische Magnus Kathedrale

Kirkwall, Hafen

Standing Stones of Stenness

Ring of Brodgar – das nördliche Gegenstück zu Stonehenge

Nachtrag:

Das war ja wieder ein Stress: In letzter Minute sozusagen fiel mir auf, dass die Fähre nach Aberdeen nicht im Stadthafen von Kirkwall, sondern 5 km außerhalb an einem Extra-Pier abfahren soll. Also schnell los, mit dem Rad im Dunkeln gegen Wind und Regen. Ich hatte vorher online gebucht, musste aber, bevor ich an Bord fahren durfte, zum Check-In Schalter, der nicht wie bei den meisten Fähren, die ich kenne, an Bord, sondern außerhalb war. Die kühle junge Dame am Schalter fragte stirnrunzelnd: „Wollen Sie das Fahrrad mitnehmen?“ Ich war erstaunt über die Frage. „Ja selbstverständlich!“ „Sie haben aber kein Fahrrad mitgebucht und wir haben keinen Platz mehr dafür!“ „Da war keine Kategorie für Fahrräder auf der Webseite! Ich MUSS das Rad mit nehmen, anders kriege ich meinen Flieger in Edinburgh nicht.“ „Setzen Sie sich irgendwo in die Ecke, ich werde sehen, ob ich was tun kann.“ Ich fasste es nicht, in so einem riesen Schiff soll kein Platz für mein Fahrrad sein? Und hatte man mir vorher noch in Berlin nicht gemailt, ich müsse gar nicht vorab buchen ?? Im Kopf verfasste ich Protestbriefe an die Reederei, während erst einmal sämtliche anderen Passagiere abgefertigt wurden und entwarf Katastrophenpläne. Nach ca. 40 Minuten sah ich, wie die Mädels hinter dem Schalter was besprachen und mir eine zunickte. „Ausnahmsweise .. Sie können das Rad mitnehmen, umsonst“, und wies mich einem Security-Mann zu, der mich hinaus in die Kälte führte und mich im Windschatten eines Autos warten lies. „Warten Sie bis Sie gerufen werden.“ Ein Container nach dem anderen wurde auf die Fähre bugsiert, dann kamen die Privatautos angerollt und wurden wieder an einer Linie gestoppt. Ich fror und trat von einem Bein auf das andere. Es war längst 24 Uhr und schon eine viertel Stunde über der Abfahrtszeit. Doch bevor die das Rudel der Privatkarossen in die Fähre stürzen durfte, rief mir ein Verladearbeiter zu, ich soll losfahren. Hah! Endlich! Stolz fuhr ich durch das Bugtor in die Fähre, wo mein Rad mit einem Seil brav angebunden die Nacht verbringen würde …

Schottland Nummer drei

Nach einer Stunde kam ich mit dem Zug gut in Spean Bridge an, nur eine meiner zwei Trinkflaschen und meinen km-Zähler hat es beim Ein- oder Aussteigen hinfortgerissen … Naja, mein Navi kann ja auch zählen. Auf dem Campingplatz traf ich dann ein ausnahmsweise nettes Pärchen aus Marburg, die zum Wandern in die Highlands gekommen waren. Ich hatte sie in der Laundry erst auf Englisch angesprochen und merkte erst später, dass es Deutsche sind. Witzig, passiert im Ausland aber öfter mal. Ein paar Biker verrieten ihr Deutschsein auf der Fähre gestern auch nur, weil ihr Navi plötzlich auf deutsch tönte…

Jedenfalls folgte ich der Straße Richtung Inverness, bzw. zuerst einem unasphaltierten Waldweg mit mächtigen Fichten. Der Weg bzw. die Straße dann führt an den drei Loch’s (Seen) entlang, von denen der Loch Ness der berüchtigste und daher auch der besuchteste der Seen ist. Ich musste also auch Nessi jagen.

Da ist er, der Loch Ness

Und hier, mit Schloss Urquart.

Das ist der Nachfolgebau des berühmten Macbeth-Schlosses in Inverness, im 19 Jahrhundert mussten sie ja alles verschlimmbessern

Endlich! Nessieeee!

