Kanada 2017, 11.06.

Ich sitze mal wieder in einer Pension, denn der eingeplante Campingplatz (oder vielleicht war es auch eine Art Ferienlager) war geschlossen. Noch. Vermutlich. Ich bin in Port Cartier gelandet. Und das war nun wirklich der stürmischte Tag, den jemals auf einer Radreise erlebt habe. Auch in  den letzten Tagen blies mir der Wind ja schon munter von Westen in den Rücken. Aber heute, nach morgendlichen Schauern, folgte zwar Sonnenschein, unterbrochen aber von weiteren Schauerstaffeln mit starken Böen, die mich fast vom Fahrrad rissen und mich Zuflucht in einem überdachten Hauseingang suchen ließen. Der Weg führte erst nach Osten und dann nach Norden, rechtzeitig drehte der Wind auf Nordwest und prallte vom Wald auf meiner Seite ab, mir direkt entgegen. Die Gegend ist sehr waldreich und oft einsam, dann wieder wird die Straße 138 von Chalets in langen Reihen gesäumt. Der Strand, teils steinig, teils sandig, meist einsam, wird nur sichtbar, wenn es eine Lücke im Wald gibt oder ein Bach ins Meer mündet. Meer, –  denn der Sankt-Lorenz-Strom ist schon lange kein Fluss mehr, inzwischen heißt er auch Golf, wobei ich mir geographisch nicht ganz sicher bin, wo genau der Übergang ist. Der Verkehr ist mäßig, ich zählte aus Spaß mal 10 Minuten lang alle Autos die mir begegneten, es waren 22. Aber oft drei bis sechs hintereinander (das Phänomen der Rudelbildung bei Autofahrern …). Ich bin jetzt in Québec pur! Englisch versteht man hier kaum noch und ich fühle mich aufgefordert, zu erklären „je ne parlez bien francais, je suis Allemand, so if you please speak English to me …“. Nun ja, es überascht mich immer wieder, wie wenig hier die andere Landessprache bekannt ist. Andererseits, in British Columbia spricht auch kaum jemand französisch. Nur betont dort niemand die englischen Wurzeln mit einer eigenen Flagge und einem Nation-Begriff wie in Québec. Kurz, ich habe immer noch nicht wirklich begriffen, wie das mit der kanadischen Nation funktioniert und warum.

Wie geht es mir mit den Herausforderungen der Strecke? Ich werde  ja weder jünger noch fitter. Sofern es nicht leicht geht, beiße ich mich mit stoischem Gleichmut durch. Das Wichtigste ist, dass ich mein Tagesziel verinnerlicht habe. Dann schaffe ich es auch, meistens. Widrige Umstände führen aber auch zu Kompromissen. Ich frage mich allerdings, wie ich das in Neufundland mache, wenn der Wind so weiter bläst und mir dort womöglich entgegegen kommt. Vermutlich werde ich trampen. Die Leute hier fahren ja diese riesigen Pick-Ups …

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Die Fähre in Matane von meinem Fenster aus.

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Nach der Ankunft in Godbout am Nordufer des Sankt Lorenz

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Es geht erst mal mächtig hoch

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Mondaufgang über dem Sankt-Lorenz-Strom

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Der Wind fegt über das Wasser

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50.Breitengrad.  Die Natur ist aber hier schon subploar.

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Schokomilch im Windschutz

 

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Ebbe

 

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Mittagspause

 

 

 

 

 

Kanada 2017, 07.06 – 08.06.

Es ist gar nicht so einfach sich abends noch zum Schreiben aufzuraffen, aber da ich heute wegen des noch geschlossenen Campingplatzes in eine Pension ausgewichen bin, gibt es jetzt keine Ausrede mehr. Ich weiß, ich laufe Gefahr als Kulturbanause da zu stehen, aber ich habe auch Québec City dieses mal nur kurz zwecks Übernachtung „gestreift“. Ich wollte endlich losfahren. Und schon beglückte mich der erste Tag mit heftigem Gegenwind, grauer Schauerbewölkung und 15°. Dadurch schaffte ich es nur bis L’islet Sur Mer. Am nächsten Tag schien zwar die Sonne, aber dafür war der Gegenwind noch heftiger. Ich hatte einen Durchschnitt von 12 km/h auf dem Tacho und es fühlte sich an wie dauernd bergauf fahren. Infolge dessen  schaffte ich es nicht bis zu meinem warmshowers’s Gastgeber Jean-Pierre (der aber sowieso als Arzt gerade Bereitschaftsdienst in der Klinik hatte). Ich blieb 23 km vor dem Ziel an einem süßen Campinglätzchen sozusagen auf der Strecke. Ich rief Jean-Pierre an und wir verabredeten aber, dass ich dann heute mit seiner Freundin einen Kaffee trinken kann, wenn ich bei ihnen vorbei fahre, was ich auch tat.

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Anik, Jean-Pierres Freundin

Wir kannten uns ja schon von 2015. Und da beide mit den Kindern und  2 Tandems ins Baltikum fliegen wollen, konnte ich gleich noch Tipps loswerden. Der Wind wehte heute mit der gleichen Stärke, aber zum Ausgleich von hinten! So flog ich mit Leichtigkeit und manchmal mit 26 km/h dahin. Es wurde mit ca. 24° auch deutlich wärmer. Überall blüht der Löwenzahn in Massen, ebenso Flieder und Vergissmeinnicht,  alles 4 Wochen später, vergleichsweise.

