Schottland und kein Ende?

Ja, ich habe Albions Nordostspitze erreicht! John O’Groats, das nach dem Holländer Jan de Groot so heißen soll, der erstmalig eine Fährverbindung zu den Orkney Inseln einrichtete. Die letzten beiden Etappen hatten es noch einmal in sich, die eine, was die Steigungen ab km 50 betraf (13%), die andere, was den eiskalten Schauer und heftigen Seitenwind betraf, der mich gleich in das erst schlechteste B&B flüchten ließ. Mein Unterhemd war klatschnass geschwitzt, da musste ich aus der Kälte fliehen. Später hab ich noch ein paar Bilder gemacht.

John O’Groats

John O’Groats, der Pfosten des Anfangs oder Endes aller britischen Straßen

Hinterm Leuchtturm befinden sich diese Klippen

In der Ferne die wirkliche Nordspitze der Hauptinsel – Dunnet Head

Am nächsten Morgen bin ich dann mit der Fähre nach South Ronaldsay hinüber gefahren, der südlichsten der Orkney Inseln. Die Besatzung half mir freundlich mit meinem voll beladenen Rad über die Stufen des Steges auf die ansonsten „nur Personenfähre“. Diese Insel und zwei weitere wurden während des 2.Weltkrieges auf Churchills Befehl mit Barrieren und durch zwangsverpflichtete italienische Kriegsgefangene miteinander verbunden, um die britische Flotte, die sich in den riesigen Naturhafen Scapa Flow versteckte, zu schützen. Hat aber nicht ganz geklappt. Einzelheiten siehe wikipedia. Dadurch kann man erstens einem historischen Lehrpfad folgen und zweitens ohne weitere Fähren bis nach Kirkwall auf die Hauptinsel gelangen. Die Inseln sind ein Paradies, aber mehr für Hartgesottene. Es wehte ein steifer Wind bei 12°C. Wie der Sommer hier gewesen sei, fragte ich den Inhaber eines Post- und Sonstiges-Ladens, bei dem ich einen Kaffee trank. „Wir hatten tatsächlich ein paar Wochen kaum Wind! Und 18 – 19°C!“ Nun, ich hatte mir vorsorglich noch einen Pullover gekauft (der würde bei uns kapp die Hälfte kosten) und machte heute dann eine Rundfahrt ohne Gepäck, erst gegen, dann mit dem Wind bis zum Ring of Brodgar. In einigen Stunden fährt die Fähre nach Aberdeen und dann folgen noch die letzten 2-3 Etappen nach Edinburgh. Jetzt aber Bilder vom kalten Paradies.

Friedhof auf South Ronaldsay

Wer ist hier der Chef??

Eine (funktionierende) Telefonzelle im Nirgendwo als Zuflucht vor dem Schauer

Die berühmte Bucht Scapa Flow

Eine der Churchill-Barrieren

Die italienische Kapelle, von den Kreigsgefangenen selbst erbaut

Blick auf die Inselhauptstadt Kirkwall

Die mehr innen als außen beeindruckende romanisch-normannische Magnus Kathedrale

Kirkwall, Hafen

Standing Stones of Stenness

Ring of Brodgar – das nördliche Gegenstück zu Stonehenge

Nachtrag:

Das war ja wieder ein Stress: In letzter Minute sozusagen fiel mir auf, dass die Fähre nach Aberdeen nicht im Stadthafen von Kirkwall, sondern 5 km außerhalb an einem Extra-Pier abfahren soll. Also schnell los, mit dem Rad im Dunkeln gegen Wind und Regen. Ich hatte vorher online gebucht, musste aber, bevor ich an Bord fahren durfte, zum Check-In Schalter, der nicht wie bei den meisten Fähren, die ich kenne, an Bord, sondern außerhalb war. Die kühle junge Dame am Schalter fragte stirnrunzelnd: „Wollen Sie das Fahrrad mitnehmen?“ Ich war erstaunt über die Frage. „Ja selbstverständlich!“ „Sie haben aber kein Fahrrad mitgebucht und wir haben keinen Platz mehr dafür!“ „Da war keine Kategorie für Fahrräder auf der Webseite! Ich MUSS das Rad mit nehmen, anders kriege ich meinen Flieger in Edinburgh nicht.“ „Setzen Sie sich irgendwo in die Ecke, ich werde sehen, ob ich was tun kann.“ Ich fasste es nicht, in so einem riesen Schiff soll kein Platz für mein Fahrrad sein? Und hatte man mir vorher noch in Berlin nicht gemailt, ich müsse gar nicht vorab buchen ?? Im Kopf verfasste ich Protestbriefe an die Reederei, während erst einmal sämtliche anderen Passagiere abgefertigt wurden und entwarf Katastrophenpläne. Nach ca. 40 Minuten sah ich, wie die Mädels hinter dem Schalter was besprachen und mir eine zunickte. „Ausnahmsweise .. Sie können das Rad mitnehmen, umsonst“, und wies mich einem Security-Mann zu, der mich hinaus in die Kälte führte und mich im Windschatten eines Autos warten lies. „Warten Sie bis Sie gerufen werden.“ Ein Container nach dem anderen wurde auf die Fähre bugsiert, dann kamen die Privatautos angerollt und wurden wieder an einer Linie gestoppt. Ich fror und trat von einem Bein auf das andere. Es war längst 24 Uhr und schon eine viertel Stunde über der Abfahrtszeit. Doch bevor die das Rudel der Privatkarossen in die Fähre stürzen durfte, rief mir ein Verladearbeiter zu, ich soll losfahren. Hah! Endlich! Stolz fuhr ich durch das Bugtor in die Fähre, wo mein Rad mit einem Seil brav angebunden die Nacht verbringen würde …

Veröffentlicht in: Blog

2 Gedanken zu “Schottland und kein Ende?

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