Brücke über den Moray Firth

Inverness

Gleich geht’s mal wieder hoch

…und wieder runter zum nächsten Firth

Nach der zweiten Firth-Überquerung fand ich wieder einen Campingplatz und wurde heute morgen vom Zug überfahren. Zumindest akustisch. Der Rasenstreifen zum Zelten befand sich nämlich zwischen einer Straße (links) und einer Bahnlinie (rechts), von dieser nur durch eine Hecke getrennt zeltete ich ohne es zu wissen, fast auf den Schienen. Um 05.43 war es dann um mich, bzw. um meinen Schlaf geschehen. So vehement wurde ich noch nie geweckt! Nun ja, ich lebe noch …

Schottland, Nummer zwei

Jetzt sitze ich in Tyndrum in einem Selbstbedienungslokal, in das ich mich geflüchtet hatte: In der Hoffnung auf besseres Wetter startete ich heute morgen und es regnete auch erst mal nicht. Doch dann, je weiter es bergauf ging, umso mehr drehte sich die Straße gegen den Wind. Ich wusste schon, dass es ein Kampftag werden würde, ich kann ja Karte und Wetterbericht lesen. D.h Windstärke 4-5 und hinter Tyndrum als Gegenwind war schon mal sicher. Aber schon vor Tyndrum blies der mit Schauern gesättigte Wind mir so heftig entgegen, dass ich absteigen und schieben musste, denn ich konnte die Spur nicht mehr halten. Das wurde mir bei den Verkehr dann zu lebensgefährlich.

Den Verkehr sieht man leider auf dem Bild nicht richtig (Schappschuss aus dem Gaststättenfenstert), aber man seht, wie sich die Tanne hinten in Wind biegt ...

Sieht man auf dem Bild nicht richtig, den Verkehr, aber wie sich die Tanne im Wind biegt …

Also, watt nu? Ich kann hier nicht ewig herumtrödeln, aber so weiter fahren geht auch nicht. ScotRail lässt hier um 14.35 Uhr einen Zug fahren. Den könnte ich bis Spean Bridge nutzen, dann bin ich aus der Gegenwindzone für heute raus und hab ca. 70 km „eingespart“. Wenn … ja wenn der Schaffner mich mit meinem Rad mitnimmt. Ist nämlich eigentlich reservierungspflichtig und kann man telefonisch nicht mehr am gleichen Tag reservieren, wie ich nach akustisch schwierigem Telefonat erfahren musste ( sehr umständliche Hotline: A stellt fest, dass ja ScotRail zuständig ist, obwohl ich die Nummer gewählt habe, die auf der ScotRail Webseite steht, verbindet mich also zu B, der wiederum erst mal in seinem Team nachfragen muss …please hold the line … ob Fahrradreservierungen überhaupt noch möglich sind, erfährt, dass nein, aber wünscht mir viel Glück, einfach den Schaffner fragen…. Zur Not fährt 14.52 Uhr ja ein Bus, der, wenn er Platz hat, auch ein Fahrrad mitnimmt …

Bleiben Sie gepannt!

Update. Nachdem ich dann alles die Treppe zum Bahnsteig hochgewuchtet hatte, stellte ich fest, dass bereits ein russisches Radlerpärchen dort stand ..aber alles nicht so schlimm. Der Zug hat 6 Fahrradplätze … alles muss aber richtig ordentlich verstaut werden, mit auf den Haken gehängtem Hinterrad. Der Schaffner erwies sich als geduldig, aber korrekt. Das russische Pärchen war leider weniger kommunkationsinteressiert, obwohl ich mit einem Restrussisch stolz „Es lebe die deutsch-russische Freundschaft“ verkündete … Aber das kenn ich schon, selbst gleichgesinnte Pärchen sind an Kontakten zu allein reisenden Männern selten interessiert.

Immer noch England? Nein, jetzt kommt Schottland.