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Das Rad im heftigen Wind

Dann bin ich mit diesem Wind im Rücken 112 km gefahren, weil ich den Zeltplatz von St. Fabien (den ich noch kannte) ansteuern wollte. Als ich dann gegen 19 Uhr ankam, war er geschlossen: „Wir sehen uns im Sommer 2017“! Ich stutzte. Achso, hier ist ja noch Frühling, schreibe ich heute (schon einen Abend später), bei 28°C  und unter einem Moskitonetz als Schutz gegen die lästigen beißenden Blackflies. Also der Platz war noch geschlossen. Zwar konnte ich mich nicht bremsen, ein Klo aufzuhebeln und Wasser gab es auch, aber keinen Strom und keine Dusche. No power, no shower. Und ich will ja hier etwas schreiben, dazu muss ich das Notebook immer wieder aufladen … Also, was gibts sonst noch in dem Dorf? Google empfahl eine Hotelchen namens „The dreams and vigils..“, aber das befand sich auch noch im Winterschlaf. Ich sprach eine Dame an, die mir mit ausgezeichnetem  Englisch (das ist hier in Québec nicht selbstverständlich) „La Maison l’Irlandaise“ empfahl – Volltreffer. Ein freundlicher junger Mann vermietete mir für 49 $ ein Zimmer mit Frühstück! So günstig hatte ich das bislang noch nie in Kanada. Das sind ca. 35 €. Zum Frühstück gab es dann Obst, Muffins, herzhafte oder süße Pfannkuchen und Kaffee. Da mein Blutzuckerspiegel (ich bin seit 2016 Diabetiker) so niedrig wie noch nie war, sündigte ich munter. Aber wie nun heute weiter?
Zur Auswahl stand 126 km nach Matane in einem Ritt durchzufahren, oder das Stück in zwei Teile zu teilen. Das Problem ist, dass die Fähre zum anderen Ufer nur einmal täglich und zwar morgens um 7, um 8  (Sa) oder um 9 (So) Uhr fährt. Ich muss also vorher in Matane übernachten. Und nicht verschlafen! Ich entschied mich für die Variante Teilung, aber sehr ungleich. Schon nach 10 km bog ich in den Provinzpark Bic ein. (Die Québecer nennen ihn natürlich Nationalpark, was verwirrend ist, weil es kein „echter“ Nationalpark ist, sonder nur ein Nationalpark der „Nation Québec“ und mein Kanada-Jubiläumspass, der mir kostenlosen Eintritt garantiert, hier nicht gilt.) Vive la Québec! Wie auch immer, 8,60 $ für’s Zelten plus noch mal dasselbe für den Eintritt, gebongt. Also wurde dieser Tag ein Wandertag. Mit Rad natürlich, denn das Gelände ist gut erschlossen. Es soll hier eine seltene Robbenart geben und diverse Vögel wie die Eiderente. Leider war davon nichts zu sehen. Aber ich besuchte zu Fuß bei Ebbe die Ile d’Amour, die weiter entfernt liegende Ile Massacre und die Ile Brûle ließ ich aus… Ich erkundete einige Buchten und ein Informationszentrum und jetzt gibt es ein paar Bilder:

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Parc du Bic

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Wie heißt die Blume?

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Im Parc du Bic

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Informationszentrum in der alten Scheune

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Meine Villa

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Der einzig wirksame Schutz gegen Blackflies

Kanada 2017 

04.06. 2017 Die ersten Tage

Nach einem ruhigen Flug traf ich vorgestern in Montreal überpünktlich mittags ein und bekam nach kurzem Warten mein Gepäck unbeschädigt in die Hände. Nach einer Stunde hatte ich soweit alles wieder geordnet, also das Fahrrad abfahrbereit zusammengesetzt und mit den Fahrradtaschen bestückt. Ich versuchte, meine Gastgeberin Jackie, bei der ich schon 2015 zu Gast war, über Skype und das WiFi im Flughafen zu erreichen, aber es klappte nicht. Also erst mal zu La Source, den Laden der SIM Karten der verschiedenen Gesellschaften anbietet. Ich hatte mich, nach gründlichen Recherchen in Vorab, schon für Bell als Provider entschieden, aber der Angestellte fühlte sich außer Stande, mir genau DAS zu verkaufen, was ich brauchte und empfahl mir den anderen Laden in nächsten Einkaufszentum ein paar Kilometer weiter. (In Kanada kann man sowas leider nicht über das Internet im Vorfeld bestellen und bezahlen, da keine Telefongesellschaft ausländische Kreditkarten akzeptiert, wenn man nicht persönlich vor einem Händler steht und sofort bezahlen kann.) So bleiben nur diverse Prepaid Angebote, mit unterschiedlich umfangreichen und teuren Daten Add-On’s. Ich besaß ein ausgedrucktes Chatprotokoll, in dem mir eine Miss Emily von Bell erklärte, was mir zustünde, nämlich 5 GB Daten für 50 $ (angeblich). Die Jungs im nächsten Bell vertreibenden La Source-Laden staunten mich an wie ein Alien und fingen dann völlig uninformiert an, erst einmal im Internet zu recherchieren. Es kostete mich Einiges an  Anstrengung ruhig abzuwarten. Bin halt chronisch ungeduldig, besonders verstärkt durch die Müdigkeit nach langem Flug. Mein Chatlog mit der Bell-Dane hatte ich vorsorglich ausgdruckt – „hier steht die Lösung, Jungs“ – das schien sie aber nicht zu überzeugen. Nach einer halben Stunde hatte ich endlich die SIM Karte, aber nur mit 2 GB Daten add-on, für einen Monat. (Nun ja, der SMS von Bell zufolge gilt das Ganze bis 2018 …) Das alles für 86 $ (z.Zt. etwa 56 €). Kanada ist eins der teuersten Länder, was Telefonieren betrifft.
Also auf zu Jackie, d.h. 17 km mit dem Rad durch ein Geflecht von Nebenstraßen (die einzige gerade Strecke in die Stadt ist eine Autobahn und für Fahrräder nicht zugelassen).  Ich hatte mir den Weg vorher im Navi einprogrammiert und von daher kaum Orientierungsprobleme, teilweise aber schrecklich schlechte schlaglöchrichge Straßen, die volle Konzentration erforderten. So schlimm hatte ich es von 2015 nicht in Erinnerung. Endlich, gegen 17 Uhr, war ich am Ziel. Geschafft und k.o. Jackie hatte wieder einen Siebten Sinn und kam genau im richtigen Moment die Treppe herunter. Jetzt alles, einschließlich Rad, in den 2. Stock über eine enge, gewundene Treppe hinauf schleppen. Und nicht gleich Schlafen gehen, davon wird ja abgeraten nach Transatlantikflügen gen Westen, denn dann klappt es mit der Umstellung schneller. Jackie lud mich zum Essen ein, anschließend zeigte ich ihr noch meine Skandinavien-Bilder und um 21 Uhr konnte ich nicht mehr …

