Skandinavien 2016, am 18.Tag

3.August 2016

Heute ist mal wieder ein Pausentag. Der war nötig. Denn Finnland ist eine besondere Herausforderung. Ich beginne mit den weniger schwierigen Dingen. Hinter Oulo, auf dem nächsten Campingplatz fiel mir auf, dass ich kaum noch Bargeld im Portemonnaie hatte. Und prompt konnte ich dort ganz unüblicher Weise nicht mit Kreditkarte bezahlen. Nun, es reichte dafür noch. Also, bei nächster Gelegenheit daran denken. Das war in Paavola, einem Dorf am Schnittpunkt mehrerer Strassen. Am zentralen Platz eine … nicht mehr existierende Bank … und ein Supermarkt. Da konnte ich ja immerhin mit der Karte bezahlen. Im Vorraum sass eine ältere Bäuerin mit einem urfinnischen breitem, blassen Gesicht regungslos und wie in einer Wartehalle. Mich Alien mit Radlerhelm bemerkte sie offenbar gar nicht. An der Kasse versuchte ich auf Englisch nach einem Geldautomaten zu fragen und erntete nur Unverständnis, die Kassiererin konnte kein Englisch. Ich ging wieder raus und befragte meine Übersetztungs-app: „Paankiautomati“ – ein draussen herumlungernder Junge konnte auch damit nichts anfangen, also ging ich mit dieser Erkenntnis noch mal vorbei an der wie eine Statue da sitzenden Bäuerein in den Supermarkt. Jetzt war plötzlich ein junger Mann da, der etwas Englisch konnte und meinte, er könne das über die Kasse regeln. „How much do you want?“ Ich dachte, ah so geht das hier, wie bei REWE, und sagte 200 €.  Ich steckte die Karte in den Apparat. „Transaction refused“. Ich war irritiert. Hatte doch eben erst hier mit eben dieser Karte bezahlt! „Do you have another card?“ OK, nehmen wir die MaestroCard. „Transaction refused“. Ich bekam einen Schreck, liess mir aber nichts anmerken. Hoffentlich hat die Bank nicht irgendwas gesperrt! Irritiert verliess ich den Supermarkt voller Befürchtungen vorbei an der Bäuerinnenstatue. Mein Beruhigung: Ich dachte, wahrscheinlich akzeptieren die hier für solche Auszahlungen nur finnische Karten. Also, nächster Versuch, 25 km weiter im nächsten Dorf. Unterwegs versuchte ich meine Telefonbanking-PIN zu rekonstruieren – die brauche ich ja nie – falls ich bei meiner Bank anrufen müsste … Da, das Dorf. Kein Automat. Wieder eine für immer geschlossene Bank. Jaja, die Finanzkrise. Lohnt sich nicht mehr, das Geldgeschäft. Das kann ja heiter werden. Letzte Hoffnung: Mein Zielort Haapavesi, wo mir google gleich 2 Automaten versprach. Nachdem ich gelernt hatte, dass etwas mit -paanki am Ende Bank heisst, fand auch ich gleich eine. Kein Automat zu sehen. Aber ein Schlitz neben der Tür. Vielleicht ist der Automat ja innen und man muss sich mit der Karte die Tür öffnen? Ich steckte meine Karte in den Schlitz. Nichts tat sich. Ich wollte sie wieder herausziehen, aber sie steckte fest. Ich zog und zog, sie klemmte. Panik ueberkam mich. Muss ich jetzt irgendeinen Notdienst anrufen und verstehen die mich dann überhaupt?  Mein Prostest-Ich meinte „Nein! das wollen wir doch mal sehen“ und ließ mich meine Zange holen, mit der ich die herausstehenden 5 mm der Karte packte und entschlossen mit einem Ruck herauszog, mich mit einem Rundumblick absichernd, dass mich niemand beobachtete, wie ich mit einer Zange an der Bank herummanipulierte…“Ha! geschafft!“  Unbeschädigt hatte ich die Karte zurück. Aber immer noch kein Geld. Die andere Bank war schräg gegenüber und der Automat außen. Das hätte ich ja einfacher haben können. Dachte ich. „Closed“ flackerte eine schwache Schrift auf den Display. „Neiiiiin!“  Egal, morgen früh haben die ja geöffnet. Zur Not muss ich die auf dem Campingplatz eben vertrösten. Aber ich konnte dort erfolgreich mit Karte bezahlen. Inzwischen hatte ich mich entschieden, einen fälligen Pausentag einzulegen. Heute morgen ging ich also hoffnungsfroh zu Bank Nr. 2, der Automat immer noch ausser Betrieb. Der Kassenraum („ob die mir das Geld einfach so auszahlen?“)  voll Wartender. Ich hatte ueberhaupt keine Lust, die Nummer 17 zu ziehen. (Man zieht in Skandinavien überall Wartenummern, die deutsche Dramatik des „nicht vordrängeln“ verpasst man dort somit völlig). Also rüber zu Bank 1, dort war ich Nummer 2. Auf Englisch erklärte mir die Bankangestellte nunmehr lächelnd, „jaja, die haben da ein EDV Problem. Aber da drueben  am S-Mark“, und sie wies unbestimmt in eine Richtung, „da ist noch ein zweiter Automat.“ Ja, und damit hatte die Geldbeschaffungsgeschichte, die nun wirklich keine Fortseztung mehr brauchte, ihr glückliches Ende gefunden.

Die andere Herausforderung … ich war nach 1520 km mit nur einem Tag Pause erschöpft. Das zeigte sich darin, dass ich meine eben erst in Oulo bei Intersport erstandene 30 € teure Superluxussonnenbrille (die erste hatte ich bereits am Samstag im Wald beim Sch … liegen gelassen) verdödelt hatte (und ich merke sowas immer erst x km später), und darin, dass ich immer wieder aufziehende gewittrig drohende schwarze Wolken, mit böigem Gegenwind  begleitet, nicht als sportliche Herausforderung empfinden konnte, sondern immer wieder schreckhaft nach Unterschlüpfen in Form offener Scheunen Ausschau hielt. Somit habe ich dann wenig Toleranz der Tatsache gegenüber, dass sich google maps bei Entfernungen meistens um 10% nach unten verrechnet, und es dann statt 88 nun 96 km wurden. Ich konnte nicht mehr, und dass das zur Hälfte eine reine Mind-Sache ist, war mir auch klar.  Ich habe ja Zeit. Nur noch 520 km bis Helsinki, plus 10% – müsste selbst bei Gegenwind in einer Woche zu schaffen sein. Selbst wenn bei ländlichen Landstrassen 3.Ordnung der Teerbelag abrupt aufhört und in eine schottrige Lehmoberfläche mündet, die zwar gut zu befahren ist, aber den Reifenwiederstand erhöht …

Viel Abwechslung ist hier landschafttlich nicht zu erwarten: Wald, Wald, Wald, Feld, Weiler, Feld, Wald, Wald, Wald, ein Zipfelchen See (davon sollen ja noch mehr kommen).

Mein Strand am Campingplatz


Die neue Sonnenbrille – futsch

Felix im Blaubeerwald

Was fuer ein Wetter …!

Regenschutz-Zuflucht

Veröffentlicht in: Blog

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