Aber erst mal noch England. In und aus Liverpool heraus musste ich mich von Ms.Google Voice navigieren lassen, denn irgendwie waren meinem Navigationsgrät die Kartenteile für die ganze Gegend abhanden gekommen. Oder ich hab mich bei der Auswahl zuhause verklickt. Also fuhr ich mit Ohrhörer, „in 800 Fuß rechts in die Penny Lane abbiegen“, jaja, die gibts wirklich und schon hatte ich einen anderen Wurm im Ohr… Jedenfalls war es dann meine flotteste Etappe und ich „riss“ die 100 km-Marke hinter Lancaster, denn endlich war es mal nicht so hügelig. Dann tüftelte ich mir abends die Strecke aus, die meinen Recherchen nach die am wenigsten bergigste für den nächsten Tag sein würde. Denn der Lake District lag unerbittlich vor mir, und das ist ein kleines Gebirge, obwohl ich als Deutscher eher eine nette Seenplatte assoziierte. Nun ja, ich versuchte mich östlich dran vorbei zu schummeln mit dem Ergebnis, dass ich den Yorkshire Dales Nationalpark durchqueren durfte, mit ähnlich heftigen Steigungen auf kleinen gewundenen Strässchen wie in Cornwall – nur geht’s höher nach oben.

Die letzte Nacht in England war heftig verregnet. Mein Zelt ist zum Glück dicht, aber ich musste es nass einpacken. Jetzt ging es nach …

…Schottland. Penrith und Carlisle lagen bald hinter mir und pötzlich befand ich mich in Schottland. Unspektakulär. Gretna, dann Gretna Green. Wo zum Kuckuck ist denn der Hadrians-Wall? Vermutlich war ich dafür zu sehr zwischen Autobahn und Küste eingequestcht. Um mich herum nur „Gegend“.

Ah … der älteste „Runde Tisch“

Da soll er gestanden haben .. hmm

Umd rechts von mir immer die Autobahn für die nächsten 100 km

Channel of River Esk – sozusagen der Grenzfluss zu Schottland

Die Straße war eine Art Parallelstraße zur Autobahn, mit wenig Verkehr, dafür aber immer den Lärm vom Motorway Ohr. Ich gönnte mir ein Hotelzimmer.
Irgendwie hatte ich nach den Pannenverzögerungstagen das Gefühl, nicht mehr genug Zeit zu haben für das, was ich mir vorgenommen hatte und habe mich schweren Herzens entschieden, auf den Umweg über die Äußeren Hebriden zu verzichten – die Wetteraussichten sind dafür eher auch grauenvoll. Stattdessen werde ich Nessie jagen …

Von schweren Schauern verfolgt erreichte ich schließlich einen Campingplatz in den Außenbezirken von Glasgow. Ich war ja wegen meiner neuen Regenjacke und – hose schon sehr skeptisch nach dem ersten Test in Newquay. Ja, so richtig trocken bleibt man darin nicht. Aber ich lernte jetzt den Unterschied zwischen feucht und nass zu schätzen! Je kühler es ist, desto weniger fährt man ja im eigenen Kondenswasser.

Jetzt rein nach Glasgow in der Hoffnung noch einen Fahrradmechaniker zum überprüfen meiner Schaltung überredebn zu können, aber die schottischen sind auch nicht entgegenkommender. Wochenlange Warteliste. Kein Ausnahmen usw. Das kannte ich nun schon.

Zwischen zwei Ampelphasen ewischt. Der Glockturm umringt von städtebaulichem Chaos und Verfall.

Ganz offensichtlch – Stadt im Wandel

Internationales Dudelsackfestival. Der Grundton B bestimmt die Tonart.