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Hier geht es hinauf zu Jackie

Am nächsten Tag musste ich wie immer meine Ausrüstung vervollständigen, denn Gascartouchen für den Kocher darf man ja nicht im Flieger mitnehmen. Und das unverzichtbare Bärenabwehrspray gibt es sowieso erst in Kanada. Also los, zum Ausstatter MEC, 12 km quer durch die Stadt. Mein Navi  leitete mich prompt über den Mont Real statt drum herum und oben quer durch eine Kathedrale aus Beton.

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Ich ignorierte die Aufforderung und ging lieber zu Fuß hinein.

Zum Glück ging es anschließend bergab!
Jackie war an diesem Tag mit ihrem Freund in den Bergen und kam erst am nächsten Morgen zurück. So hatte ich Montreal für mich, da ich aber durch den Jetlag doch noch ziemlich müde war, beschränkte sich meine Neugierde auf Downtown.

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Blick von Jackies Balkon

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Downtown Montreal

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Montreal ist eine Multikultimischung aus francophonen und anglophonen Kanadiern plus Touristen und Studenten. Die Gegend um die Rue St.Catharine erinnerte mich sehr an Manhattan rund um Greenwich Village, aber auch an Straßen in Berlin – Kreuzberg. Unzählige kleine Läden, Cafés und Restaurants. Dann gleich Luxusausstatter, Massagesalons und die üblichen Kettenläden in friedlichem Nebeneinander.

Soweit für heute.

 

 

Skandinavien 2016 – Rückblick

Ich sitze in der Bar der Finnland-Fähre und versuche, möglichst wenig Geld auszugeben, denn die Preise sind heftig. Und eine echte Alternative zum Massenabspeise-Restaurant für vorher zu zahlende 34 € gibt es nicht. Gut, dass ich meinen Speisekasten schnell noch vor dem Ablegen der Fähre vom Fahrrad auf dem Fahrzeugdeck geholt habe. Bis zum Brunch morgen wird es reichen. Den gibt’s für 23 € und es ist ein Buffet, na wartet!

Jetzt hab ich also einen neuen Rekord eingestellt, indem ich 2181 km in 24 Tagen gefahren bin (auch deshalb, weil es mal wieder knapp 10% weiter war, als von Google vorher berechnet). Ja, die Versuchung war da, besonders am Ende bei den heftigen Gegenwindböen, einfach mal den Zug zu nehmen. Aber irgendetwas hat mich davon abgehalten, obwohl ich in Lahti schon auf dem Bahnhof war. Kleinigkeiten, ich ließ es an dem unübersichtlichen Bahnsteigzugang scheitern (ich bin ja mit all dem Kram so was wie „behindert“). Meine innere Stimme sagte: „Es sind doch nur 72 km nach Riihimäki und du hast dafür noch mindestens 7 Stunden Zeit, selbst mit nur 10 km/h …..“ Und schon fuhr ich. Wenn die Böen zu heftig wurden, blieb ich einfach einen Moment stehen. Und mein Mr.Garmin, der sorgfältig aufgrund seiner Einstellungen alle Radwege aneinander reiht, auch solche, die es gar nicht mehr gibt, sorgte gleich am Anfang dafür, dass mindestens 5 km Umweg dazu kamen. Ich lernte also, mich mit dem Wind zu arrangieren. If you can´t fight it, friend it, schrieb ich auf facebook. Lerne, mit den Dingen zu sein, die du nicht ändern kannst. Das ist sowieso eine meiner Dauerlernaufgaben als chronisch ungeduldiger Mann. Wehe, die Dinge kommen anders als von mir gewünscht oder geplant! Hah! Was kann ich mich da ärgern!
Ja und insofern … hatte es diese Reise in sich. Was konnte mir aus der Perspektive des erfolgreichen Kanadadurchquerers in dem bisschen Nordeuropa schon passieren? Weder drohten Hochgebirgspässe noch Präriesteppen. Aber … alles Ontario, oder was? Ja, so kam ich mir an manchen Tagen vor, wie in Ontario mit der Dauerabfolge von Wald, Felsen, Seen, Steigungen. Nur das Wild fehlte. Ich sah auf der ganzen Reise nur einen einzigen Rotfuchs (abgesehen von den unüberhörbaren Mitgliedern der weltumspannenden Krähen- und Lachmövenpopulation). Ach ja, nicht einmal die berüchtigten finnischen Mücken tauchten in bedrohlicher Zahl auf! Dafür Blaubeeren, Preiselbeeren, Himbeeren und anfangs auch meine so geschätzten Walderdbeeren, die auf schwedisch Smultron heißen, zum satt Essen – wenn ich nicht für langes Pflücken zu ungeduldig wäre…