Subway-Ausgang St. Enoch

Die Buchanan-Street, der Kudamm von Glasgow

Jugendstilbahnhof

Subway-Ausgang St. Enoch

Glasgow wirkt sehr kontrastreich auf mich, edel und mondän liegt dicht neben vernachlässigt und verfallen . Vieles wirkt improvisiert, die Stadtplanung chaotisch. Wohnhochhäuser in Plattenbauweise fast im Zentrum. Der Konkurs der gesamten Werftindustrie hatte die Stadt auch in eine tiefe Krise gestürzt, aus der sie sich erst nach und nach wieder erholt. Ich trödelte ein wenig in der Innenstadt herum und genoss nicht nur die Dudelsackorchester, sondern auch andere Straßenmusikanten. Woran ich mich nur schwer gewöhnen kann, sind die völlig willkürlichen Ladenöffnungszeiten. Manche bis 17 Uhr, andere bis 17.30 Uhr, bis 19 Uhr, bis 22 Uhr. Zum Glück weiß google meist bescheid …

Am nächsten Morgen startete ich in Richtung Norden. Erst an Clyde River entlang, wo ich die moderne Blechdoschenarchitektur (s.o .) fotografierte. Dann ging es auf einem Radweg, der einer stillgelegten Bahnstrecke, dann einem Kanal folgte, Richtung Loch Lomond, dem größten und schönsten See Schottlands, 39 km lang. Rechzeitig fing es wieder an zu schauern.

Ich fuhr bis zum Ende des Sees zur Beinglas Farm, einem Farmcamping mit Berghütten-Atmosphäre, Treffpunkt und Station für West Highland Way Wanderer aus aller Welt. Es gibt ein Pub mit gutem Essen und einen Laden mit allem Nötigen für Biker und Hiker. Die ganze Nacht hindurch regnete es. Und fast den ganzen Tag. So blieb ich einfach hier und überarbeitete meine Reiseplanung …, morgen soll es besser werden und es geht bergauf!

Blick aus dem Zelt in den Regen …

England – und weiter geht’s

In Overton (das ich gerade wegen der ältesten Eiben Englands erwähnte), hatte ich in meinem Gastgeber einen entschlossenen Brexit-Anhänger, was sich beim Essen im örtlichen Pub herausstellte.

Typisch englisches Essen, belangloses Nebeneinander ….

Mr.Brexiteer … 

Ich versuchte mein Möglichstes an Verständnis zu zeigen, was angesichts seines Manchester-Dialekts etwa so schwierig war, wie als Ausländer einem Bayer zuzuhören. In einem musste ich ihm recht geben, die EU hat zu viel über die Köpfe der Menschen hinweg entschieden. Als ich dann aber meinte, dass genau das die Populisten wie die UKIPP ausnutzen würden und er seine Sympathie für Nigel Farage zeigte und bedauerte, dass der nicht mehr Stimmen bekommen hat (das ist in etwa das Pendant zur AFD), lenkte ich lieber zur Frage, ob wir auf der Welt nicht gerade wichtigere Probleme hätten. Da fiel ihm dann nicht mehr viel ein. Achja, Fluchtursachen bekämpfen … wobei ich ihm wieder zustimmte. Wenn ich mal wieder auf kleine scheinbar nebensächliche Landstraßen komme, auf denen manchmal ein Verkehr wie auf der Autobahn herrscht, muss ich über seine Bemerkung nachdenken, dass Großbritannien zu klein sei für noch mehr Menschen (die dann auch irgendwann Auto fahren wollen) … Übrigens, sein warmshowers-Profil hat er jetzt gelöscht, ich hoffe nicht meinetwegen.