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Wo waren all die Elche? Wölfe? Und die theoretisch dort lebenden Bären? Die Stille der Wälder war jedoch beeindruckend. Manchmal hielt ich an, nur um zu lauschen und hörte nichts als den Wind in den Baumwipfeln. Ich lernte von meinem Gastgeber in Sundsvall, einem Forstmanager, dass die meisten Wälder dort erst die zweite Waldgeneration sind, weil die Menschen die alten Urwälder als Folge der beginnenden Industrialisierung erst einmal verheizt hatten, bevor sie im 19.Jahrhundert merkten, dass das so auf Dauer nicht weitergeht. Auch deswegen, also wegen der fehlenden Totholzmenge, aber auch weil witterungsbedingt immer alles feucht und grün ist, kennt man in Skandinavien kaum Waldbrände und war, als diese vor einigen Jahren dennoch mal ausbrachen, völlig mit dem Löschen überfordert. Man musste Hilfe aus Frankreich und Portugal holen, erzählte Herr Ek, und wie peinlich das für die Schweden gewesen sei. Tatsächlich gibt es nirgends Waldbrandwarnschilder und Feuer machen darf man auch überall. Trotz allem wirkten die Wälder unterwegs nicht ganz so eintönig wie unsere „Wald“ genannten Nutzholzplantagen.

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Und so anstrengend es wegen der häufig deftigen Steigungen auch oft war, ist diese Landschaft auf der anderen Seite auch irgendwie beruhigend. Endloser Wald, erst nach langer Zeit einige Häuser mit Ackerland drum herum. Dorf kann man das oft nicht nennen, auch wenn es ein Ortseingangsschild gibt. Und immer wieder auch solche Häuser, die nur noch als Landschaftsdekoration oder „Heile Welt-Illusion“ da zu stehen scheinen: Schaut man genauer hin, dann sieht man wie das Gras auf den Stufen wächst, die Fenster vom Gebüsch langsam verdeckt werden, gleichwohl hängen da noch Gardinen und Kunstblumen hinter den Fenstern täuschen Leben vor, das einmal war, oft schon vor Jahren. Neugierig wie ich bin, habe ich, wenn ich mich sicher fühlte nicht beobachtet zu werden, in das eine oder andere Haus hinein geschlichen. Da war dann nicht einmal die Tür verschlossen! Teilweise standen die Möbel noch da. Eine noch komplett eingerichtete Küche!

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…und in der Küche der Tisch mit der Spitzendecke

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Einladend …

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…die Tür nicht verschlossen …

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…dann eine komplett eingerichtete Küche.

Mit Bosch-Waschmaschine und Kühlschrank. Einfach Strom einschalten, saubermachen und aufräumen, weiter geht´s. Ein Bad mit Wanne und Duschgel.  Aber seit Langem war niemand mehr da. Ein Fenster zerbrochen, ein schief hängendes Familienfoto an der Wand. Aller möglicher Krempel lag wüst umher, aber nichts zerschlagen oder mutwillig zerstört. Vandalismus unbekannt. In Finnland dasselbe. Ein Haus war so zugewachsen, dass es mindestens seit 5 Jahren niemand betreten hat (Bild oben). Ich schaute durch das Küchenfenster. Ein alter Herd, Geschirr und ein Tisch, bedeckt mit einer weißen Spitzendecke. Irgendwie bizarr, als brächte gleich jemand den Kaffee…

Das ist es, was ich am Radreisen schätze: Dinge, die man als Autofahrer gar nicht mitkriegen würde zu sehen und genauer zu betrachten, sich die Geschichten dahinter zu phantasieren. Sind die Hausbesitzer plötzlich verstorben? Liegt jemand seit Jahren im Koma? Oder sind die Bewohner einfach nur ausgewandert und haben alles stehen und liegen gelassen? Meine fast mitten im Wald lebende finnische Gastgeberin erzählte auch, dass in der Nachbarschaft ein Haus wäre, dessen Besitzer auch seit Jahren nicht da gewesen wären. Keiner wüsste warum. Alles haben sie stehen und liegen gelassen. Also, falls jemand ein fertig eingerichtetes Haus sucht (vielleicht inzwischen etwas modrig) – in Skandinavien wird man fündig.

Es ist schon seltsam. Unterwegs stöhne ich oft über das, was ich mir mit so einer Tour eingebrockt habe. Mit fast 30 kg Gepäck (schließt man Lebensmittel und Wasser mit ein) durch fremde Länder radeln um zu spüren, wie unfit ich oft bin? (Womit ich dann natürlich beim unsinnigen Vergleichen lande.) Warum tue ich mir das an? Oder wie lange noch? Mir fällt einfach nichts Besseres ein, was ich allein tun könnte und was meinem Drang nach Bewegung und Abwechslung in freier Natur nahe kommt.

Nachtrag 1, Himmel:

Der Himmel über Finnland war besonders kontrastreich. Spätestens gegen Mittag begannen sich Wolkenberge aufzutürmen und führten meinerseits zum furchtsamen Abschätzen der Zugrichtung. Dahinten schauert es … dort scheint noch die Sonne … trifft mich der Regen gleich oder habe ich Glück? Offene Scheunentore oder Bushaltestellen versprachen notfalls Unterschlupf.

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Nach dem Schauer ist vor dem Schauer.

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Abends in Haapavesi

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Musikhalle Helsinki

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Geschafft – in der Regenrettungsscheune

Über Helsinki war es besonders eindrucksvoll: Im Süden über der See ein riesiges Wolkengebirge reglos lauernd vor der Stadt, die im gleißenden Sonnenlicht badete, bis hinterrücks im Norden ein weiterer Wolkenturm schwarz sein schauerreiches Unheil verbreitete und sich heftig zu entladen begann.

Nachtrag 2, Verkehr:

In Skandinavien ist der Mensch scheinbar rücksichtsvoller als anderswo. So sind Rad- und Fußwege in der Regel vereint, offenbar funktioniert das auch ohne Streit um Vorrechte. Und daher gelten Zebrastreifen im Gegensatz zu Deutschland auch für die Radfahrer. Hat es auch nur den Anschein, dass man sich einem Zebrastreifen nähert – schon bremst der Autofahrer und wartet respektvoll, dass man nun auch wirklich passiert und nicht erst orientierungslos lange herumsteht. Und das bei einer gefühlt 10-mal höheren Anzahl dieser Übergänge, die an den ebenfalls zahlreicheren Kreisverkehren Standard sind. Liegt das an der kooperativeren Grundhaltung dort, die sich oft den Anschein einer nationalen Gemeinschaft gibt?
Man muss allerdings damit rechnen, dass man als Radfahrer durch die Beschilderung willkürlich von einer Straßenseite auf die andere beordert wird, und das sollte man vorher im Blick haben, was nicht immer einfach ist. In Finnland sind zudem viele Radwege als kreuzungsfreie Untertunnelungen gebaut, da muss man dann vorher ahnen, wie es hinter dem Tunnel weitergeht … (bzw. ob überhaupt in der beabsichtigten Richtung). Nein, aber Engel sind sie auch nicht, die Autofahrer dort. Auf der E4 in Schweden gibt es sowohl Abschnitte, wo Radfahren klar verboten ist (nämlich wenn es Alternativen gibt), als auch lange Strecken, wo es erlaubt ist. Und schon kann es passieren, dass einzelne Autofahrer versuchen, einen  „wegzuhupen“. „Platz da, das ist eine Autostraße!“ Und dass der sonst peinlich korrekt eingehaltene Mindestabstand beim Überholen spürbar unterschritten wird. Damit man einen ordentlichen Schreck bekommt.  Denn paradoxerweise – da wo Radfahren erlaubt ist, gibt es höchstens 30 cm Seitenstreifen rechts der weißen Linie. Wo es verboten ist, dagegen mindestens 1,50 m. Jedenfalls in Schweden, das viel weniger radfahrerfreundlich ist, als es den ersten Anschein hat. Es scheint oft mehr darum zu gehen, die Autofahrer vor den Radfahrern zu schützen, als darum, etwas für den Radverkehr zu tun. Auch Svenska Järnvägen, die schwedische Staatsbahn, pflegt als mutmaßlich einzige europäische Eisenbahn das Image, den Transport von Fahrräder völlig zu verweigern. Es könnten ja bei einem Unglück den Fahrgästen auch noch die Fahrräder um die Ohren fliegen, meinte Martin Valldeby als mögliche Erklärung…. Wer also nach Schweden fährt, sollte vorher wissen, wie und womit er wieder zurück kommt.

Was mache ich im nächsten Urlaub? Mal wieder Paddeln? Oder von Saint John nach Boston radeln? Ich weiß es noch nicht.

 

 

Skandinavien am letzten Tag

11.August 2016

Eigentlich ist es erst der vorletzte Tag … aber morgen fahre ich mit der Fähre zurück. Und die Tastatur scheint im Moment gutwillig zu sein.

Streiflichter der letzten Tage: Da wollte ich doch nach dem Tag mit den gefundenen Eiern (Tag 21 also), einfach mal abkürzen, denn die finnische Wald- und Seenlandschaft muss nun nicht bis zum letzten Winkel ausgekundschaftet werden. Da handelte ich mir dann ein Netz aus einsamen und steilen Nebensträßchen ein, hauptsächlich mit Lehm-/Splitbelag. Statt 41 waren es dann zwar nur 34 km bis zum Ende der Abkürzung, für diese hatte ich aber mehr als 3 Stunden gebraucht, so steil waren die Steigungen und Mr.Garmin führte mich dann auch noch in eine Sackgasse, die an einem Steinbruch endete.