Im vorigen Kapitel schränkte die Hilfsbereitschaft der Engländer unter Verweis auf die Fahrradmechaniker ein. Ich hatte nämlich ein ernst zu nehmendes technischen Problem, das dazu führt, dass beim Bergauffahren der Antrieb einfach durchrutschte, als würde man auf glattem Eis starten wollen. So konnte ich nicht weiter fahren und meine Selbsthilfemöglichkeiten sind werkzeugtechnisch begrenzt. Also bewegte ich das Rad irgendwie zum nächstbesten Fahrradladen. Der Mechniker bedauerte, zu viele Auftäge, zu kleiner Laden und schickte mich zur Konkurrenz, einem größerem imposanten Laden mit Café an Bristols Yachthafen gelegen. Ein neugieriger Lehrling nahm sich meiner an, der aber so wenig Ahnung hatte, dass ich ihm mehr sagen musste, was er machen soll, als dass er von selbst drauf kam, und auch noch mit eigenem Werkzeug aushalf. Als dann der Herr Mechaniker höchstpersönlich dazu kam und meinte, bei DEM Problem ist es mal eben mit schnell herumschrauben wahrscheinlich sowieso nichts getan, aber Zeit hätte er keine und ein Zauberer wäre er auch nicht, hatte ich erst mal die Nase voll. Mr. Lehrling hat auf meinen Rat hin die Zahnkranzkasette noch mal fester gezogen und, weil es zum Losfahren zu spät war, buchte ich ein Bett in der Jugendherberge um die Ecke. Als ich am nächsten Morgen startete, kam ich ganze 8 km weit, bergauf übrigens, bis nichts mehr ging. Gleiches Problem wie am Tag zuvor. Ich war verzweifelt, rief Holger in Berlin an, der aber auch keine erleuchtende Idee hatte. Also erst mal bergab und zurück zur Jugendherberge… Ich suchte dann weitere Fahrradhändler auf. Nummer 3 schickte mich gleich zu Nummer 4, dort bot ich inzwischen verzweifelt den doppelte Preis an, wenn sie mir helfen würden – nein, dass sei nun gar nicht die Geschäftspolitik des Ladens – und erhielt stattdessen einen Zettel mit den Adressen dreier kleinerer Händler, die seien flexibler (was mir nun gar nicht plausibel erschien, siehe oben, erster Laden). Ich suchte mir im Internet den heraus, der gerade umgezogen war. Rief an, wie lange er noch da sei, bis 16 Uhr, es war drei und ich beeilte mich. Da stand er in seinem kleinen Bahnbogen-Laden und schüttelte den Kopf, nein eigentlich könne er auch nicht viel machen und wenn er Ersatzteile bestellen müsste, dann seien die auch erst mal soundsolange unterwegs, immerhin: Er nahm einen Schraubenschlüssel und stellte fest, dass die Hinterradmuttern gar nicht fest genug angezogen waren. Die zog er jetzt mal kräftig an, und das war’s. Ich konnte es nicht fassen, denn das hatte der Lehrling in Laden 2 verbockt! Die simpelste Ursache – und seitdem ist das Durchrutschproblem gelöst. Dafür hatte ich eine weitere Nacht in Bristols Jugendherberge…

Inzwischen bin ich in Liverpool, wo ich noch mal einen Tag Pause eingelegt habe, denn ich will hier nicht a tempo alles abspulen. Meine freundlichen warmshowers-Gastgeber erlaubten mir eine 2.Nacht (pensionierter Psychologe und Frau, die sich in Sterbebgleitung weiterbildet). Ich weiß im Moment nicht, ob ich die Gesamtstrecke kürzen muss und wenn ja, wie. Ich werde sehen. Da es zur Fahrradmisere nicht viel zu bebildern gab, jetzt noch ein paar taufrische Aufnahmen aus Liverpool.

Der Weg am ehemaligen Pier entlang ist kilometerlang

Dies ist die Fähre von Birkenhead nach Liverpool, die ist so kurios bunt gestrichen als Erinnerung an eine im 1.Weltkrieg aufkommende Tatik, Schiffe gegen U-Boot-Angriffe mit Camouflage-Anstrichen zu tarnen, dann waren sie schwerer anzupeilen.

 

England – die zweite Woche …

…müsste es eigentlich heißen, aber ich merke, ich komme in Teufels Küche, wenn ich fortlaufend berichten will. Denn erstens ist nicht mal das erste Kapitel vollendet, weil ich einfach zu müde war an jenem Abend, und zum anderen – BRAUCHE ich einen Tisch, um ordentlich tippen zu können und den habe ich auf Campingplätzen hier nirgends zur Verfügung. Der Rattenschwanz unerzählter Geschichten wird so immer länger. Dazu kommt meine englischsprachige facebook-Gruppe, die nach Berichten hungert…

My facebook group

Also dachte ich mir, ich erzähle nur noch mehr oder weniger bebilderte Anekdoten.