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Jedenfalls kostete mich das Etliches an Kraft (und Geduld!). Später traf ich noch ein Pärchen aus der Schweiz, die schon 5000 km unterwegs waren und selbst die stöhnten ueber die finnischen Steigungen (was mich etwas beruhigte). Jedenfalls kürzte ich die Etappe an diesem Tag und beschloss seit langem mal wieder wild zu zelten. Ist aber nicht sooo einfach, denn entweder ist das Gelände zugewuchert und ein dichter nasser Moosteppich, oder jemand hat da schon sein Wochenendhaus stehen. Ich fragte also den erstbesten Finnen, der im Begriff war, sein Häuschen zu betreten, ob ich eventuell auf seinem Grundstück … aber er verneinte und verwies auf den 40 km (!) weiter entfernten Campingplatz in Sysmä. Na gut, dann eben nicht. Eine Brücke kam und darunter ein alter Fähranleger ausser Betrieb, öffentliches Gelände also mit einer winzigen Halbinsel. Das war mein Platz, mit 3 m Strand und Mülltonne beim Nachbarn. Ein Stückchen weiter die Brücke, bei jedem Auto, das über mir vorbeifuhr, machte es wupp-wupp und dann noch mal wupp-wupp, aber es war wenig Verkehr. Und insofern fast himmlisch ruhig. Das Wasser des zweitgrößten finnischen Sees gut 20 Grad warm. Na also.

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Mein Privatstrand

Weiter ging es dann über eine Landzunge, die das Südende des Päijänne Sees in 2 Teile teilt, eine malerische Strecke. Nein, das Programm will mich jetzt kein Bild hochladen lassen. Fortsetzung folgt. Ehrenwort!

Skandinavien am 20. Tag

Fahrrad mit Eierpackung, im Hintergrund die finnischen Weiten.

06.August 2016

Also heute habe ich tatsächlich 3 rohe Hühnereier unbeschädigt im Strassengraben gefunden. Die hat aber kein Huhn dort verloren, denn daneben lag eine leere Eierpackung. Seltsam. Vorsichtig barg ich sie und packte sie in die Packung, klemmte das alles hinten auf das Rad und machte mir dann die letzten 20 km Gedanken über ein Omelett mit Mais und Möhren. In der Küche vom Campingplatz (erwähnte ich schon, dass alle Plätze in Skandinavien mehr oder weniger gut ausgestattete Küchen haben?) stellte sich dann heraus, dass die Eier doch etwas grenzwertig waren, d.h. sie rochen noch nicht, aber Eigelb und Eiweiß waren nicht mehr getrennt. Aus der Traum von Omelett.

Gestern Abend gab es Couscous mit Rentiergeschnetzeltem und zwar bei Elina Hutton, einer warmshowers-Gastgeberin, die zusammen mit ihm neuseeländischen Gatten mitten in der Wildniseinsamkeit des Dorfes  Häkkilä wohnt. Wir verstanden uns gut, schon morgen bricht sie zu einer fundraising-Tour zur Unterstützung der Krebsforschung und Nachsorge auf. Mit dem Fahrrad natürlich. Auf in den finnischen Norden.

Das ist Elina.

 

Ich muss aufhören. Die neue Tastatur spielt pausenlos verrückt und ist eher ein Reklamationsfall… 30 Minuten hab ich für das bisschen Text gebraucht.!!!

(Nachtrag: Manchmal geht sie wieder richtig, da habe ich doch schnell mal die Fehler ausgemerzt.)

Skandinavien 2016, am 18.Tag

3.August 2016

Heute ist mal wieder ein Pausentag. Der war nötig. Denn Finnland ist eine besondere Herausforderung. Ich beginne mit den weniger schwierigen Dingen. Hinter Oulo, auf dem nächsten Campingplatz fiel mir auf, dass ich kaum noch Bargeld im Portemonnaie hatte. Und prompt konnte ich dort ganz unüblicher Weise nicht mit Kreditkarte bezahlen. Nun, es reichte dafür noch. Also, bei nächster Gelegenheit daran denken. Das war in Paavola, einem Dorf am Schnittpunkt mehrerer Strassen. Am zentralen Platz eine … nicht mehr existierende Bank … und ein Supermarkt. Da konnte ich ja immerhin mit der Karte bezahlen. Im Vorraum sass eine ältere Bäuerin mit einem urfinnischen breitem, blassen Gesicht regungslos und wie in einer Wartehalle. Mich Alien mit Radlerhelm bemerkte sie offenbar gar nicht. An der Kasse versuchte ich auf Englisch nach einem Geldautomaten zu fragen und erntete nur Unverständnis, die Kassiererin konnte kein Englisch. Ich ging wieder raus und befragte meine Übersetztungs-app: „Paankiautomati“ – ein draussen herumlungernder Junge konnte auch damit nichts anfangen, also ging ich mit dieser Erkenntnis noch mal vorbei an der wie eine Statue da sitzenden Bäuerein in den Supermarkt. Jetzt war plötzlich ein junger Mann da, der etwas Englisch konnte und meinte, er könne das über die Kasse regeln. „How much do you want?“ Ich dachte, ah so geht das hier, wie bei REWE, und sagte 200 €.  Ich steckte die Karte in den Apparat. „Transaction refused“. Ich war irritiert. Hatte doch eben erst hier mit eben dieser Karte bezahlt! „Do you have another card?“ OK, nehmen wir die MaestroCard. „Transaction refused“. Ich bekam einen Schreck, liess mir aber nichts anmerken. Hoffentlich hat die Bank nicht irgendwas gesperrt! Irritiert verliess ich den Supermarkt voller Befürchtungen vorbei an der Bäuerinnenstatue. Mein Beruhigung: Ich dachte, wahrscheinlich akzeptieren die hier für solche Auszahlungen nur finnische Karten. Also, nächster Versuch, 25 km weiter im nächsten Dorf. Unterwegs versuchte ich meine Telefonbanking-PIN zu rekonstruieren – die brauche ich ja nie – falls ich bei meiner Bank anrufen müsste … Da, das Dorf. Kein Automat. Wieder eine für immer geschlossene Bank. Jaja, die Finanzkrise. Lohnt sich nicht mehr, das Geldgeschäft. Das kann ja heiter werden. Letzte Hoffnung: Mein Zielort Haapavesi, wo mir google gleich 2 Automaten versprach. Nachdem ich gelernt hatte, dass etwas mit -paanki am Ende Bank heisst, fand auch ich gleich eine. Kein Automat zu sehen. Aber ein Schlitz neben der Tür. Vielleicht ist der Automat ja innen und man muss sich mit der Karte die Tür öffnen? Ich steckte meine Karte in den Schlitz. Nichts tat sich. Ich wollte sie wieder herausziehen, aber sie steckte fest. Ich zog und zog, sie klemmte. Panik ueberkam mich. Muss ich jetzt irgendeinen Notdienst anrufen und verstehen die mich dann überhaupt?  Mein Prostest-Ich meinte „Nein! das wollen wir doch mal sehen“ und ließ mich meine Zange holen, mit der ich die herausstehenden 5 mm der Karte packte und entschlossen mit einem Ruck herauszog, mich mit einem Rundumblick absichernd, dass mich niemand beobachtete, wie ich mit einer Zange an der Bank herummanipulierte…“Ha! geschafft!“  Unbeschädigt hatte ich die Karte zurück. Aber immer noch kein Geld. Die andere Bank war schräg gegenüber und der Automat außen. Das hätte ich ja einfacher haben können. Dachte ich. „Closed“ flackerte eine schwache Schrift auf den Display. „Neiiiiin!“  Egal, morgen früh haben die ja geöffnet. Zur Not muss ich die auf dem Campingplatz eben vertrösten. Aber ich konnte dort erfolgreich mit Karte bezahlen. Inzwischen hatte ich mich entschieden, einen fälligen Pausentag einzulegen. Heute morgen ging ich also hoffnungsfroh zu Bank Nr. 2, der Automat immer noch ausser Betrieb. Der Kassenraum („ob die mir das Geld einfach so auszahlen?“)  voll Wartender. Ich hatte ueberhaupt keine Lust, die Nummer 17 zu ziehen. (Man zieht in Skandinavien überall Wartenummern, die deutsche Dramatik des „nicht vordrängeln“ verpasst man dort somit völlig). Also rüber zu Bank 1, dort war ich Nummer 2. Auf Englisch erklärte mir die Bankangestellte nunmehr lächelnd, „jaja, die haben da ein EDV Problem. Aber da drueben  am S-Mark“, und sie wies unbestimmt in eine Richtung, „da ist noch ein zweiter Automat.“ Ja, und damit hatte die Geldbeschaffungsgeschichte, die nun wirklich keine Fortseztung mehr brauchte, ihr glückliches Ende gefunden.

Die andere Herausforderung … ich war nach 1520 km mit nur einem Tag Pause erschöpft. Das zeigte sich darin, dass ich meine eben erst in Oulo bei Intersport erstandene 30 € teure Superluxussonnenbrille (die erste hatte ich bereits am Samstag im Wald beim Sch … liegen gelassen) verdödelt hatte (und ich merke sowas immer erst x km später), und darin, dass ich immer wieder aufziehende gewittrig drohende schwarze Wolken, mit böigem Gegenwind  begleitet, nicht als sportliche Herausforderung empfinden konnte, sondern immer wieder schreckhaft nach Unterschlüpfen in Form offener Scheunen Ausschau hielt. Somit habe ich dann wenig Toleranz der Tatsache gegenüber, dass sich google maps bei Entfernungen meistens um 10% nach unten verrechnet, und es dann statt 88 nun 96 km wurden. Ich konnte nicht mehr, und dass das zur Hälfte eine reine Mind-Sache ist, war mir auch klar.  Ich habe ja Zeit. Nur noch 520 km bis Helsinki, plus 10% – müsste selbst bei Gegenwind in einer Woche zu schaffen sein. Selbst wenn bei ländlichen Landstrassen 3.Ordnung der Teerbelag abrupt aufhört und in eine schottrige Lehmoberfläche mündet, die zwar gut zu befahren ist, aber den Reifenwiederstand erhöht …

Viel Abwechslung ist hier landschafttlich nicht zu erwarten: Wald, Wald, Wald, Feld, Weiler, Feld, Wald, Wald, Wald, ein Zipfelchen See (davon sollen ja noch mehr kommen).

Mein Strand am Campingplatz


Die neue Sonnenbrille – futsch

Felix im Blaubeerwald

Was fuer ein Wetter …!

Regenschutz-Zuflucht

Skandinavien 2016, am 16.Tag

Martin aus Stockholm

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o1.August 2016, morgens

Gestern war mein erster kompletter Finnland-Tag auf dieser Reise. Und ich hatte geich ein Ziel: Meinen facebook-Kontakt Martin Valldeby aus Stockholm zu treffen, der eigentlich zur gleichen Zeit die gleiche Strecke mit dem Rad fahren wollte, nur leider bekam er Knieprobleme und fährt nun stattdessen mit dem Auto durch Skandinavien. Er fragte mich also, wo wir uns treffen könnten und ich benannte einen Campingplatz in Ii (ja, 2 i!). Nicht li, Ii. Hier teilten wir uns eine Hütte. Gingen abends Essen und zeigten uns unsere Bilder, ich die von Kanada, er seine von seiner Europa-Durchquerung von Tarifa zum Nordkap in vorigen Jahr. Wir konnten uns ganz gut auf  Englisch verständigen. Netter Kerl.