Zum Beispiel, dass die Briten allesamt sehr freundlich und aufgeschlossen, extrem hilfsbereit (bis auf die Fahrradhändler, aber das kommt noch) aber auch neugierig sind. Selbst die Kollegen von der Radsportler-Fraktion zollen mir erkennbar Respekt, wenn sie mich mit meinem Truck überholen. Ansonsten wird ständig das beladene Fahrrad bestaunt als wäre es ein Krokodil in der Sahara …, ich muss dauernd Neugier-Fragen beantworten und mich zwingen nicht unwirsch  einsilbig zu antworten, weil ich es eigentlich hasse, von Hinz und Kunz ausgefragt zu werden.

Zu den positiven Erlebnissen gehört das ältere Ehepaar, das allein einen kleinen Campingplatz betreibt. Ich klopfte an das einzige belebte Gebäude und es öffnete eine zerbrechliche ältere Dame gefühlt Mitte 80 und bestätigte, dass hier die Rezeption sei. Ja aber der Platz gehöre doch zu einem ominösen Campingclub, ob ich denn Mitglied wäre? Das musste ich verneinen, die nehmen wohl auch eh nur Briten mit Jahresmitgliedschaft. Aber, weil ich ja so weit mit den Fahrrad angereist sei, nun ja, würde sie ihren Mann empfehlen, eine Ausnahme zu machen (außerdem war der Platz auch ganz leer). Er kam dann und stimmte zu, meinte, wenn eine Inspektion käme, solle ich sagen, ich sei ein Freund der Familie … Die beiden waren .. nun ja, vielleicht wie Philemon und Baukis.

Das war noch in Cornwall. Dann kommt Devon, wo es genau so weiter geht. Hier ein paar Bilder.

Blick nach Dartmoor

(Lange dachte ich aufgrund düsterer Geschichten, Dartmoor sei ein Moor. Umso überraschter war ich als ich die Strecke plante zu sehen, dass es offensichtlich ein kleines Gebirge ist … also habe ich es ausgelassen).

Devon, nicht Mecklenburg

Dieser Pfau war zunächst der einzige sichtbare Mitarbeiter des Farm-Campings in Taunton … Ich warne vor Campingplätzen mit Pfauen (es müssen mindestens 10 von ihnen gewesen sein), denn in der Dämmerung (abends UND morgens!) beginnen sie mit einem maunzenden Krähen und kennen keine Gnade für Schlaf suchende Camper.

Bemerkenswert finde ich auch dir Üppigkeit vieler Bäume hier, besonders alte, mächtige Eichen, etliche stünden davon bei ins unter Naturschschutz, sind häufig in der Landschaft anzutreffen. Hier in Overton, wo ich gerade am Küchentisch meines Gastgebers sitze, gibt es die vermutlich ältesten Eiben Englands (1500-2000 Jahre).

Uralt Eibe

Sogar die Queen soll schon extra zum Staunen hergekommen sein.

Schluss für heute: Fortsetzung folgt!

England – die erste Woche, 28.7.- 2.8.2018

Wenn man von Cornwall aus Großbritannien nach Norden hin durchquert, ist das gleich am Anfang eine ziemliche Herausfordernung. Abgesehen davon, dass Eurowings mal gleich mein Hinterradschutzblech zerknautscht hatte und ich eine Schadensanzeige noch gleich auf dem Flughafen Newquay machte (mit noch offenenem Ausgang), regnete es gleich in der ersten Nacht heftigst und hörte aber am Vormittag wieder auf, nur noch Niesel peitschte mir ins Gesicht.

Unverdrossen startete ich am Vormittag nach Newqay und machte gleich Bekanntschaft mit den ersten heftigen Steigungen, bevor ich mich mit einigen wesentlichen Lebensmitteln ausstatten konnte. Aber dann ging es los, ab in die Hügel. Ich hatte mir die erste Etappe bis zur South Penquite Farm „nur“ knapp 50 km vorgenommen, aber die hatten es bereits in sich. Es regnete nicht mehr, aber ich war schweißnass, als ich abends auf diesem ÖkoCamping ankam.