Die Strecke gestern …. Ich hatte ja gehofft, im Radfahrerparadies zu sein.Und neben jeder Haupstrasse eine Radweg zu finden. Leider – neben der Europastrasse 8, die zu nehmen ich gestern gezwungen war, gibt es den leider auch nur … manchmal. Und der Verkehr war heftig, immerhin schienen wenigstens 80 cm Seitenstreifen garantiert. Langsam werde ich bescheiden…

Die Landschaft ist ähnlich wie in Nordschweden – viel borealer Kiefern- und Birkenwald mit dickem Moosteppich und Heidelbeeren, egal wo man anhält. Das Wetter zwang mich gestern für anderthalb Stunden in einem Cafe zu warten, während es heftig gewitterte. Den Rest des Tages schob ich immer wieder eine grosse dunkle Wolke vor mir her, aber bis zum Ziel blieb ich dann trocken. 104 statt 94 km. google maps kann wieder mal nicht rechnen …

Das Meer…! Lange nicht gesehen, die Ostsee.

Skandinavien 2016, der 14.Tag

Frueh halb 3 Uhr am nördlichsten Zipfel der Ostee

30.Juli 2016

Oh Gott, ich krieg ne Krise mit dem neuen Keyboard, mal wird es erkannt, dann wieder nicht…

Nachdem mich mein brennendes Auge die halbe Nacht nicht schlafen liess, (oben ein Bild von heute Nacht um halb 3) entschied ich, heute einen Arzt aufzusuchen, denn Medikamente, die wirklich helfen, gibt es auch in Schweden nur auf Rezept. Ich suchte also die Rettungsstelle vom Krankenhaus in Kalix auf und entgegen aller Befürchtungen von stundenlangem Warten dauerte es nur 1 Stunde und 20 Minuten, dann war ich wieder draußen, nachdem ich 30 € Praxisgebuehr bezahlt hatte, konnte ich zur Apotheke fahren und mir eine antibiotische Salbe holen.

Trotzdem schaffte ich es auf der wochenendberuhigten E4 nach Finnland und auf den letzten Drücker bevor alles dicht machte (ich vergass, dass es hier eine Stunde später ist), mir eine SIM Karte zu holen mit unbegrenztem Datenvolumen fuer ganze 24,90 €!!!.

Bei diesen zaunförmigen Leitplanken muss ich immer wieder an Eierschneider denken …


Ja, Finnland, da bin ich! Das letzte Mal war 1998, mit Mirca hoch oben nördlich vom Polarkreis bis nach Kirkenes und über die Varanger Halbinsel zurueck. Mit dem Rad natürlich. Im Moment fuehle ich mich etwas analphabetisch, erinnere mich aber, dass die Lebensmittel immerhin auch auf schwedisch beschriftet waren, das kann ich wenigstens erraten.

Die Fahrradindfrastruktur ist jedenfalls noch besser als die schwedische, mit kreuzungsfreien Radwegen (Tunnel unter den Kreuzungen). Ich wünschte, ich könnte noch munter tiefsinnige Stories erzählen. Die fallen mir unterwegs manchmal ein, abends ist dann alles weg, und wenn ich das Keyboard überreden konnte, sich mit meinem Fonepad zu verbinden, fällt mir nix mehr ein.

So, bevor der Strom alle ist … Gute Nacht für heute.

Skandinavien 2016 –  der 13. Tag     

29.Juli  2016

So meine Lieben, ich hoffte es und hatte recht, der Media-Markt in Luleå hatte ein passendes Keyboard, wenn auch mit schwedischer Tastatur, Å!!!

Aber sie zickt noch und manchmal will sie gar nicht. Deswegen nur kurz heute. Ich befinde mich also heute am allernördlichsten Ostsee-Zipfel, einer Bucht bei Töre. Und da die Abendsonne lacht, musste ich unbedingt noch ins Hafenbecken hoppsen (Strand hamse nich), sauwarme mindestens 21,5 Grad. Also nichts wie rein, schnell noch geprüft, wie ich da wieder raus komme, da war ein Fender und ein Seil, das müsste klappen. Dachte ich. Zunehmend verzweifelt versuchte ich mich herauszuziehen. Zum Glück waren ein paar stämmige Typen in Rufweite und einer erbarmte sich meiner. Sonst könnte ich das jetzt nicht tippen… Das ist hier übrigens der bestimmt billigste aller schwedischen Campingplätze – ganze umgerechnet 5 € und ne Bar mit Bier die bis 23 Uhr (!!) auf hat.Dafür habe ich einen Logenplatz mit Blick über den letzten Ostseerest (das Wasser schmeckt übrigens kein bisschen salzig).


Morgen werde ich wohl mehr oder weniger über die autobahnähnliche E4 Finnland erreichen, die Umfahrungen des „cykelpåret längs ostkusten“ sind mir echt zu umständlich und wie Schleifen um die E4 herumgelegt. Also, bis dann!

Skandinavien 2016 8.Tag

25.Juli 2016

Mein Bluetooth Keyboard hat sich verabschiedet. Jetzt muss ich Buchstabe für Buchstabe schneckenlangsam mit der Bildschirmtastatur hier reinzaubern. Und das, meine lieben Leser, ist mir echt zu kompliziert. ICH HABE URLAUB!!

Großes Indianerehrenwort, ich hole das alles nach, wenn die Technik wieder zur Verfügung steht!