Saint Colomb Major

Tor zum Farmcamping

(Feinarbeiten wie Bildausrichtung mache ich später zu Hause)

Am Morgen wollte ich noch Luft nachpumpen, aber das Gegenteil geschah. Ein Riss im Schlauch am Ventil ließ sich auch nicht mehr flicken und ich musste einen Ersatzschlauch einsetzen, intelligenterweise hatte ich einen gebrauchten mitgenommen, der schon mal geflickt war … Zunächst schien das Problem gelöst, aber nach 7 km merkte ich, die Luft hielt nicht. Ich suchte mit google maps nach dem nächsten Fahrradladen, weil ich einen besseren Ersatzschlauch kaufen wollte und fand stattdessen ein Motorradgeschäft in Camelford. Wie passend! Ein paar Häuser weiter war eine Autowerkstatt, dort fragte ich, ob ich hier alles reparieren könnte, statt an der Straße. Der Besitzer gestattete mir seine Betonfläche zu nutzen. 3. Versuch den Schlauch zu flicken. Ich kam mir wie ein Anfänger vor. Nachdem auch der 3.Versuch scheiterte, fand ich einen Aluminiumsplitter zwischen Mantel und Schlauch. Reparatur Nummer 4 hält nun. Bis heute. Inzwischen war es Abend geworden und, nachdem ich feststellen musste, dass es in diesem Ort kein Quartier gibt (ausgebucht), kam ich auf die Idee, nach einem wamshowers Gastgeber zu suchen, mit Erfolg! An diesem Tag kam ich ganze 20 km weiter …

p1080952803405024.jpg

Das sind sie. Er ist pensionierter Tierarzt, sie spielt Tuba, die Tochter hat Musik studiert, Waldhorn.

Und weiter ging es am nächsten Morgen, heftig hoch und runter. Landschaftlich sehr schön, man fährt auf Sträßchen von Radwegbreite, Autos warten brav oder ich warte an passender Stelle. Manchmal müssen sie erst den Rückspiegel einklappen …

Stillgelegter Militärflughafen

Rechts und links Mauern mit Heckenbewuchs … kilometerweit

Fortsetzung folgt

Kanada 2017 – 12.07. Zweiter Teil

Wie ging es also weiter?  Nachdem sich der Regentag planmäßig abgeregnet hatte,

P1070225

P1070226

war es am nächsten morgen genauso gegenwinding wie bisher, aber dafür mit mystischem Nebel und ganzen 100 m Sichtweite. Ich machte lieber das Licht an.

P1070229

P1070232

Langsam klart es auf … wie, da bin ich eben hoch gefahren?

Auf dem Weg zur ersten Kaffeepause beim Tim Hortens 30 km weiter,

P1070233

Das typische Tim Horton’s Angebot

besserte sich das Wetter langsam und die Straße wendete sich mehr nach Osten, später dann ging es auf dem Highway 90 nach  Norden – und damit hatte ich endlich Rückenwind! Aber so gut war die Idee, über Holyrood und Conception Bay statt auf dem TCH zu fahren, nun doch nicht.

P1070234

Geschafft, endlich in Hollyw… ähm …. Holyrood

Das erste Mal lernte ich die als die freundlichsten Menschen (Kanadas) beschriebenen Neufundländer von einer unfreundlichen Seite kennen: Ich wurde mehrere Male auf der viel zu engen Straße ohne Seitenstreifen, dafür aber Dellen und Schlaglöchern, bissig angehupt. Einmal blieb ich schlagartig stehen und brüllte den Fahrer an „So, what…?!“ (Shawn, ein Kanadadurchquerer und Polizeioffizier aus Ontario, den ich später auf dem Campingplatz traf, meinte dazu, die seien einfach den Umgang  mit Radfahrern hier nicht gewöhnt. Und in  der Tat, ich sah sonst auch kaum welche.)

Weil ich bis Tim Hortons relativ gut durchgekommen war, hatte ich auch keine Lust mehr, die letzten 114 km in zwei Teile zu teilen,  nur um nicht zu früh bei meiner warmshowers-Gastgeberin Joy anzukommen, mit der Folge, dass sie mich die erste Nacht noch zum Camping schickte und es dadurch 120 km wurden. Aber am nächsten Morgen machte es um 7.00 Uhr „pling“ und eine Einladung zum Frühstück trudelte per Messenger ein: „Wenn du das jetzt liest und dich beeilst, kannst du zum Frühstück kommen, ich will dann aber zum Training.“ Ich musste mich also beeilen, hangabwärts nach Dowtown Saint John’s.

P1070242

Da wohnt Joy, was für eine Freude!

 

P1070456

Joy

 

Nach dem Frühstück fing ich erst einmel an, die Stadt zu erkunden. St.John’s hat man in einer strategisch supergünstigen Hafenbucht einfach an die umliegenden Hänge geklebt. So steil sind auch manche Straßen, dass es fast unmöglich gewesen wäre, das Rad samt Gepäck BERGAUF bis zu ihrem Haus zu bekommen (weshalb ich lieber vom hinteren Ende und bergab dort hinfuhr).

P1070320P1070287P1070251P1070280P1070253P1070264P1070244P1070249

P1070286

Der Herr links musste mich unbedingt ausfragen. Dieser Hauseingang befindet sich übrigens im 2.Stockwerk …

Die Stadt ist steil und bunt und fast nichts ist älter als von 1892, da brannte nämlich alles ab. 100 Jahre später wäre das Gleiche fast noch mal passiert. Das Leben konzentriert sich in den parallel zum Hafenbecken verlaufenden Innenstadtstraßen.

Am Nachmittag habe ich den Signal-Hill bestiegen (leider vergaß ich einen zweiten Akku für die Kamera mitzunehmen und die Ersatzkamera im Notepad liefert nur mäßige Ergebnisse). Die strategische Lage des Hafens macht ihn durch die Befestigungen der umliegenden Hänge nahezu uneinnehmbar und er hatte als östlichster Hafen Nordamerikas auch eine besondere strategische Bedeutung im Zweiten Weltkrieg. Heute wurde besonders und mit Fähnchen der 700 Neufundländer gedacht, die genau vor 100 Jahren gleich am ersten Tag ihres Einsatzes bei der Schlacht an der Somme ums Leben kamen.

So, aber jetzt klettern wir mal nach oben:

P1070293

Da lang …

P1070296

P1070295

…und weiter …

P1070299

…immer höher, in der Mitte hinten das Kulturzentrum …

P1070300

…und höher …

P1070301

P1070303

…fast ganz oben …

P1070304

Das ist jetzt die Höhe der Verteidigungsbatterie. Es geht noch weiter, aber dann war der Kamerakku alle.

Damit alle sehen können, was ich fotografiert hätte, wenn — hier verlinktes Bild von jemand anderem: Signal Hill

So, und am nächsten Tag wollte ich endlich mit Erfolg Whale-Watching machen. Denn schließlich führten meine bisherigen Versuche zu fast keinem Erfolg, denn die wenigen Wale im Mingan waren äußerst fotoscheu. Auch diesmal schien erst einmal alles umsonst zu sein.

P1070342

Erst mal ging es nach Cape Spear, dem östlichsten Punkt des Kontinents.

P1070344

Ich kann jetzt auch behaupten, da gewesen zu sein. Wenn auch nicht auf dem Fahrrad …

Aber als das Boot vor Cape Spear vor sich hindümpelte, da kamen sie, die Buckelwale und hielten auch lange genug still … oder vielleicht war das Boot auch ruhiger … oder ich zielsicherer…

P1070429P1070387P1070381P1070384P1070374P1070356

P1070386

Und tschüss!

Und warum der nächste Tag der letzte war und ich nicht mehr das Kultur – und Ausstellungszentrum besuchen konnte, das schrieb ich im ersten Teil.